Erinnerung an 1976: Hitzewelle im Anmarsch

Eine Hitzewelle nähert sich mit großen Schritten, bzw. sind wir eigentlich schon mittendrin. Am Dienstag werden stellenweise schon 32 Grad erwartet. In den nächsten Tagen sollen die Temperaturen noch weiter steigen. Immer häufiger hört man den Vergleich mit dem Sommer 1976, der bislang als "Jahrhundertsommer" galt. Langsam aber sicher nimmt das Ganze allerdings auch regelrecht katastrophale Ausmaße an.

Trockenheit

Illustrationsbild: Virginie Lefour/Belga

Rudi Carrell hätte damals fast noch als Prophet durchgehen können. 1975 wünschte er sich nochmal einen „richtigen Sommer“, 1976 bekam er ihn dann. Und was für einen Sommer! Wochenlang kein Regen. Regelmäßig Temperaturen über 30 Grad.

Die Älteren erinnern sich noch an diese Zeit, die tatsächlich regelrecht zur Tortur geworden sein muss, vor allem für die Landwirte. „Wir müssen im Ausland Heu kaufen“, sagt dieser Bauer in einem RTBF-Archivton von 1976. „Wir selbst haben nicht ausreichend Reserven. Und auf den Feldern wächst kein Gras mehr. Alles ist wie gebraten.“ Nicht nur die Milchbauern, alle Landwirte hatten gewaltige Ernteausfälle zu beklagen.

Und irgendwann wurde es auch für die Feuerwehrleute richtig nervenaufreibend. In den alten Kohlerevieren gerieten quasi täglich Abraumhalden in Brand, die ja aus einem nicht unerheblichen Anteil Kohlenstaub bestehen. „Das war schon anstrengend“, erinnerte sich in der RTBF Daniel Devos, ehemaliger Feuerwehrmann aus Mons. „Wir mussten ständig die Abraumhalden hochklettern, um dort Brände zu löschen. Die Schläuche waren damals noch ein bisschen schwerer und sperriger als heute.“

Alarmstufe orange

Das war 1976. Nur bewegen wir uns in diesem Sommer mit großen Schritten auf eine ähnliche Situation zu. Das Königliche Meteorologische Institut hat eine Hitzewarnung ausgegeben. In einigen Regionen des Landes gilt bis auf Weiteres Alarmstufe „orange“. „Ab jetzt und bis zum Ende der Woche werden die Temperaturen nur noch steigen“, sagt auch der VRT-Wetterfrosch Frank Deboosere. Im Inland dürften wir dann stellenweise 35 Grad erreichen.

Am Wochenende seien dann örtlich Gewitter zu erwarten mit etwas kühleren Temperaturen, sagt Deboosere. „Dann sprechen wir aber immer noch von 26, 27 Grad.“

„Na das kann ja heiter werden“, schreiben so oder so ähnlich auch schon viele Zeitungen. Überall liest man die üblichen Warnungen und Tipps, etwa, dass man viel trinken muss, körperliche Anstrengungen vermeiden, sich möglichst nicht direkter Sonnenstrahlung aussetzen. Das gilt in erster Linie für Kinder und ältere Menschen.

Ozonkonzentration steigt

Genau diese Empfehlungen gibt jetzt auch die interregionale Umweltagentur CELINE aus, die sich vor allem mit der Luftqualität beschäftigt. Denn: Wer Hitze sagt, der sagt Ozon. Und mit jedem Tag werde jetzt die Ozonkonzentration in der Luft ansteigen. „Da sollte man Sport oder schwere Arbeit vermeiden“, sagt Frans Fierens von CELINE.

Ozon entsteht, grob zusammengefasst, aus dem Zusammenspiel aus intensiver Sonneneinstrahlung und Luftverschmutzung. Das Gas verursacht Reizungen der Atemwege.

Wasserrationierung

Und das ist nur ein Problem – eins von vielen. In den Provinzen Ost- und Westflandern und auch in Teilen von Flämisch Brabant gelten schon Maßnahmen zur Wasserrationierung. Bauern dürfen stellenweise nicht mehr Wasser aus Flussläufen oder Weihern entnehmen. Generell ist das Bewässern zwischen 8 und 20 Uhr untersagt.

Auto waschen ist ebenfalls verboten, genauso wie Schwimmbäder zu füllen und Rasen zu sprengen. Auch Straßen und Hausdächer dürfen nicht mehr mit Wasser gereinigt werden. Wasser darf ausschließlich zum Trinken und für Körperhygiene benutzt werden.

Frage ist nur: Wie lange soll das noch so weitergehen? „Schwer zu sagen“, sagt der VRT-Wetterfrosch Frank Deboosere. „Meteorologen können höchstens zwei Wochen in die Wetterzukunft schauen. Im Moment gehen wir aber davon aus, dass die allgemein sommerliche Wetterlage noch mindestens bis in die erste Augustwoche hinein anhalten wird.“

Und was machen diejenigen, denen das sommerliche, warme Wetter inzwischen auf den Zeiger geht? „Nun“, so sagt Deboosere, „die haben nicht unbedingt die große Auswahl. Im Moment bleibt da eigentlich nur Island. Dort sind es gerade 10, 15 Grad – und es regnet häufiger mal“.

Roger Pint