Neue Pädophilie-Vorwürfe gegen bereits verurteilten Priester

Die katholische Kirche in Belgien sieht sich mit einem neuen Fall von möglichem Kindesmissbrauch konfrontiert. Der vermeintliche Täter ist ein Priester, der wegen Kindesmissbrauchs schon einmal von einem Gericht verurteilt worden war. Nach dieser Verurteilung wurde er von seiner Glaubens-Kongregation nach Afrika geschickt. Dort soll er sich wieder an minderjährigen Jungen vergangen haben.

Sexueller Missbrauch Katholische Kirche

Illustrationsbild: Dirk Waem/Belga

Pater Luk D., wie er von der Zeitung Het Laatste Nieuws genannt wird, wurde 2012 von einem Gericht in Gent wegen Kindesmissbrauchs zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem wurde ihm das Arbeiten mit Kindern für die nächsten zehn Jahre verboten.

Der Priester gehört der Ordensgemeinschaft Salesianer Don Boscos an, die in Belgien besonders im Schulbereich aktiv ist. Der Priester hatte sich nachweislich an zwei Jungen aus einem Schulinternat vergangen. Nach der Verurteilung und in Absprache mit dem Gericht wurde der Priester von seinem Orden mit Caritas in die Zentralafrikanische Republik geschickt. Dort sollte er helfen, Essen an Flüchtlinge zu verteilen und neue Finanzierungsmöglichkeiten aufzutun.

Dort soll sich der Priester dann wieder an mehreren minderjährigen Jungen vergangen haben. Ein Reporterteam von CNN ging den Vermutungen nach, konfrontierte den belgischen Priester bereits im Juni vor laufender Kamera mit diesen Vorwürfen. In den Filmaufnahmen, die damals entstanden und Donnerstagabend von der RTBF gezeigt wurden, sieht man einen verdutzten Priester, der die Vorwürfe von CNN nicht bestätigt.

Seine Ordensgemeinschaft rief den Priester daraufhin allerdings sofort zurück nach Belgien. Hier hält er sich seitdem in Gebäuden des Ordens auf, ohne weitere Aufgaben, die ihn mit der Öffentlichkeit oder gar mit Kindern in Berührung bringen.

Die Justiz will die Vorwürfe gegen den Priester untersuchen. Bei Caritas scheint eine Art Vorverurteilung bereits stattgefunden zu haben. Sprecherin Julie Vanstallen zumindest sagt: „Ich fürchte, dass da etwas enorm falsch gelaufen ist bei unseren Präventions-Prozeduren. Wir müssen den Fall aufarbeiten. Wir müssen versuchen zu verstehen, was falsch gelaufen ist, wer verantwortlich dafür ist.“

Caritas habe bereits eine unabhängige Untersuchung des Falls durch ein externes Audit begonnen, um all die begangenen Fehler aufzudecken. „Und das natürlich mit dem Ziel, dass solche schlimmen und schrecklichen Dinge in Zukunft vermieden werden“, sagt Vanstallen weiter.

Für die katholische Kirche hingegen zeigt sich der Sprecher der Belgischen Bischofskonferenz, Tommy Scholtès, vorsichtiger. Er sagt: „Man muss jetzt extrem genau schauen, wie jemand, der bereits verurteilt worden ist, sich an die ihm auferlegten Auflagen auch tatsächlich gehalten hat. Sei es in Belgien oder auch woanders.“

Eine einseitige Verantwortung für die möglichen neuen Vergehen des Priesters scheint die Bischofskonferenz zumindest jetzt noch nicht bereit zu sein, zu übernehmen. „Verantwortlichkeiten gibt es sowohl bei uns, in unserer Gemeinschaft, als auch bei der Justiz und auch bei der Begleitung des Beschuldigten, wie man sich nach seiner Verurteilung um ihn gekümmert hat. Auch da ist vielleicht nicht alles so gelaufen, wie es hätte sein sollen“, so Sprecher Scholtès.

Von einer Vorverurteilung sieht naturgemäß auch die Justiz ab. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Löwen, die den Fall bearbeitet, sagt, dass man sich zunächst darauf konzentriere, Beweismaterial zu den Vorwürfen zu sammeln. „Wir rollen die Sache von vorne auf, nicht von hinten“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Kay Wagner