Arbeitgeber: Potential eines Bewerbers wird immer wichtiger

Mit dem Diplom in der Tasche geht es auf den Arbeitsmarkt in einen Job. Dazwischen liegt aber das Bewerbungsgespräch. Eine Studie des Personaldienstleisters Acerta hat jetzt ergeben: Arbeitgeber schauen bei den Bewerbern immer weniger auf das Diplom und immer mehr auf das Potential eines Kandidaten.

Beim Bewerbungsgespräch wird das Potential des Kandidaten abgeklopft (Bild: Laurie Dieffembacq/BELGA)

Das ist zum Beispiel die Bereitschaft, lebenslang zu lernen, und möglichst schnell mit neuen Aufgaben umzugehen. Oder die Bereitschaft, Feedback so umzusetzen, dass man sich positiv weiterentwickelt.

Man kann auch sagen: Es gilt, in seinem Fachgebiet flexibel zu bleiben. Gerade die Digitalisierung zeigt, dass fast jeder Job ständig im Wandel ist. Ein Arbeitnehmer kann sich also nicht darauf verlassen, dass das, was er einmal gelernt hat, bis zu seiner Rente ausreicht, um seinen Job zu machen.

Woher weiß denn ein Unternehmen, ob dieses Potential in einem Bewerber steckt?

Wieviel Potential in einem Bewerber steckt, ist schwerer herauszufinden als eine fachliche Qualifikation. Die hat in der Regel der Ausbildungsbetrieb oder eine Hochschule schon bescheinigt. Aber es gibt durchaus psychologische Tests, mit denen man das Potential eines Bewerbers besser einschätzen kann.

Das Potential geht ja über das hinaus, was man unter Motivation versteht. Motivation könnte bedeuten, dass ein Bewerber sehr engagiert ist, bestehendes Wissen anzuwenden. Das muss aber nicht heißen, dass er auch bereit ist, sich neues Wissen anzueignen.

Die Studie hat ebenso herausgefunden, dass eine hohe Qualifikation mitunter ein Nachteil sein kann. Es gebe Menschen, die sich dann nämlich auf Wissen und Erfahrung ausruhen – und das ist dann das Gegenteil von Potential.

Kann ich also mein Diplom vergessen?

Das nun nicht, es geht nämlich um ein Gleichgewicht zwischen Fachkenntnis und Potential. Wichtig für Arbeitgeber ist zum Beispiel auch, ob sich ein Bewerber mit den Werten des Unternehmens identifiziert oder mit welcher Haltung er seinen Job verrichtet.

Auf der anderen Seite scheint es, als beeindrucke ein zweites oder drittes Diplom in der Tasche viele Arbeitgeber kaum. Acerta rät deshalb, einen zusätzlichen Abschluss nur dann anzustreben, wenn man das wirklich für sich selbst will.

Wie kommt es zu dieser Entwicklung?

Da spielt offenbar auch der demografische Faktor eine Rolle. Stichwort Fachkräftemangel: Arbeitgeber wissen, dass sie nicht immer einen Bewerber finden, der in seiner Qualifikation schon fertig ist. Arbeitgeber wissen also, dass sie noch Ausbildungsarbeit leisten müssen. Da wollen sie eher jemanden haben, der genau dazu auch bereit ist.

hln/dh/okr

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150