Rekord-Pollenkonzentration: Was können Geplagte tun?

Laufende Nase, Niesen und andere Atemwegsbeschwerden - das Wochenende könnte für den einen oder anderen recht unangenehm gewesen sein. Die Ursache sind Pflanzenpollen. Das Institut für Volksgesundheit (Sciensano) hat am Wochenende einen Rekordwert gemessen.

Allergie (Bild: Philippe Huguen/AFP)

Bild: Philippe Huguen/AFP

433 Teilchen pro Kubikmeter Luft hat Sciensano am Samstag für die Pollenkonzentration in Brüssel gemessen. Das ist über acht Mal höher als der Schwellenwert, ab dem Allergiker beginnen, körperliche Beschwerden zu spüren. Ab besagtem Schwellenwert von 50 Teilchen pro Kubikmeter Luft spricht das Institut für Volksgesundheit von einer „intensiven“ Pollensaison.

Der jetzt gemessene Wert sei sogar der höchste der vergangenen 40 Jahre an dieser Messstelle, wie die für Mykologie und Aerobiologie Verantwortliche des Instituts bestätigte.

Bis zu 15 Prozent der Belgier betroffen

Das bekommen neben Heuschnupfen-Geplagten natürlich recht unmittelbar auch die Ärzte und Spezialisten zu spüren, an die sich diese Leidenden dann wenden. Einer von ihnen ist der Allergologe und HNO-Arzt Peter Hellings vom Universitätskrankenhaus Löwen. Zehn bis 15 Prozent der belgischen Bevölkerung litten geschätzt unter allergischen Reaktionen in den Atemwegen gegen Pflanzenpollen, so Hellings bei Radio Eén.

Dabei handele es sich um ein Phänomen, das über die letzten Jahrzehnte sehr stark zugenommen habe. Zurückgeführt werde das darauf, dass wir unter immer hygienischeren Umständen lebten. Dadurch sei das Immunsystem insbesondere im Kindesalter viel weniger als früher Viren, Bakterien, aber auch anderen Luft-Partikeln ausgesetzt.

Dieses Jahr kommt für den Allergologen aber noch ein anderer Umstand erschwerend hinzu, wie er in der Zeitung De Standaard erklärt: In den letzten beiden Jahren haben wir wegen Corona oft eine Mundschutzmaske getragen. Die hat natürlich auch dazu beigetragen, dass wir weniger Pollen eingeatmet haben. Anfällige Personen hätten so auch weniger Probleme während der Pollensaison gehabt.

Pollensaison immer länger

Die aktuellen klimatologischen Bedingungen von hohen Temperaturen führen dazu, dass die Pollen von Gräsern oder Bäumen besonders gut gedeihen können. Dadurch, dass es nur wenig oder gar nicht regnet, wird der Pollen auch viel weniger aus der Luft „herausgewaschen“ – die Kehrseite des schönen Frühlings und Frühsommers.

Man stelle fest, dass die Pollensaison immer länger werde, heißt es auch von Sciensano. Während man traditionell von einer Pollensaison von Anfang Mai bis Ende Juni ausgehe, so sehe man immer häufiger eine Pollensaison, die bereits im April beginne und sich sogar bis in den Juli hinein ziehen könne.

Er befürchte angesichts der Wettervorhersage für die nächste Zeit auch, dass sich Pollenallergiker noch eine Weile auf diese Gegebenheiten einrichten müssten, so Hellings.

Tipps für Allergiker

Aber immerhin gibt es Gegenmaßnahmen, die zumindest dabei helfen können, die Beschwerden zu lindern. Grundsätzlich wird dabei zwischen vorbeugenden und behandelnden Maßnahmen unterschieden.

Die beste präventive Maßnahme ist für Allergiker natürlich, den Kontakt mit Pflanzenpollen so weit es eben geht zu vermeiden. Dabei könne es helfen, tagsüber zwischen zehn und 18 Uhr die Fenster geschlossen zu halten, so der HNO-Arzt. Das sei natürlich auch die Zeit, in der man sich besser wenig draußen aufhalte und betätige.

Beim Sporttreiben könne man auch eine Maske und eine Sonnen- oder Schutzbrille tragen, um die Ablagerung von Pollen in besonders sensiblen Körperregionen zu minimieren.

Ebenfalls positiv könne sich das regelmäßige Spülen der Nase mit einer Kochsalzlösung auswirken, denn dadurch würden Pollenteilchen ausgespült, die sich auf der Nasenschleimhaut abgesetzt hätten.

Für die Linderung bestehender Symptome sei es gut, einen spezialisierten Arzt zu konsultieren, empfiehlt Hellings. Der könne dann gemeinsam mit dem Patienten ermitteln, welche Therapie am besten sei. So gebe es etwa Nasensprays und Tabletten, die Symptome effizient unterdrücken könnten.

Außerdem gebe es mittlerweile auch gute Immuntherapien, bei denen die körperliche Abwehr von Patienten mit nach und nach steigenden Dosen quasi an den Pollen gewöhnt werde. Hier seien in den vergangenen 20 Jahren enorme Fortschritte gemacht worden.

Boris Schmidt