Alte Gebäude, marode Infrastruktur und eine wachsende Bevölkerung: Belgien steht laut dem Bauverband Embuild vor der größten Bau- und Renovierungsaufgabe seit Jahrzehnten. Belgische Wohnungen sind im Schnitt 75 Jahre alt, in Brüssel und der Wallonie sogar rund 90 Jahre. Energetisch sind viele völlig überholt - nur etwa fünf Prozent gelten derzeit als klimaneutral.
Um die Klimaziele für 2050 zu erreichen, müssten täglich rund 600 Wohnungen renoviert werden. Aktuell seien es nur etwa 100. Embuild betont: Die Bauunternehmen wären bereit, dieses Tempo zu stemmen. Voraussetzung seien jedoch langfristig stabile Förderprogramme, verlässliche Genehmigungsverfahren und Planungssicherheit über zehn bis 25 Jahre.
Doch es geht nicht nur um Sanierungen. Bis 2050 wächst die Bevölkerung um rund 800.000 Menschen. Embuild rechnet daher mit einem Bedarf von fast 900.000 neuen Wohnungen, vor allem in Flandern, aber auch rund 280.000 in der Wallonie.
Auch der Zustand öffentlicher Gebäude bereitet Sorgen: Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime und Gefängnisse sind im Schnitt 50 Jahre alt, 95 Prozent davon erfüllen die künftigen Energienormen nicht. Zusätzlich werden neue Einrichtungen benötigt - von Pflegeheimen bis zu Gefängnissen. Großer Handlungsbedarf besteht zudem bei der Infrastruktur. Ein Drittel der wichtigsten Straßen, Brücken und Tunnel muss saniert oder komplett erneuert werden.
Ob Wohnbau, öffentliche Gebäude oder Verkehrsinfrastruktur - der Investitionsbedarf sei gewaltig, so Embuild.
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