Ryanair hatte mitgeteilt, im Winter 2026/2027 fünf seiner 18 Maschinen vom Flughafen Charleroi abzuziehen. Insgesamt werde man in Charleroi und Brüssel eine Million Sitzplätze streichen, so Ryanair. In Charleroi würden deshalb 13 Flugziele wegfallen, in Brüssel sieben.
Man dürfe die Drohung von Ryanair absolut nicht auf die leichte Schulter nehmen, so der wallonische Ministerpräsident Adrien Dolimont von den frankophonen Liberalen MR. Das Ganze sei ein typisches Beispiel für die negativen Auswirkungen einer zu hohen Besteuerung.
Aber man müsse auch unterscheiden, um welche Steuer es gehe und zu welchem Zweck sie erhoben werde. Die föderale Steuer, die seine Partei mitzuverantworten hat, habe als Ziel, das Verhalten der Reisenden zu beeinflussen und dadurch den CO2-Ausstoß zu verringern. Eine ganz andere Geschichte sei hingegen die sogenannte "Abflugsteuer", die die von den Sozialisten regierte Stadt Charleroi erheben wolle. Diese diene nur dazu, die Kassen der Stadt zu füllen, weil man Einsparungen scheue, so Dolimont.
Diesen Vorwurf weist der Bürgermeister von Charleroi, Thomas Dermine, allerdings zurück. Die geplante kommunale Steuer von drei Euro pro Passagier habe nichts mit der Ankündigung von Ryanair zu tun, da sie von der Flughafenbetreibergesellschaft erhoben werde, nicht von den Fluglinien.
Die christliche Gewerkschaft hat derweil angeprangert, dass die Drohungen von Ryanair die übliche Erpressungstaktik der Billigfluglinie seien. Es gehe darum, den Menschen Angst einzujagen und Druck aufzubauen. Das kenne man schon zu Genüge und werde entsprechend reagieren.
Boris Schmidt