Van Quickenborne: Belgien ist in Phase des Drogen-Terrorismus eingetreten

Belgien ist nach Ansicht von Justizminister Vincent Van Quickenborne in die Phase des Drogen-Terrorismus eingetreten. Das sagte Van Quickenborne mehreren Medien von einem geheimen Ort aus.

Justizminister Van Quickenborne (Bild: Hatim Kaghat/Belga)

Justizminister Van Quickenborne (Bild: Hatim Kaghat/Belga)

Wer sich mit Kriminellen anlegt, der weiß, dass das gefährlich werden kann. Das gilt insbesondere für Drogenkriminelle, denn es gibt wohl kaum einen anderen Bereich, in dem es um so große Summen Geld geht. Gerade deswegen schrecken die Verbrecher selbst vor den brutalsten Methoden nicht zurück.

Oft geht es dabei um Verteilungskämpfe von Kartellen untereinander. Aber wie man gerade am Beispiel Mittel- und Südamerika bereits seit Jahrzehnten sieht, schrecken die „Narcos“, die Drogenhändler, auch nicht vor Gewalt gegen vollkommen Unbeteiligte und selbst nicht gegen den Staat und seine Sicherheits- und Justizorgane zurück.

All das wusste Justizminister Vincent Van Quickenborne, als er sich kurz nach seinem Amtsantritt im November 2020 auch den Kampf gegen die Drogenkriminalität auf die Fahnen schrieb. Drohungen gegen seine Person – selbst tödliche – habe er bereits vor letzter Woche gekannt, bestätigte er der RTBF im Interview aus seinem „Safe House“. Aber er hätte nie gedacht, dass sich die Situation so entwickeln würde, wie das letzte Woche geschehen sei.

Die Untersuchung laufe zwar noch, aber er glaube nicht, dass man nach Hintermännern und einem Motiv lange suchen müsse, so der Justizminister per Videokonferenz mit der VRT. Belgien habe den Kampf gegen die Drogenkriminalität deutlich verstärkt und dank des Knackens des – auch von den Verbrechern genutzten – Krypto-Messengerdienstes „Sky ECC“ seien dabei große Fortschritte erzielt worden.

Beamte und Familien einschüchtern

Diesen Kampf führe er nicht alleine, sondern die ganze Regierung. Selbst aus der Opposition gebe es viel Unterstützung. Den täglichen Kampf direkt auf der Straße führten natürlich die Polizisten und Richter vor Ort.

Die Drogenkriminellen versuchten deshalb, diese Beamten einzuschüchtern, eben weil sie ihnen so im Nacken säßen. Auch die Familien dieser Polizisten und Richter machten sich Sorgen um ihre Lieben. Er wolle die jetzige Situation seiner Familie deshalb nicht als besonderes Leid dargestellt haben, so der Justizminister sinngemäß.

Aber er glaube dennoch, dass die Gesellschaft hier nicht nachgeben dürfe. Denn dann drohten südamerikanische Verhältnisse, ein „Narco-Staat“: Ein Staat, in dem die Drogenhändler über dem Gesetz stünden und alles bestimmten. So etwas sei nicht hinnehmbar.

Neue Phase der Drogengewalt

Solche Verhältnisse sieht der Justizminister in Belgien noch nicht. Auch nicht Verhältnisse wie etwa in den Niederlanden, wo es bereits Morde sogar an Journalisten und Anwälten auf offener Straße gegeben hat. Er denke aber, dass Belgien in eine neue Phase der Drogengewalt eingetreten sei: Die des Drogenterrorismus beziehungsweise „Narco-Terrorismus“. Die Unterwelt versuche, die Gesellschaft zu destabilisieren und die Kontrolle zu übernehmen.

Van Quickenborne verwies in diesem Zusammenhang auch auf Italien und die blutigste Zeit des Kampfes gegen die Mafia, etwa als der bekannte Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone mit einer Bombe unter seinem Auto ermordet wurde und auch viele weitere Menschen den Killern der Mafia zum Opfer fielen.

Dort habe man damals auch gesagt, dass die Mafia nicht zu besiegen sei. Dennoch sei viel erreicht worden. Belgien müsse den Kampf wie Italien führen.

Seine Botschaft ist deshalb eindeutig: Belgien werde auf keinen Fall und niemals aufgeben. Der Kampf gegen die Drogenkriminalität werde weitergehen, betonte der Justizminister.

Boris Schmidt