Landesweite Hitzewelle: Folgen für Mensch und Natur

Seit Ende letzter Woche stöhnt das Land unter einer kaum gekannten Hitzewelle, selbst nachts kühlt es kaum noch ab. Und auf Erleichterung müssen wir noch etwas warten, erst ab Donnerstag soll es wieder erträglicher werden. Diese Hitzewelle setzt aber nicht nur den Menschen zu, auch die Natur bekommt ihre Auswirkungen deutlich zu spüren.

Die große Hitze ist erstmal vorbei, aber die Dürre hat Spuren hinterlassen (Illustrationsbild: Fabrice Coffrini/AFP)

Illustrationsbild: Fabrice Coffrini/AFP

Seit Sonntag ist es offiziell: Wir haben eine Hitzewelle – und zwar landesweit. Das meldete das Königliche Meteorologische Institut. Das bedeutet, dass in der Brüsseler Stadtgemeinde Uccle, wo das KMI seinen Sitz hat, an fünf aufeinanderfolgenden Tagen Temperaturen von mindestens 25 Grad gemessen wurden und an drei davon das Thermometer auf über 30 Grad kletterte. Damit bleibt auch in großen Teilen des Landes die Alarmstufe auf Rot. Nur an der Küste und in der Provinz Luxemburg ist es nicht ganz so extrem mit Warnstufe Gelb beziehungsweise Orange.

Und diese Hitze setzt wohl allen bis auf die hartgesottensten oder abgebrühtesten Sonnenanbeter zu. Glücklich kann sich schätzen, wer eine Klimaanlage sein Eigen nennen kann. Und auch die Menschen, die zumindest noch einen Ventilator oder ein Planschbecken für Garten, Terrasse oder Balkon ergattern konnten, können sich so zumindest temporär ein bisschen Abkühlung verschaffen.

Betonisierung und Asphalt

Besonders hart trifft es aber die Stadtbewohner, wie die RTBF-Wetterexpertin Daniela Prepeliuc erklärte. Die oft unerträgliche Hitze in den Städten bis spät nachts erklärt sich nämlich nicht nur durch die Hitzewelle, sondern durch ein Merkmal des modernen Städtebaus: die Betonisierung. Beton nimmt nämlich den ganzen Tag über die Wärme auf und speichert sie. Und gibt sie auch nur sehr langsam wieder ab, die Städte kühlen sich also viel langsamer ab als beispielsweise ländliche Gegenden.

Ein anderes Material, das die Hitze besonders gut und lange konserviert ist Asphalt. Und das kann zum Beispiel auch für unsere Haustiere ein sehr ernstes Problem darstellen, wie der Tierarzt Olivier Hoens in der RTBF erklärte. Selbst wenn man erst spät abends mit seinem Hund rausgeht, können sich die Tiere so die Pfoten verbrennen, warnte er. Und besondere Vorsicht sollten auch Besitzer von Tieren mit weißem oder hellem Fell walten lassen. Die können nämlich einen Sonnenbrand bekommen, besonders an den Ohren. So verrückt es klingt, es gibt deswegen sogar inzwischen Sonnenschutzcreme für Hunde.

Lebensbedrohliches Problem

Aber auch für Vögel und andere wilde Tiere werden Temperaturen wie jetzt immer mehr zu einem lebensbedrohlichen Problem. So können zum Beispiel Eichhörnchen oder Igel schlicht an Wassermangel sterben. Und auch Vögel findet man vermehrt hilflos am Boden, zum Beispiel weil sie völlig dehydriert der Hitze unter den Dächern zu entkommen versuchen oder weil ihre Nester aufgrund der Temperaturen abstürzen.

Davon sind beispielsweise Schwalben betroffen, wie Tierretterin Juliette Economides vom Centre Creaves d’Andenne erklärte. Deren Nester sind ja aus feuchter Erde gebaut. Und wenn sie zu sehr austrocknen, fallen diese herunter und zerplatzen am Boden.

Für die Landwirtschaft ist die anhaltende Hitze ohnehin sehr schlecht, vielerorts vertrocknen die Pflanzen auf den Feldern. Das kann man auch mit künstlicher Bewässerung nur in begrenztem Maß bekämpfen.

Und auch wenn manch einer vielleicht den Gedanken haben mag, dass ein Belgien mit mediterranen Temperaturen vielleicht doch gar nicht so schlecht wäre: Das Land ist einfach nicht an diese Art von Temperaturen angepasst, warnte der KMI-Meteorologe Pascal Mormal in der RTBF. Die Landwirtschaft und der Anbau bestimmter Sorten werde überdacht werden müssen. Da stünden uns große Umwälzungen bevor. Und zwar in einem relativ kurzen Zeitraum, sorgt er sich.

Häufigkeit und Intensität besorgniserregend

Besonders die Häufigkeit und vor allem die Intensität der Hitzewellen sei besorgniserregend. Von einmal alle vier Jahre sei man statistisch inzwischen bei zwei von drei angelangt. Und seit 2015 habe es jedes Jahr eine Hitzewelle gegeben. Oder anders gesagt: Seit 1892 habe man vor diesem Wochenende in Uccle zehn Tage mit Temperaturen von über 35 Grad gemessen. Die Hälfte davon allerdings erst seit 2018.

Mittlerweile sind ja auch Hitzegewitter möglich. Aber die können die Wärme sogar – auch wenn das zunächst unlogisch klingen mag – noch schlimmer machen. Die Luftfeuchtigkeit ist nämlich ein Faktor, der die gefühlte Temperatur in die Höhe schnellen lässt, wie Daniela Prepeliuc erklärte.

In Lüttich würden zum Beispiel am Montag 34 Grad erwartet. Aber bei einer Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent wegen der angesagten Gewitter fühlt sich das dann für die Menschen wie 45 Grad an.

Boris Schmidt