21. Juli: Emotionaler Nationalfeiertag in Brüssel

Die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag standen ganz im Zeichen der Katastrophen und Krisen der letzten Wochen und Monate. Eigentlich sollte die traditionelle Parade eine Hommage sein insbesondere an alle Pflegekräfte und Freiwilligen, die dazu beigetragen haben, dass das Land durch die Corona-Krise gekommen ist. Überschattet wurden die Festlichkeiten aber von der Unwetterkatastrophe.

Bild: Laurie Dieffembacq/Belga

Bild: Laurie Dieffembacq/Belga

Zum zweiten Mal in Folge war es ein Nationalfeiertag der anderen Art. Denn für viele in Belgien gibt es gerade nun wirklich keinen Grund zum Feiern. Die Unwetterkatastrophe, die weite Teile des Ostens des Landes getroffen hatte, hat alles überschattet.

Auch schon beim traditionellen Te Deum in der Brüsseler Kathedrale St. Michael und St. Gudula. „Wir erleben gerade schwierige Zeiten“, sagte Hilfsbischof Jean Kockerols. „Wir beten für die Opfer der Katastrophe, und auch für all diejenigen, die Empathie und Solidarität an den Tag gelegt haben.“

Das traditionelle Defilee militärischer und ziviler Einheiten fand in stark abgespeckter Form statt. Das hatte schon allein praktische Gründe: Viele Bedienstete und auch viele Fahrzeuge sind aktuell im Katastrophengebiet im Einsatz. Kein Publikum, nur eine Ehrentribüne mit den höchsten Repräsentanten des Staates. Natürlich waren auch die Regionen und Gemeinschaften vertreten. Eine Frau zog aber alle Blicke auf sich: Prinzessin Delphine, für die es der erste Auftritt an einem Nationalfeiertag war.

Der militärische Teil war insbesondere den Veteranen des Korea-Kriegs vor 70 Jahren gewidmet. Nach dem Überflug von F-16-Kampfflugzeugen mit dreifarbiger Rauchspur in den Landesfarben beschränkte sich die Parade auf das Wesentliche.

Beim Defilee der Bodeneinheiten zog dann auch wieder eine junge Frau alle Blicke auf sich: Prinzessin Elisabeth defilierte inmitten ihres Offiziersanwärter-Jahrgangs. Nicht an prominenter Stelle, sondern inmitten der Gruppe.

Kronprinzessin Elisabeth bei der Militärparade (Bild: Laurie Dieffembacq/Belga)

Im Mittelpunkt des Defilees stand in diesem Jahr aber ganz klar die Parade der zivilen Einheiten. Eingeleitet wurde der Programmteil mit einer Filmcollage, die das ganze Leid aus den Katastrophengebieten im Osten des Landes zeigte, aber auch die Solidarität, all die Menschen, die ohne zu zögern den Betroffenen geholfen haben. Danach gab es unter der Musik der „Guide“ ein kleines Defilee von Fahrzeugen der Rettungskräfte. Klein, weil die meisten natürlich vor Ort in den Katastrophengebieten sind.

Am geplanten Mittelpunkt des Programms wurde aber festgehalten. Eigentlich hätte es nämlich das Defilee des Neuanfangs sein sollen. Bei all dem Leid nach der Unwetterkatastrophe darf man nicht vergessen, dass auch 18 Corona-Monate hinter uns liegen. All diejenigen, die in dieser Zeit das Land am Laufen gehalten haben, wurden denn auch ausgiebig gewürdigt: die Rettungskräfte, das Pflegepersonal, aber auch alle, die dazu beigetragen haben, dass die Impfkampagne zum Erfolg wurde. Nicht zu vergessen all die unsichtbaren Hände, die auch ihr Quäntchen beigetragen haben, wie die Postboten. Für all diese Menschen gab es warme Worte des Danks und Applaus von der Ehrentribüne.

Defilee und Einspielfilme wechselten sich ab und auch die Deutschsprachigen wurden nicht vergessen. Dr. Marc Franckh kam in einem der Filme zu Wort: „Während dieser Periode habe ich wirklich die Solidarität bewundert, die es zwischen den Menschen gab, zwischen den verschiedenen Diensten, aber auch die Bevölkerung hat uns sehr stark unterstützt. Ich bin Marc Franckh, ich bin Hausarzt in Eupen und auch Präsident vom Ärztekreis.“

Zwischen den einzelnen Programmteilen gab es auch immer wieder Musikdarbietungen von belgischen Künstlern: Loic Nottet, Novastar, Iliona, Bazart, Zwangere Guy und Romeo Elvis, die jeweils an einem symbolträchtigen Ort auftraten vor Vertretern der jeweils geehrten Berufsgruppen. Wie schon im vergangenen Jahr fielen das Fest im Park und das abschließende Feuerwerk aus.

Insgesamt also ein sehr nüchterner und gleichzeitig emotionaler Nationalfeiertag.

Ansprache des Königs zum Nationalfeiertag

Roger Pint