In Belgien ist die Zahl der Menschen, die sich für Euthanasie entschieden haben, im Vergleich zum Vorjahr um 16,6 Prozent gestiegen. 3.991 Menschen haben 2024 Euthanasie in Anspruch genommen. Das geht aus Zahlen der entsprechenden Evaluationskommission für Euthanasie (EKEG) hervor.
Den Anstieg erklärt Wim Distelmans, Professor für Palliativmedizin, am Mittwoch in der VRT mit der steigenden Bekanntheit des Euthanasiegesetzes. Inzwischen machen die Menschen, die Euthanasie beantragen, 3,6 Prozent der Sterbefälle in Belgien aus. 3,1 Prozent waren es noch im Jahr 2023.
72,6 Prozent der Patienten waren älter als 70 Jahre. 43,2 Prozent waren älter als 80 Jahre. Euthanasie bei Patienten, die jünger als 40 Jahre sind, ist nur ganz selten der Fall. Es gab letztes Jahr eine Euthanasie an einem Minderjährigen. Damit steigt die Zahl der Minderjährigen, die sich seit der Ausweitung des Gesetzes 2014 der Sterbehilfe unterzogen haben, auf sechs.
In mehr als der Hälfte der Fälle (54 Prozent) war die Krankheit, an der die Patienten litten, Krebs. Oft entscheiden sich Patienten, die an mehrere Krankheiten gleichzeitig leiden, für Euthanasie. Das sind Krankheiten, die einzeln vielleicht noch akzeptiert werden könnten, treten sie aber zusammen auf, sei das Leben einfach nur unerträglich, sagt der Experte. Das sei für viele Menschen der eine Tropfen zu viel, sodass sie nicht mehr leben wollen. Krankheiten, die das Nervensystem angreifen, sind auch oft der Grund für den Schritt, Euthanasie zu beantragen, zum Beispiel ALS. Kognitive Störungen, wie zum Beispiel Alzheimer, sind eher seltener der Auslöser.
Etwas mehr als die Hälfte der Patienten entschied sich dazu, zu Hause zu sterben (50,4 Prozent). Mehr als 30 Prozent starben in Krankenhäusern (ein leichter Rückgang), und 17,6 Prozent in Pflegeheimen.
Wenn den Menschen die Wahl gelassen wird, wo sie am liebsten sterben möchten, dann sei das offensichtlich zu Hause, sagt Palliativmediziner Distelmans. Das werde immer mehr in Betracht gezogen. Das bedeute wiederum auch, dass die Bedeutung der Hausärzte immer mehr zunehmen werde. Den Zahlen zufolge sind die Hausärzte auch weiterhin die Hauptansprechpartner für Patienten, die um Sterbehilfe bitten.
Auch Ausländer können in Belgien Euthanasie beantragen. Letztes Jahr waren es - wie im Vorjahr auch schon - vor allem Menschen aus Frankreich, die das getan haben. 120 Patienten lebten nicht in Belgien, 106 von ihnen kamen aus Frankreich.
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