Nationaler Streik: 24 Stunden keine Flüge in Belgien

Ab Dienstag 22 Uhr wollen die drei großen Gewerkschaften das Land für 24 Stunden lahmlegen. Neben Zügen, Bussen und Bahnen wird das diesmal auch in besonderem Ausmaße den Luftverkehr betreffen. Am Dienstagnachmittag teilte die Gesellschaft für Flugsicherheit Skeyes mit, den gesamten Flugraum über Belgien ab Dienstagabend, 22 Uhr für 24 Stunden zu schließen.

Flugzeug von British Airways beim Start in Zaventem

Illustrationsbild: Laurie Dieffembacq/Belga

Am Flughafen Charleroi wird man die Nachricht von Skeyes, dem umbenannten Belgocontrol, gelassen aufgenommen haben. Schon am Montagabend trafen die Verantwortlichen in Charleroi die Entscheidung, alle Flüge von und nach Charleroi für den morgigen Streiktag abzusagen. Flughafensprecher Vincent Gassa begründet das wie folgt: „Wir wussten, dass es erhebliche Straßenblockaden rund um den Flughafen geben wird. Das hätte die Flugreisenden daran gehindert, bis zum Flughafen zu gelangen. Außerdem wussten wir, dass der Flugverkehr stark beeinträchtigt sein würde. Denn die Einheiten, die außerhalb des Flughafens für ein gutes Funktionieren des Flughafens sorgen, werden auch von dem Streik betroffen sein.“

Charleroi

Die Einschätzung in Charleroi am Montagabend war richtig, wenn man die Entwicklung von Dienstagnachmittag sieht. Trotzdem sei die Entscheidung nicht leicht gefallen. Aber: „Das ist eine Entscheidung, die wir besonders im Interesse der Passagiere getroffen haben“, führt Gassa aus. „Sie waren damit so früh wie möglich informiert, dass ihr Flug nicht stattfinden wird, und hatten Zeit, sich nach Alternativen umzuschauen.“

Gelassenheit über die Entscheidung von Skyes dürfte auch beim Fluganbieter Tui Fly herrschen. Da die Gesellschaft schon wusste, dass die Flüge in Charleroi ausfallen würden, konnte sie reagieren. „Abgesagt haben wir keinen Flug“, betont dabei Sprecherin Sarah Saucin. „Die zehn Flüge, die für Mittwoch am Flughafen Charleroi vorgesehen waren, werden nach Lille oder Amsterdam umgeleitet.“

Gleiche Maßnahmen wurden auch für die Flüge zu und von den anderen belgischen Flughäfen getroffen. Die Sperrung des gesamten Luftraums bedeutet für Tui Fly also keine Änderung im Programm. „Für die Passagiere, die am Mittwoch nach Belgien zurückkommen, wenden wir die gleiche Strategie der Umleitung der Flüge auf benachbarte Flughäfen im Ausland an. Damit die Menschen so schnell wie möglich nach Belgien gelangen können“, erklärt Sprecherin Saucin.

Lüttich

Am Flughafen in Lüttich hatte man noch bis zum Nachmittag gehofft, zumindest rund 50 Prozent des Frachtflugverkehrs durchführen zu können. Frachtflüge sind das Hauptgeschäft des Flughafens. Doch auch die werden jetzt nicht stattfinden können.

Zaventem

Am Flughafen Brüssel-Zaventem dürfte die Sperrung des gesamten Luftraums nicht ganz überraschend gekommen sein. Obwohl die Flughafenleitung noch bis zuletzt einen Restbetrieb des Flugverkehrs aufrechterhalten wollte. 25 Prozent der Flüge waren bis zum Mittag noch nicht abgesagt worden von den Fluggesellschaften. Doch auch diese müssen jetzt gestrichen werden.

Skeyes begründet seine Entscheidung damit, dass man nicht genau einschätzen könne, wie viele Mitglieder des Personals ab Dienstagnacht tatsächlich streiken werden. Womöglich wären zu wenige Mitarbeiter zur Arbeit erschienen, um die Sicherheit im belgischen Luftraum zu gewährleisten. Deshalb habe man sich dazu entschlossen, den gesamten Luftraum vorsorglich zu schließen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Kurt Callaerts von der christlichen Gewerkschaft ACV Transcom hatte das schon am Mittag vorausgehen. Zu diesem Zeitpunkt wollte Skeyes noch die Sicherheit von 50 Prozent des normalen Flugverkehrs garantieren. Doch schon damals sagte Callaerts gegenüber der VRT: „Auf der Grundlage der Informationen, die wir von unseren Leuten beim Flugsicherheitsdienst Skeyes/Belgocontrol haben, sind wir der Meinung, dass der gesamte Flugraum und auch die Flughäfen geschlossen bleiben sollten.“

Eine Einschätzung, die sich vier Stunden später bewahrheitete. Der Flugverkehr über Belgien steht ab Dienstag, 22 Uhr, für 24 Stunden still. Damit kann der Streik seinen ersten großen Erfolg verbuchen, noch bevor er überhaupt begonnen hat.

Kay Wagner

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