Magistrat fordert Umdenken in der Strafverfolgung

Immer wieder erschüttern schwere Verbrechen die Öffentlichkeit. Fast immer folgt danach der Ruf nach härteren Strafen für die Täter. Ein Ansatz, den ein hochrangiger Magistrat jetzt als falsch bezeichnet.

Handschellen (Illustrationsbild: Laurie Dieffembacq/Belga)

Illustrationsbild: Laurie Dieffembacq/Belga

Igniacio de la Serna ist Generalprokurator von Mons und hat vor einigen Tagen bei einer Fachtagung gesagt: „Es gibt Fälle, in denen gilt, je härter die Strafe, desto größer das Rückfallrisiko für den Täter.“ Das ist seine Erfahrung. Dabei gilt es nach seiner Ansicht, genau das rückfällig werden zu vermeiden.

In der Zeitung La Libre sagt er am Donnerstag, die Justiz dürfe nicht nur als der große Ankläger wahrgenommen werden. Sie soll alle Möglichkeiten, die das Gesetz bietet, ausschöpfen, um eine Gefängnisstrafe zu verhindern – also einer Aussetzung des Urteils oder Arbeitsstrafen. Denn man weiß, dass eine Gefängnisstrafe häufig dafür sorgt, dass ein Täter kriminell bleibt. Und ein Rückfall bedeute hohe Kosten – nicht nur finanziell, sondern auch gesellschaftlich und menschlich, vor allem für die neuen Opfer.

De la Serna begrüßt , dass die Justiz immer stärker interdisziplinär arbeitet. Das heißt, dass zum Beispiel bei Gewalttaten innerhalb einer Familie neben den Juristen auch immer öfter andere Spezialisten, etwa Sozialdienste, ihr Fachwissen einbringen. So komme man häufig zu besonneneren Strafformen als der Haftstrafe.

De la Serna fordert auch eine engere Begleitung und Überwachung von denjenigen, die einer Gefängnisstrafe entgehen. Er will, dass Polizei und Bewährungshelfer viel schneller Alarm schlagen können, wenn sich ein Verurteilter nicht an seine Auflagen und Pflichten hält.

De la Serna sagt, es gebe eine psychologische Hürde, weil der erste Reflex der ist, härtere Strafen zu fordern. Aber er ist überzeugt: Es gibt nie ein Null-Risiko in der Gesellschaft und auch eine Null-Toleranz-Politik verhindert nicht, das Verbrechen passieren. Überfüllte Gefängnisse, in denen oft eine kriminelle Karriere erst so richtig beginnt, können aber auch nicht die Lösung sein.

Olivier Krickel

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