Plädoyer für bezahlbare Medikamente für alle

Medikamente werden immer teurer. Das haben die Verbraucherschutzorganisation Test-Achats und die Nichtregierungsorganisationen "Medicin du Monde" und "Kom op tegen kanker" festgestellt. Sie alle haben jetzt zehn Empfehlungen für bezahlbare Medikamente zusammengetragen und den Föderalabgeordneten aller Parteien vorgestellt.

Medikamente

Illustrationsbild: Pixabay

Die Medikamentenpreise in Belgien explodieren seit Jahren. Das gilt vor allem für neuentwickelte Medikamente gegen Krebs. Deren Preise haben sich in den letzten zehn Jahren sogar vervierfacht. Das hat natürlich Auswirkungen auf das Budget des Likiv, des Landesinstituts für die Kranken- und Invalidenversicherung, das die Rückerstattungen an die Patienten bezahlt. Für 2019 rechnet das Likiv mit 500 Millionen Euro Mehrkosten, erklärt Jean-Philippe Ducart von Test-Achats.

Zweites Problem, das die Verbraucherschutzorganisation feststellt: Für gewisse Medikamente und Behandlungen wird nicht genug geforscht und entwickelt. Im Klartext: Manche Krankheiten werden komplett vernachlässigt, so Ducart.
Nicht nur das. Es droht sogar eine Zwei-Klassen-Medizin, sagt Catherine Fonck, Fraktionssprecherin der CDH in der Kammer. Gewisse Patienten könnten von Innovationen profitieren, andere wiederum nicht, da es wegen der hohen Gesamtkosten keine Rückerstattungen gibt, so die Christdemokratin.

Zusammenschluss

Damit das nicht passiert, haben die drei Organisationen den Kammerabgeordneten am Donnerstag zehn Empfehlungen unterbreitet. Unter anderem: eine effizientere Verteilung öffentlicher Gelder, bezahlbare und für alle verfügbare Medikamente oder die Möglichkeit der Verweigerung einer Rückerstattung für zu teure oder nicht ausreichend wirksame Medikamente.

Eine weitere Empfehlung ist, dass sich mehrere Länder bei Verhandlungen zusammenschließen, um der starken Pharmalobby zumindest etwas Gegenwind zu machen. Derzeit würden nämlich alle Entscheidungen über die Höhe der Rückerstattung und der Preise jeweils national getroffen, weiß Ri de Ridder. Der muss es wissen, denn der Präsident von Médecin du Monde war vorher Chef des Likiv. „So kommen wir da nicht weiter. Wir haben es hier mit global agierenden Konzernen zu tun“, so De Ridder.

Transparenz

Zusammenschließen, um eine bessere Verhandlungsposition zu bekommen. Das ist das eine. Wir brauchen aber auch mehr Transparenz, was die tatsächlichen Kosten für die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente angeht, so die Organisationen.

Die Pharmaunternehmen würden nämlich immer im Geheimen mit den zuständigen Ministern direkt verhandeln, um grünes Licht für die Entwicklung eines neuen Medikamentes sprich die Rückerstattbarkeit des Medikamentes genehmigt zu bekommen, erklärt Muriel Gerkens von Ecolo. Dabei seien die angeblich neuen Medikamente gar nicht immer so neu, so die frankophone Grüne. Also Kosten für die Allgemeinheit, die vermeidbar wären.

André Frederic, Föderalabgeordneter der PS bringt es auf den Punkt: Hier stehe der Profit der Pharmaunternehmen im Vordergrund, nicht der Patient.

Die zehn Vorschläge der Organisationen stießen bei den Politikern größtenteils auf Zustimmung. Bis auf zwei Ausnahmen: die N-VA lehnte sechs der zehn Vorschläge ab, die MR antwortete gar nicht.

Volker Krings

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