Tim und Struppi als Vorbild: Belgiens neuer Mann im All

Die europäische Raumfahrtagentur Esa hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass Raphaël Liégeois aus Namur einer der fünf Glücklichen ist, die am kommenden Weltraumprogramm der Esa mitwirken dürfen. Der 34-jährige Ingenieur wird damit der dritte Belgier sein, der als Astronaut in den Weltraum fliegen wird.

Raphaël Liégeois ist Belgiens neuer Mann im All (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Raphaël Liégeois ist Belgiens neuer Mann im All (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Emotional habe er reagiert, als man ihm zwei, drei Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe mitgeteilt habe, dass die Wahl auf ihn gefallen sei. Emotional, aber auch stolz und mit dem Gefühl für Verantwortung, sagt Raphaël Liégeois, der neue Astronaut Belgiens am Mikrophon der RTBF. Zusammen mit einer Französin, einer Britin, einem Spanier und einem Schweizer bildet Liégeois seit Mittwoch den neuen Astronauten-Jahrgang der Esa.

Dabei lässt der bisherige Beruf von Liégeois kaum darauf schließen, dass sich seine Karriere künftig im All fortsetzen wird. „Ich forsche im Bereich der Neurowissenschaft“, erklärt der 34-Jährige. „Ich entwickele mathematische Modelle des Gehirns, um besser verstehen zu können, was in einem gesunden Gehirn passiert und was in einem Gehirn passiert, das nicht richtig funktioniert, zum Beispiel bei neurotischen Erkrankungen.“

Seine Forschung betreibt Liégeois zurzeit in der Schweiz. Gebürtig in Namur hatte er an der Universität Lüttich studiert und promoviert, bevor es ihn danach beruflich an unterschiedliche Orte in der Welt geführt hat.

Raphael Liégeois und ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher am Mittwoch in Paris (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Raphaël Liégeois und ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher am Mittwoch in Paris (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Dass er trotz seines neurowissenschaftlichen Profils als Astronaut ausgewählt wurde, sei eine bewusste Wahl der Esa gewesen. „Sie haben versucht, eine Astronautenmannschaft mit verschiedenen Kompetenzen zusammenzustellen“, berichtet Liégeois. „Darunter natürlich Kompetenzen beim Fliegen, aber auch eher wissenschaftliche Kompetenzen.“

Doch auch das Fliegen – oder besser gesagt: das nicht auf der Erde sein – kennt Liégeois aus langjähriger Erfahrung. Seit 15 Jahren ist er begeisterter Pilot von Heißluftballons. Diese Momente in der Luft seien einzigartig. Aber auch etwas abenteuerlich, denn man könne nicht immer lenken. Man müsse mit Überraschungen zurechtkommen können.

Reise zum Mond nicht ausgeschlossen

All das sind Kompetenzen, die Liégeois künftig helfen werden. Am 3. April wird es losgehen. Dann werden die neu ernannten Astronauten – und übrigens auch elf Ersatzastronauten – im Kölner Luft- und Raumfahrtzentrum mit ihrer Ausbildung beginnen. Die wird rund ein Jahr dauern. Wohin danach die erste Mission im Weltall führen wird, ist mehr oder weniger schon klar. Liégeois gibt an: „Sehr wahrscheinlich werden wir mit der Internationalen Raumfahrtstation ISS beginnen, denn da weiß man mehr oder weniger, wie es läuft.“

Was nach der ISS kommen wird, hängt von verschiedenen Faktoren und Entscheidungen ab. Eine Reise zum Mond ist dabei nicht ausgeschlossen. Die Zeitung La Libre Belgique rechnet am Mittwoch allerdings schon vor, dass so eine Reise zum Mond für den neuen Astronauten-Jahrgang der Esa vor 2030 wohl nicht drin sein wird.

Trotzdem könnte Liégeois sich das durchaus vorstellen. Allerdings deutet er das nur indirekt an. Danach gefragt, wie die Idee zur Raumfahrt bei ihm entstanden sei, verweist Liégeois auf die beiden Belgier, die vor ihm bereits im All gewesen sind. „Frank De Winne, Dirk Frimout haben mich inspiriert“, sagt er. „Aber auch die Lektüre von Tim und Struppi. Auch Struppi ist auf dem Mond spazieren gegangen. Ich werde mein Bestes geben, um Belgien zu repräsentieren. Belgien ist ein sehr kleines Land in Europa, aber ein sehr großes Land in der Luft- und Raumfahrt.“

Raphaël Liégeois ist Belgiens neuer Mann im All (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Bild: Eric Lalmand/Belga

Kay Wagner