Bill White, der US-Botschafter in Belgien, zeigte sich auf der Plattform X alles andere als diplomatisch. Belgien müsse aufhören mit der "lächerlichen und antisemitischen Verfolgung von drei jüdischen Beschneidern in Antwerpen". Diese drei Beschneider praktizierten nur eine Methode, "für die sie ausgebildet wurden und die auf einer jahrtausendealten Tradition fuße", schrieb White.
Und dann äußerte er noch persönliche Kritik an Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke, den er als "äußerst unhöflich" bezeichnete. Vandenbroucke müsse es gesetzlich ermöglichen, dass die jüdischen Beschneider ihre Arbeit ausüben können. Belgien sei ja schließlich ein zivilisiertes Land.
Spätestens da ist wohl so manchem die Hutschnur gerissen. Vooruit-Chef Conner Rousseau nahm seinen Parteifreund Vandenbroucke in Schutz und übte scharfe Kritik am Vorstoß von Bill White. Wenig später reagierte auch Außenminister Maxime Prévot: Der Antisemitismusvorwurf sei falsch, beleidigend und unannehmbar, hieß es in einer Stellungnahme. Das belgische Gesetz erlaube rituelle Beschneidungen, unter der Bedingung, dass sie von einem qualifizierten Arzt unter strengen Gesundheits- und Sicherheitsstandards durchgeführt werden. Und jeder in Belgien akkreditierte Botschafter habe unsere Institutionen, unsere gewählten Vertreter und die Unabhängigkeit unserer Justiz zu respektieren, schrieb Prévot. Er habe denn auch den US-Botschafter für Dienstag einbestellt.
In einer weiteren Stellungnahme blieb Bill White allerdings ausdrücklich bei seinen Vorwürfen.
Roger Pint