Die Gewerkschaften des Gefängnispersonals begrüßen zwar die Abnahme der Zahl der Bodenschläfer, warnen aber davor, eine wirkliche Trendwende zu sehen. Zumindest zum Teil sei die Abnahme nämlich dadurch zu erklären, dass Staatsanwaltschaften und Polizei zum Jahresende hin ihre Aktivitäten erfahrungsgemäß etwas zurückfahren würden. Dadurch sinke in dieser Zeit des Jahres die Zahl der Neuzugänge in den Gefängnissen.
Die strukturellen Probleme blieben bestehen, unterstreichen die Gewerkschaften, noch immer säßen in belgischen Gefängnissen ungefähr 2.400 Häftlinge mehr als es offiziell Plätze gebe. Die aktuell fast 500 Bodenschläfer seien in dieser Hinsicht auch nicht das einzige Problem – weitere 300 Menschen müssten auf Notbetten schlafen. Die Föderalregierung dürfe also keinesfalls den Fehler machen, die schlimmsten Auswüchse der Überbelegung der Gefängnisse als erledigt zu betrachten.
Das Gefängniswesen schließt sich dieser Warnung an. Die gesunkene Zahl der Bodenschläfer sei temporär, man warte weiter auf kurzfristige strukturelle Maßnahmen, um die Problematik der überfüllten Zellen anzugehen. Auch die aktuelle Zahl der Gefängnisinsassen bleibe nicht hinnehmbar hoch. Eine adäquate Betreuung und Begleitung der Häftlinge könne so nicht gewährleistet werden.
Boris Schmidt