Neuer Skandal im belgischen Fußball

Der belgische Fußball ist am Mittwoch urplötzlich ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt. Es riecht nach einem neuen Skandal. Mehrere Dutzend Hausdurchsuchungen bei vielen Clubs der höchsten Fußballliga gab es, aber auch im Ausland. Spiele im belgischen Fußball sollen manipuliert worden sein, und auch Geldwäsche habe es gegeben. Über Einzelheiten kommuniziert die Staatsanwaltschaft bislang noch nicht.

Mogi Bayat

Spieler-Makler Mogi Bayat wurde am Mittwoch vorläufig festgenommen (Archivbild: Jasper Jacobs/Belga-

Es ist wohl nicht mehr und nicht weniger als eine Bombe, die am Mittwoch im belgischen Fußball hochgegangen ist – und das nicht nur unbedingt wegen der Vorwürfe, die erhoben werden, sondern auch wegen des Ausmaßes, was sich abzeichnet. Alle großen Clubs der Jupiler-Liga sind betroffen: Anderlecht, Club Brügge und Standard Lüttich. Bei all den Clubs gab es Hausdurchsuchungen.

Beim Club Brügge wurde sogar der Trainer zum Verhör abgeführt. Gleiches gilt für einen Ex-Manager von Anderlecht. Der fast allmächtig erscheinende Spieler-Makler Mogi Bayat ist ebenfalls vorläufig festgenommen worden. Der Makler soll bei rund 90 Prozent aller Spielertransfers in Belgien seine Finger mit im Spiel haben.

Das sind Ausmaße, die enorm sind – und die z. B. beim Wettskandal im belgischen Fußball nicht so groß waren. Jedenfalls waren die Namen der Clubs da nicht so prominent. Damals waren es Sint Truiden, Lierse, La Louvière und Charleroi, aber nicht die Crème de la Crème des belgischen Fußballs.

Wie man dem möglichen Skandal auf die Schliche gekommen ist, dazu gibt es noch keine offiziellen Informationen. Aber die Sportjournalisten bei VRT und RTBF haben sich natürlich auch diese Frage gestellt. Und der Fußballexperte bei der VRT, Peter Vandembempt, hat eine sicher interessante These. Der Verdacht könne nach dem letzten Spieltag der Saison 2016/17 aufgekeimt sein, sagt er. Damals war Westerlo abgestiegen, aber nur, weil Mouscron am letzten Spieltag völlig überraschend in Kortrijk gewonnen hatte. Dabei soll Kortrijk wirklich überraschend passiv gespielt haben. Westerlo beklagte sich damals bitterlich beim Verband über dieses Spiel. Das änderte zwar nichts am Abstieg, aber könnte die Ermittler eventuell darauf gebracht haben, dass im belgischen Fußball irgendetwas nicht in Ordnung ist.

Wie es jetzt weitergeht, ist schwer vorauszusagen. Es wird wohl auf die ersten Informationen ankommen, die die Staatsanwaltschaft bekannt gibt. Wann das sein soll, ist aber noch nicht bekannt.

Sicher ist: Es gibt seit Mittwoch viele Fragen rund um den belgischen Fußball. Die ganze Sache wird im belgischen Fußball einen Riesenschaden verursachen – und natürlich auch einen Imageverlust im Ausland. Was natürlich zurzeit umso bedauerlicher ist, wo die Roten Teufel doch gerade bei der WM die ganze Fußballwelt von ihrem tollen Spiel überzeugt haben.

Die AS Eupen ist übrigens bislang noch nicht genannt worden im Zuge der Ermittlungen. Allerdings hat VRT-Experte Peter Vandembempt darauf hingewiesen, dass sich Eupen am letzten Spieltag der letzten Saison auch nur durch zwei kuriose Ergebnisse – einmal am Kehrweg und einmal in Mechelen – in der 1. Division A halten konnte. Auch damals roch es nach etwas Ungereimten. Die nächsten Tage werden zeigen, ob diese Spur auch irgendwie weiter verfolgt worden ist.

Kay Wagner

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