Brainstorming: Keine gute Idee

Es ist kein Privileg der Wirtschaft, auch im privaten Umfeld oder in Vereinen ist man auf gute Ideen angewiesen. Doch was ist, wenn es keine gibt? Oft soll ein Brainstorming helfen, eine Ideensammlung in der Gruppe. Doch es gibt starke Zweifel daran, ob ein Brainstorming wirklich eine gute Idee ist.

Bild: Taras Malyarevich/Panthermedia

Bild: Taras Malyarevich/Panthermedia

Gemeinsam in einem Raum die Ideen sprudeln lassen gilt nach wie vor als Mittel, um kreative Lösungen zu finden. Die Forschung zeigt jedoch, dass ein Gruppen-Brainstorming die Kreativität tötet.

„Während eines Brainstormings verbringt man die meiste Zeit damit, anderen zuzuhören“, erklärt Kiki de Jonge, Psychologiedozentin an der Universität Groningen, das Problem. „Das unterbricht den eigenen Denkprozess. Oder man vergisst seine eigenen Ideen. Oft übernehmen einige wenige dominante Personen die Führung und die ganze Gruppe macht mit. So kommen dann viele gute Ideen gar nicht auf den Tisch.“

Zudem zeigt sich auch, dass Menschen weniger produktiv sind, je größer die Gruppe ist, sagt der Arbeitspsychologe Michiel Jongerden. „In Gruppen neigt man dazu, sich von den Ideen der anderen mitreißen zu lassen. Während man in einer kleinen Dreiergruppe noch den Druck spürt, einen eigenen Beitrag zu leisten, ist das in einer Gruppe von zehn Personen viel geringer“, erklärt er.

Daher ist ein Tipp, erst mal die Möglichkeit zu schaffen, allein zu brainstormen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Menschen Zeit haben, selbst zu denken. Das soll zu einem wesentlich höheren Input führen. Man muss also nicht ganz auf das Prinzip Brainstorming verzichten.

Brainstorming online: Vorteil der Anonymität

Seit Corona arbeiten Menschen immer öfter von zu Hause aus. Meetings finden auch häufig online statt. Das muss kein Problem sein, sagt Psychologiedozentin De Jonge. Es gibt Programme, da kann man Post-its mit Ideen online erstellen und austauschen oder gar gemeinsam verbessern. Damit Beiträge aber gleichermaßen ernst genommen werden, sei es wichtig, sicherzustellen, dass alle Ideen anonym sind.

Durch die Anonymität wird verhindert, dass die Ideen einer Führungskraft unbewusst bevorzugt werden, sagt De Jonge. Es ermutigt auch bescheidenere oder introvertierte Menschen, ihre Ideen einzubringen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Anonymität die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Leute auf mutigere oder außergewöhnliche Ideen kommen, die vielleicht erst mal verrückt klingen, aber dann doch perfekt sind.

Erst sammeln, dann sortieren

Beim Brainstormen geht es zuerst um Quantität, und dann erst um die Qualität der Ideen. Also erst viele Ideen finden – schauen, welche die besten sind, das geschieht in einer zweiten Phase. Das Problem ist, dass sich viele in einer Brainstorming-Phase schon auf die Anwendbarkeit einer Idee konzentrieren. Das bremst aber den kreativen Denkprozess und hemmt andere, wenn man gleich die kritische Brille aufsetzt.

Um das zu verhindern, soll man vereinbaren, dass Ideen erst dann bewertet werden, wenn man mindestens eine vorher bestimmte Zahl an Ideen gesammelt hat.

demorgen/mz