Die aktuelle Regierung der Föderation Wallonie-Brüssel (FWB) hat die Berechnungsmethode für die Einschreibegebühr geändert und die Beträge angepasst. Einziges Kriterium wird das Einkommen des Haushalts. Also, grob gesagt, je mehr die Eltern verdienen, desto teurer wird die Einschreibung.
Künftig gibt es vier Stufen: Stipendiatinnen und Stipendiaten zahlen weiterhin nichts, Familien mit bescheidenem Einkommen zahlen 374 Euro, es gibt einen Zwischentarif von 835 Euro und der volle Tarif beträgt knapp 1.200 Euro. Im Vergleich zu jetzt (835 Euro) wird der Höchstbetrag also mehr als 40 Prozent teurer.
Neu ist auch, dass der Betrag für alle Studienrichtungen und alle Einrichtungen gleich ist. Das kann einen riesigen Unterschied machen, denn es gibt zahlreiche Hochschulen, wo man aktuell nicht mal 200 Euro Einschreibung zahlt. Die Studierenden und ihre Familien müssen in diesen Extremfällen also gut 1.000 Euro mehr bezahlen. Fast 60 Prozent der Studierenden müssen den vollen Tarif bezahlen.
Laut der Regierung ist die Reform nötig, weil die Tarife schon seit 2011 nicht mehr angepasst wurden und die Französische Gemeinschaft in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Seit Jahren schreibt sie rote Zahlen und das Defizit wird für die öffentliche Hand immer schwerer zu tragen. Außerdem muss das Hochschulwesen refinanziert werden.
Viele Studierende haben Angst vor der zusätzlichen, finanziellen Belastung. Sie haben oft schon hohe Fixkosten für Miete, Essen und Studienmaterial. Der Präsident der Föderation der frankophonen Studierenden (FEF) sagte der RTBF, dass die Reform in ihrer aktuellen Gestaltung Chancengleichheit verringert, mehr Verwaltungsaufwand generiert und nicht klar genug ausformuliert ist.
Das Problem ist für ihn, dass man erst mal den vollen Betrag zahlen muss und dann erst einen geringeren Betrag beantragen kann. Dazu muss man Dokumente einreichen, zum Beispiel den Steuerbescheid des Haushalts. Und weil die Verwaltung überlastet ist, kann das dauern. Manchmal bis zum Februar des Schuljahres.
Seiner Meinung nach wird die Reform nicht - wie von der Regierung angekündigt - vor allem von den breitesten Schultern unserer Gesellschaft getragen. Wenn man sich anschaue, ab welchem Haushaltseinkommen der volle Tarif gezahlt werden müsse, sei man eher bei einem Durchschnittseinkommen, sagte er.
Das Kabinett der zuständigen Ministerin, Elisabeth Degryse, hält dagegen und meint, dass diese Reform ausgleichend wirkt und Haushalten mit weniger Einkommen zugute kommt. Die Bedingungen, ab denen ein Haushalt als Haushalt "mit bescheidenem Einkommen gilt", wurden ausgeweitet. Es sollen also mehr Studierende von einem niedrigeren Tarif profitieren können. Sie verspricht auch, dass die Hälfte der zusätzlichen Einnahmen genutzt werden, um das Hochschulwesen zu refinanzieren.
Anne Kelleter