Nationaler Streik: Fronten bleiben verhärtet

Den ganzen Tag lang wurde überall in Belgien gestreikt. Aufgerufen zu dem Streik hatten die drei großen Gewerkschaften des Landes. Sie wollten damit gegen die Bedingungen der Lohnverhandlungen protestieren. Bei denen wurde den Arbeitnehmern für die kommenden zwei Jahre eine maximale Lohnerhöhung von 0,8 Prozent in Aussicht gestellt. Zu wenig, finden die Gewerkschaften.

Generalstreik in Belgien (13.2.)

Bild: Paul-Henry Verlooy/Belga

Zum absoluten Stillstand gekommen, so, wie es einige Gewerkschaftler vorher angekündigt hatten, ist es am Mittwoch nicht. Belgien hat nicht aufgehört, zu funktionieren. Das heißt aber nicht, dass es stellenweise und auch abhängig vom Sektor zu wirklich erheblichen Einschränkungen bzw. dem angekündigten Stillstand gekommen ist. Als bestes Beispiel kann man da wohl den Flugsektor nehmen, der am Mittwoch komplett ausgefallen ist. Kein Flugzeug ist gestartet oder gelandet auf den belgischen Flughäfen.

Ganze Betriebe und Unternehmen hatten gar nicht erst versucht, ihre Produktion am Mittwoch zu beginnen. Das ist zum Beispiel der Fall für das Coca-Cola-Werk in der Provinz Antwerpen gewesen. Andere, wie das Audi-Werk in Brüssel, das Volvo-Werk in Gent oder die Produktionsstätten des Brauereiriesens AB InBev in Löwen und Hoegaarden mussten wegen Streikblockaden die Produktion einstellen.

Der öffentliche Nahverkehr ist ganz schwer getroffen worden, aber eben auch nicht überall ganz zum Erliegen gekommen. Das war von Gemeinde zu Gemeinde und Provinz zu Provinz doch unterschiedlich. Die Bahn z. B. hat es geschafft, dank des Minimaldienstes rund die Hälfte der Züge fahren zu lassen. Und auch die Post berichtet nur von wenigen Problemen.

Gewerkschaften zufrieden

Die Gewerkschaftsführer sind jedenfalls grundsätzlich zufrieden. Der Chef der sozialistischen Gewerkschaft FGTB, Robert Verteneuil, sagte gegenüber der RTBF: „Wir wollen heute den Arbeitgebern zeigen: Schaut her, die Wirtschaft steht still. Wenn ihr wollt, dass die Wirtschaft läuft, braucht ihr Arbeiter. Und um Arbeiter zu bekommen, müssen sie fair bezahlt werden.“ Das war auch der Tenor anderer Gewerkschaftler – frei nach dem Motto: Heute, das war ein Ausrufezeichen, das die Arbeitnehmer gesetzt haben. Jetzt, liebe Arbeitgeber, seid ihr am Zug!

Die Reaktionen seitens der Arbeitgeber ließen nicht lange auf sich warten – aber nicht in dem Sinne, wie sich das die Gewerkschaften gewünscht hätten. Der Chef des größten Unternehmerverbands FEB, Pieter Timmermans, sagte am Mittwoch: Die 0,8 Prozent Lohnerhöhung, das ist das, was wir sinnvoll anbieten können. Alles andere wäre schädlich für die Wettbewerbsfähigkeit der belgischen Unternehmen.

FEB ruft zu neuen Gesprächen auf

Der Arbeitgeberverband hat die Gewerkschaften aber dazu aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Arbeitgeber seien bereit, den Dialog wieder aufzunehmen. Man könne mehr am Verhandlungstisch erreichen als auf der Straße, sagte Timmermans in der RTBF.

Auch Premierminister Charles Michel und Arbeitsminister Kris Peeters haben die Gewerkschaften dazu aufgerufen, doch bitte schnellstmöglichst wieder an den Verhandlungstisch zu kommen. Ein Streik wie heute sei sehr bedauerlich und kein Mittel, um Forderungen durchzusetzen.

In einer ersten Reaktion erklärte die sozialistische Gewerkschaft FGTB, sie sei bereit, weiter zu verhandeln, aber nur, wenn die Forderungen der Arbeitnehmer ernst genommen würden. Sollten sich die Arbeitgeber nicht im Sinne der Gewerkschaften bewegen, sind sie angeblich dazu bereit, einen weiteren nationalen Streiktag zu organisieren.

rtbf/belga/est/kw/mg

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