Keine Frage: Digitale Abos sind einfach sehr bequem. Dank Audio- und Video-Abos wie Spotify, Netflix, Disney+ und Co. können wir quasi immer und überall und vor allem wann wir wollen, hören und schauen, wonach uns der Sinn steht. Viele Filme und Serien gibt es sowieso nur noch auf den Streaming-Plattformen. Das Gleiche gilt für digitale PayTV-Kanäle: Wer hier kein Abo hat, schaut bei wichtigen Sportevents schnell in die Röhre.
Aber das sogenannte "digitale Budget" enthält auch noch viele andere Posten: Beispielsweise Bezahl-Apps, etwa zur Navigation, für Fitness, für Trading oder auch, um Sprachen oder andere Fertigkeiten zu lernen. Dann sind da natürlich auch die Abos, die man mittlerweile für Software abschließen muss, die man vielleicht zum Arbeiten braucht, zum Beispiel für Microsoft 365 oder bestimmte Adobe-Programme. Das gilt natürlich auch fürs Gaming beziehungsweise für Online-Spiele. Und ausreichender Cloud-Speicherplatz wird ebenfalls immer wichtiger, zum Beispiel, um Fotos und Videos zu sichern. Sicherheit? Ja, klar, lassen wir uns auch das was kosten, zum Beispiel für ein Antiviren-Programm oder für einen VPN-Client. Und immer mehr Menschen greifen für alles Mögliche mittlerweile ja auf Künstliche Intelligenz zurück. Und da reicht die kostenlose Version schnell nicht mehr. Auch dafür bitten uns die entsprechenden Firmen natürlich zur Kasse.
Da kommt also wirklich einiges zusammen an Abogebühren. In Belgien sind das im Schnitt ungefähr 170 Euro - pro Monat wohlgemerkt. Und man darf natürlich auch nicht vergessen, dass es die notwendigen Geräte und Internetverbindungen auch nicht umsonst gibt. Zwischen fünf und zehn Prozent des Budgets eines Haushalts gehen laut Schätzungen schon für diese Dienste und Ausrüstung drauf, erklärt Digital-Experte Xavier Degraux gegenüber der RTBF. Und es werden immer mehr: Denn das Geschäftsmodell ist schließlich stets das Gleiche. Erst werden die Kunden geködert mit kostenlosen oder vergleichsweise günstigen Angeboten. Ist der Dienst dann etabliert beziehungsweise haben die Nutzer das Gefühl, nicht mehr ohne ihn auskommen zu können, dann werden Optionen eingeschränkt und werden immer höhere Gebühren eingeführt.
Diese Preiserhöhungen werden von den meisten Kunden eben geschluckt. Einfach weil die einzelnen Mehrbeträge pro Monat nicht so stark auffallen. Aber wenn man die Erhöhungen mal zusammenrechnet, kann man schon mal schlucken. Beispiele gefällig? Laut Berechnungen von La Dernière Heure ist Netflix seit 2014 rund 90 Prozent teurer geworden, Disney+ hat in den letzten fünf Jahren sogar fast 130 Prozent draufgeschlagen. Aktuell gehe man von Preissteigerungen von sieben bis zehn Prozent pro Jahr aus. Die digitalen Ausgaben sind schon ein ziemlicher Brocken und werden die Haushaltsfinanzen immer stärker belasten.
Experten gehen davon aus, dass die digitalen Ausgaben eines Haushalts bis 2030 auf bis zu 220 Euro pro Monat steigen könnten, also um circa 50 Euro in den nächsten vier Jahren. Nur für die Abos. Obendrauf kommen noch die Gebühren für Telefon, Internet und Fernsehen. Diese Pakete sind in Belgien bekanntermaßen besonders teuer und schlagen mit noch mal über 80 Euro pro Monat zu Buche. Wie La Dernière Heure berichtet, bezahlt man in Belgien damit schon jetzt fast 3.650 Euro pro Jahr für Digitales.
Natürlich kann man auch weniger ausgeben. Aber das bedeutet erst mal Arbeit. Dazu muss man sich nämlich zunächst einen Überblick verschaffen, welche Abos man überhaupt hat. Und schon das ist manchmal gar nicht so einfach. Schließlich sind viele Anbieter Meister darin, uns kostenpflichtige Abos unterzujubeln, zum Beispiel, wenn wir vergessen, kostenlose Probezeiträume rechtzeitig zu kündigen. Oder wenn wir Kündigungsfristen vergessen oder verpassen. Oder weil die Kündigungsprozedur absichtlich aufwendig gestaltet ist.
Zweiter Schritt: Prüfen, welche Abos man tatsächlich aktiv nutzt. Weil seien wir mal ehrlich: Der Tag hat nur 24 Stunden, so viel kann man gar nicht konsumieren, dass sich das immer alles rechnet. Das Gleiche gilt natürlich auch für unbenutzte Apps, Programme und so weiter. Und außerdem braucht auch nicht jeder wirklich die Bezahlversion eines Programms, oft genug reichen die kostenlosen Versionen oder es gibt OpenSource-Alternativen.
Und last but not least kann man Verträge optimieren. Zum Beispiel, indem man individuelle Abos zu Familien-Abos zusammenfasst. Viele Firmen bieten auch plötzlich Vergünstigungen an, wenn man kündigt, um die Kunden doch zu halten. Da lässt sich also durchaus einiges einsparen. Die Webseite MesFinances.be geht zum Beispiel aus, dass sich durch all diese Maßnahmen die Kosten um bis zu einem Drittel senken lassen.
Boris Schmidt