Electrabel versichert: Belgische AKW sicher

Die dramatischen Ereignisse am havarierten japanischen Kernkraftwerk Fukushima haben in gewisser Weise der ganzen Welt noch einmal die Gefahren vor Augen geführt, die mit der Nutzung der Kernenergie einhergehen. Auch in Belgien ist die Diskussion über einen möglichen Atomausstieg, der ja eigentlich schon beschlossene Sache war, wiederaufgeflammt. Wohl auch vor diesem Hintergrund hat Electrabel, der Betreiber der zwei belgischen AKW in Doel und Tihange, eine wahre Kommunikationsoffensive gestartet. Die Botschaft: Belgiens Atomkraftwerke sind sicher.

Das Kernkraftwerk in Tihange

Kernkraftwerk in Tihange

Klar: Die Bilder von Explosionen in einem Kernkraftwerk sorgen immer für Unbehagen,  selbst wenn sie vom anderen Ende der Welt kommen. Die Möglichkeit, dass vielleicht sogar die Millionenstadt Tokio von einer radioaktiven Wolke verseucht werden könnte, wirft quasi automatisch die Frage auf, ob etwas Vergleichbares nicht auch bei uns passieren kann.

Electrabel, der Betreiber der beiden belgischen Atomkraftwerke in Doel und Tihange, hat sich in den letzten Tagen diskret zurückgehalten. Bis man dann doch eine wahre Kommunikationsoffensive gestartet hat. Ziel war natürlich, die verunsicherten Bürger zu beruhigen. Quintessenz: Die Situation in Japan und in Belgien ist in keiner Weise vergleichbar.

Erstes Beispiel, wie Wim De Clercq, der Direktor des AKW Tihange, in der VRT erklärte: Die Unglücksanlage in Fukushima besteht aus so genannten Siedewasserreaktoren. Hier in Belgien kommen demgegenüber so genannte Druckwasserreaktoren zum Einsatz. Diese Anlagen sind enorm sicher und werden auch ständig kontrolliert.

Der entscheidende Unterschied im Vergleich zu den Fukushima-Reaktoren: Das Wasser, das die Turbinen zur Stromerzeugung antreibt, läuft nicht durch den Reaktorkern. Es gibt im Grunde zwei Wasserkreisläufe. Hinzu kommt: Eine ganze Reihe von sicherheitsrelevanten Vorrichtungen sei sozusagen gedoppelt, sagt Wim de Clercq. Wenn ein Kreislauf ausfällt, steht gleich ein anderer bereit, der dieselbe Aufgabe übernehmen kann.

Erdbeben und Überschwemmungen

Soviel zur Funktionsweise der Reaktoren. Doch ist das längst nicht alles, wie Wim de Clercq  wieder und wieder betont: Beim Bau der Anlagen wurden sämtliche Eventualitäten in Betracht gezogen. In puncto Erdbebensicherheit etwa hat man das stärkste Beben der letzten 500 Jahre als Grundlage genommen und dann noch einmal eine Sicherheitsmarge drauf gepackt. Ähnlich ist man vorgegangen im Zusammenhang mit Überschwemmungsgefahr: Die schwerste Überschwemmung der letzten hundert Jahre, plus noch mal eine Sicherheitsmarge oben drauf.

Und dann würden die Anlagen natürlich auch ständig kontrolliert. Nicht nur von den zuständigen nationalen Stellen, sondern auch von der IAEO, der Internationalen Atomenergie-Organisation. Tihange I, der älteste Reaktorblock des wallonischen AKW, sei demnach noch vor zwei Jahren einer eingehenden Prüfung durch die IAEO unterzogen worden, und das Zeugnis sei ausgezeichnet ausgefallen.

Doch weiß man auch bei Electrabel: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Das muss auch der Direktor von Tihange zugeben. Was derzeit in Japan passiert, sei die Folge einer fast schon unfassbaren Verkettung von unglücklichen Umständen. Das Einzige, was man machen kann: Man muss die Risiken ermitteln und sie entsprechend bei der Konzeption und dem Betreiben der Anlage ständig vor Augen haben.

In jedem Fall sollte man jetzt nichts überstürzen, meint Wim de Clercq wohl auch mit Blick auf das deutsche Moratorium. Natürlich könne er verstehen, dass angesichts der Bilder aus Japan die Beunruhigung groß sei. Doch ist das Thema Kernenergie zu komplex, um hier Entscheidungen übers Knie zu brechen. Einzige Grundlage kann nur die Sicherheit sein: Die Anlagen müssen ständig kontrolliert werden und nur auf dieser Basis können Entscheidungen getroffen werden.

Bild: belga