Fruchtfliegen – ein vermeidbares Übel

Bei gewissen Tieren hört die Tierliebe auf. Dazu zählen sicher auch die Fruchtfliegen. In vielen Küchen tauchen sie plötzlich auf. Der Geruch von Alkohol und verwesendem Obst zieht sie an. Gefährlich sind sie nicht - aber lästig, weil man sie nur schlecht los wird.

Fruchtfliegen auf Birnen

Bild: Martina Unbehauen/Panthermedia

Fruchtfliegen sind im Freien allgegenwärtig, im Garten oder auf der Straße fallen sie aber weniger auf. Leider können sie schon von weitem gut riechen, ob es im Haus etwas Leckeres gibt – zum Beispiel einen faulenden Pfirsich in der Obstschale. Dann fliegen sie hinein. Es sei denn, sie werden durch ein Fliegen- und Mückenschutzgitter aufgehalten. Aber oft finden sie einen Weg durch einen Spalt oder eine kleine Öffnung.

„Sobald sie im Haus ankommen, verbreiten sie Duftstoffe, mit denen sie ihre Freunde anlocken“, erklärt Bregje Wertheim, eine auf Fruchtfliegen spezialisierte Professorin. Im Sommer geht die Entwicklung einer Fruchtfliegenplage schnell voran, weil sie sich schneller vermehren. Laut Wertheim legt ein Fruchtfliegenweibchen in der warmen Jahreszeit zwischen 50 und 300 Eier, die innerhalb von neun bis elf Tagen schlüpfen. Bei kälteren Temperaturen dauert es oft etwa drei Wochen, bis die Eier schlüpfen.

Faulendes Obst, Alkohol und Kaffeesatz

„Fruchtfliegen werden nur von faulendem Obst angezogen“, sagt Wertheim. Frische Äpfel, Bananen oder Nektarinen sind also nicht das Problem. „Der Geruch von Alkohol zieht sie an. Früchte, die gären, geben diesen Geruch ab.“ Auch Bierreste in einem Glas oder eine entkorkte Weinflasche sind eine echte Attraktion für die Fruchtfliegen.

Auch Kaffeefilter oder -Pads können Fruchtfliegen anlocken. „Ein Filter mit Kaffeesatz ist aber nur dann attraktiv, wenn er schon eine Weile gärt und sich dadurch Schimmel bildet“, sagt die Expertin.

Eierablage im faulenden Obst

Man muss übrigens nicht befürchten, dass Fruchtfliegen ihre Eier irgendwo in der Küche ablegen und dann alle Schränke abgewaschen werden müssen. Die Insekten legen ihre Eier nicht auf, sondern in der Frucht ab. Bei einem normalen Apfel oder Birne ist das nicht möglich, da die Schale zu dick ist, um ein Loch hineinzustechen. Die Eiablage erfolgt daher hauptsächlich draußen in der Natur, in verrottendem Obst unter einem Baum oder in der Biotonne. Zu Hause passiert das nur bei Früchten, die bereits Risse haben.

In den meisten Haushalten haben die Eier also keine Chance, zu erwachsenen Fliegen heranzuwachsen, weil die faulenden Früchte vorher entsorgt werden. Die erwachsene Fruchtfliege kommt also fast immer von außen – es sei denn, man hat bei einem längeren Sommerurlaub das Obst in der Schale vergessen. Das kann eine böse Überraschung sein, wenn der Urlaub vorbei ist.

Schädlich für Weinreben, perfekt für die Wissenschaft

Winzer mögen Fruchtfliegen nicht, weil sie die Weinlese ruinieren können. Sie können Hefepilze an ihren Beinen mit sich führen, wenn sie auf verrottenden Lebensmitteln gesessen haben. Und so können diese Pilze in Trauben gelangen.

Wissenschaftler haben wiederum mit Hilfe von Fruchtfliegen wichtige Entdeckungen über unser Immunsystem und Krankheiten wie Alzheimer gemacht. Etwa 60 Prozent der DNA der Fruchtfliege findet sich auch beim Menschen. Und die Tiere sind laut Expertin Wertheim ideal für das Labor: Sie lassen sich leicht züchten und eignen sich aufgrund ihrer schnellen Vermehrung perfekt für die Genforschung. Wissenschaftler sehen Fruchtfliegen also deutlich positiver als Winzer und Privatleute.

Wichtig ist aber: Für den Menschen kann eine Fruchtfliege auf dem Essen keinen Schaden anrichten.

Konkrete Tipps

  • Faulendes Obst schnell entsorgen
  • Obstkorb in den Kühlschrank stellen
  • Biomüllbehälter regelmäßig spülen
  • Leere Bier- und Weinflaschen spülen, bevor sie in die Garage oder den Keller kommen.

Wenn das alles nicht hilft, findet man im Handel verschieden Fallen. Man kann eine Falle auch selber basteln. Apfelessig ist ein beliebtes Lockmittel.

morgen/mz/km