Atomausstieg: Engie verspricht Kooperation für alle Szenarios

Ist der Atomausstieg jetzt plötzlich doch in eine Stromschnelle geraten? Der AKW-Betreiber Engie-Electrabel hat jedenfalls angekündigt, die erforderlichen Investitionen zu streichen, die für mögliche Laufzeitverlängerungen nötig wären. Postwendend folgte Kritik, nach dem Motto: "Engie-Electrabel will jetzt nur den Druck erhöhen, um am Ende doch zwei Reaktoren am Netz lassen zu können". Der Chef der Nuklearsparte des französischen Konzerns hat das in der RTBF dementiert. Man wolle sich konstruktiv aufstellen und in jedem Fall ein zentraler Akteur auf dem belgischen Strommarkt bleiben.

Atommeiler Tihange

Eins ist sicher: Engie-Electrabel bringt die Regierung in Zugzwang. Ums mal so zusammenzufassen: Die Zeitpläne beider Seiten scheinen nicht „kompatibel“ zu sein. Es ist ja so: Die neue Regierung will ganz deutlich den Akzent legen auf erneuerbare Energien. So weit, so gut, doch steht demgegenüber die Versorgungssicherheit.

Ganz konkret gefragt: „Schaffen wir das?“ Für den Notfall will man sich ein Hintertürchen aufhalten – und das wären gegebenenfalls ausgerechnet Atomreaktoren. Die sollen ja eigentlich 2025 alle vom Netz gehen. So steht es zumindest im Gesetz. Notfalls würden aber die beiden „jüngsten“ Meiler erst mal weiter genutzt, also Tihange 3 und Doel 4. „Notfalls“, das ist das Zauberwort: Ob dieses „Notfalls“ eintritt, sprich, ob man die Reaktorblöcke nötig haben wird, um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können, das muss noch ermittelt werden. Die Regierung will die entsprechende Bestandsaufnahme Ende des nächsten Jahres abgeschlossen haben.

„Dieser Zeitplan ist für uns sehr problematisch“, sagte aber Thierry Saegeman, der Chef der Nuklearsparte von Engie-Electrabel, in der RTBF. „Wir können nicht noch ein Jahr auf eine Entscheidung warten. Und deswegen werden wir den Realitäten ins Auge blicken und uns darauf einstellen.“

Engie-Electrabel, das ist ja der Betreiber der sieben belgischen Reaktorblöcke. Und man habe es der Politik immer wieder gesagt: Eine Laufzeitverlängerung von einem oder zwei Reaktorblöcken, das ist kein Kinkerlitzchen, sondern ein industrielles Projekt. Die Liste der Zwänge und Auflagen sei lang: Umweltverträglichkeitsstudien, eine grenzüberschreitende Konsultierung, die Vorschriften der FANK, die Bestellung von neuen Brennelementen und nicht zu vergessen, dass zuallererst das Gesetz geändert werden muss. All das brauche Zeit. Und Geld: mehrere 100 Millionen Euro.

Deswegen brauche sein Unternehmen irgendwann eine klare Perspektive, so Saenamans. Und dieses „irgendwann“, das sei Ende dieses Jahres. Die Regierung verfolge aber eben einen eigenen Zeitplan. Und nur aus diesem Grund habe er den Mitarbeitern mitgeteilt, dass man sich auf die Schließung aller sieben Reaktorblöcke einstelle.

„Will Engie-Electrabel die Regierung hier nicht einfach nur ziemlich plump unter Druck setzen?“, diese Frage liest und hört man in diesem Zusammenhang häufiger. „Keineswegs“, sagt Thierry Saenemans. „Wir wollen – egal wie es kommt – ein zentraler Akteur auf dem belgischen Markt bleiben. Und, nicht vergessen: Wir sind ja auch schon ein zentraler Akteur der Energiewende, produzieren wir doch die größte Menge an Grünem Strom in Belgien. Wenn die Regierung entscheidet, die Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen und durch Gaskraftwerke zu ersetzten: OK! Wir haben entsprechende Pläne. Wir wollen mit jeder Regierung konstruktiv zusammenarbeiten. Es gibt da keinerlei Form von Konflikt.“

Der Chef der Nuklearsparte von Engie-Electrabel will den Eindruck aus der Welt schaffen, dass sein Unternehmen – koste es, was es wolle – an der Kernenergie festhalten wolle. Klar sehe er auch die Vorzüge: Atomstrom sei gut für das Klima, gut für das Portemonnaie der Kunden, gut für die Versorgungssicherheit, sagte Thierry Saegemans. „Aber, wenn die Regierung sich für ein anderes Szenario entscheidet, dann werden wir uns da auch voll einbringen.“ Er hoffe doch, dass er alle Kritiker davon habe überzeugen können…

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Roger Pint

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