Gegen den Trend: Wallonie macht Werbung für Fleischverzehr

Wenn es ums Essen geht, dann hat man als Fleischliebhaber heutzutage ja oft einen schweren Stand. Der zu hohe Fleischkonsum sei schädlich für das Klima sagen die einen, die anderen haben das Wohl der Tiere im Blick und finden es schlimm, dass Tiere nur gezüchtet und getötet werden, um dann vom Menschen gegessen zu werden. Da hört es sich etwas sonderbar an, dass die wallonische Region jetzt bewusst eine Kampagne unter dem Motto „Steak-Fritten-Salat“ ausgerufen hat.

Weißblaue Belgier

Bild: Benoit Doppagne/Belga

Den wallonischen Landwirten, die sich auf die Rinderzucht spezialisiert haben, geht es nicht unbedingt gut. Die Branche hat unter dem Trend zu leiden, dass immer mehr Menschen Abstand vom Fleischverzehr nehmen.

Dabei muss Fleischessen nicht unbedingt etwas Schlechtes sein – meinen nicht nur die Viehzüchter selbst, sondern auch der wallonische Landwirtschaftsminister René Collin (CDH).
Um das zu unterstreichen, hat der Minister zusammen mit der wallonischen Agentur zur Förderung einer qualitativ hochwertigen Landwirtschaft, APAQ-W, jetzt zum zweiten Mal die Aktionswoche „Steak-Fritten-Salat“ gestartet. Gaststätten sollen bewusst diese Speise bis zum 11. November anbieten, um die Menschen in Belgien auf den Geschmack des heimischen Rindfleischs zu bringen.

Besonders dabei im Fokus: Fleisch der Rinderrasse Weißblaue Belgier. Minister Collin ist voll des Lobes für diese Rinderrasse und ihre wallonischen Züchter. Er sagt: „Wir kennen unsere Rinder: Wir wissen, dass sie sich hauptsächlich von unserem Weideland ernähren. Wir wissen, dass das Wohl der Tiere unseren Landwirten in den Genen liegt. Unsere Landwirte haben die Sorge um das Wohl der Tiere quasi erfunden. Wer also das Fleisch dieser Rinder isst, der trifft eine gute Wahl. Zum einen für seine Ernährung, zum anderen für die Umwelt.“

Geschickt nimmt Collin mit seinem Werbespruch den Hauptkritikern des Fleischgenusses den Wind aus den Segeln. Tierquälerei – sagt quasi der Minister – gibt es bei der belgischen Rasse Weißblaue Belgier nicht, und die Umwelt wird auch nicht belastet. Denn erstens muss das Fleisch nicht weit transportiert werden, und zweitens grasen die Weißblauen Belgier sowieso oft nur dort, wo sonst keine Landwirtschaft möglich wäre. Darauf verweist die Internetseite der Förderagentur. Die auch nochmal hervorhebt, wie gesund ein gutes Stück Rindfleisch ist.

130 Gramm Rindfleisch deckt 100 Prozent des täglichen Vitamin-B1-Bedarfs, 50 Prozent des Bedarfs an Zink, mehr als 30 Prozent des Bedarfs an Eisen und an Proteinen, ist auf den Seiten der APAQ-W zu lesen.

Die fleischliebenden Wallonen, die sich am ersten Tag der Kampagne zu einem Menü Steak-Fritten-Salat haben verführen lassen, sind sich dieser Wohltaten des Fleisches durchaus bewusst. „Fleisch braucht man, um gesund zu bleiben“, sagte eine Frau gegenüber der RTBF. „Ich bin der Meinung, dass es kein anderes Lebensmittelprodukt gibt, das Fleisch komplett ersetzen kann“, so ein rindfleischessender Mann.

Dass der Verzehr von heimischem Fleisch auch gut für die wallonische Wirtschaft ist, das betont Philippe Mattart, Generaldirektor der Förderagentur der wallonischen Landwirtschaftsprodukte: „Die Rindfleisch-Branche ist ein Wirtschaftsfaktor, den wir stärken müssen“, sagt er. „Und das umso mehr, weil es der wichtigste Wirtschaftsfaktor der wallonischen Landwirtschaft ist.“

Einen weiteren Schub zur Förderung des heimischen Rindfleisches könnte der Verleih eines europäischen Gütesiegels für die Rinderrasse Weißblaue Belgier bedeuten. Minister Collin hat einen entsprechenden Antrag bei der Europäischen Union gestellt. In ein paar Wochen oder Monaten wird mit der Entscheidung der Kommission gerechnet.

Kay Wagner

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