Das Leben ist wieder teurer geworden: Die Inflationsrate ist im Dezember wieder leicht gestiegen und beläuft sich jetzt auf 1,35 Prozent. Diese Zahl bezieht sich immer auf den gleichen Vorjahreszeitraum, also der Vergleichsmonat ist Dezember 2022.
Diese 1,35 Prozent betreffen aber die Preise in ihrer Gesamtheit; also hier werden Anstiege in einigen Bereichen ausgeglichen durch Senkungen in anderen. Und wenn man dann mal genauer hinschaut, dann sieht man da nach wie vor einige Ausreißer. Wichtigstes Beispiel: Die Lebensmittelpreise. Die steigen nämlich immer noch unverhältnismäßig stark an: Um sieben Prozent auf Jahresbasis, was immer noch erheblich ist.
Diese, nennen wir sie mal, "Lebensmittel-Inflation" ist aber schon seit zehn Monaten durchgehend rückläufig; im November etwa lag sie noch bei über 8 Prozent. Diese immer noch enormen Preissteigerungen im Lebensmittelbereich werden aber vor allem ausgeglichen durch die stark gesunkenen Energiepreise: ein Minus von über 25 Prozent im Vergleich zu Dezember letzten Jahres. Eine Inflationsrate von 1,35 Prozent, damit bewegen wir uns letztlich aber wieder im grünen Bereich, den die EZB empfiehlt.
Wegen der stark gesunkenen Energiepreise ist die Inflationsrate aufs Jahr gerechnet, denn auch vergleichsweise niedrig. In einem Land wie Belgien, in dem ja die Gehälter automatisch an die Preisentwicklung angepasst werden, ist dieser Wert natürlich von tragender Bedeutung. Grob gesagt: Je höher die Teuerungsrate, desto stärker steigen die Gehälter. Maßgeblich für die Entwicklung der Löhne ist aber der sogenannte "Gesundheitsindex". Der bezieht sich nur auf einen Warenkorb, in dem sich die gängigsten Produkte befinden. Grundsätzlich entfernt werden daraus alkoholische Getränke, Tabakwaren und Kraftstoffe.
Und dann muss man noch wissen, dass die Lohnindexierung je nach Sektor unterschiedlich vorgenommen wird. Im Öffentlichen Dienst und auch in einigen Bereichen des Privatsektors folgen die Lohnerhöhungen relativ schnell der Entwicklung des Gesundheitsindexes; meist sind das ein paar Monate. In einigen Branchen wird die Lohnanpassung aber nur einmal im Jahr vorgenommen, nämlich im Januar. Und, man erinnert sich vielleicht: Im vergangenen Jahr war es so, dass die Löhne in einigen Sektoren im Januar 2023 mit einem Mal um über elf Prozent gestiegen sind; ein absoluter Rekord. Klar: 2022 war schließlich das Jahr mit zweistelligen Inflationsraten.
Man ahnt es schon: Von diesen elf Prozent können die Arbeitnehmer diesmal nur träumen. In Belgien werden die verschiedenen Tarifgruppen im Privatsektor ja in sogenannte "paritätische Kommissionen" gegliedert. Die größte davon, die paritätische Kommission 200, umfasst rund eine halbe Million Beschäftigte. Und deren Löhne werden im Januar um knapp 1,5 Prozent steigen.
Dasselbe gilt auch noch für eine Reihe weiterer Tarifgruppen. Unterm Strich geht es hier um rund eine Million Arbeitnehmer. In anderen Branchen werden mitunter auch andere Berechnungsschlüssel angewandt. Da können sich die Lohnsteigerungen dann auch schonmal nur auf knapp 1,2 Prozent belaufen, wie etwa in der Versicherungsbranche; oder auf 1,8 Prozent, wie etwa im Horeca-Sektor oder in der Lebensmittelindustrie. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass sich die Gehaltserhöhungen im Privatsektor irgendwo zwischen eins und zwei Prozent liegen werden.
Roger Pint