Der Diesel hat’s schwer auf dem Gebrauchtwagenmarkt

Seit dem Skandal um gefälschte Abgaswerte steckt der Diesel in einer Krise. Belgien gehört auch zu den klassischen Diesel-Ländern. Oder besser gesagt: gehörte. Denn hierzulande werden inzwischen mehr Benziner als Neuwagen verkauft als Diesel. Mittlerweile machen sich die Folgen des Dieselskandals auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt bemerkbar.

Bild: Uwe Zucchi/EPA

Käufer suchen auf dem Gebrauchtwagenmarkt inzwischen häufiger nach Benzinern als nach Diesel. Die Nachfrage hat sich in den letzten vier Jahren umgekehrt: Suchten vor vier Jahren noch 75 Prozent der Käufer nach einem Diesel, sind es jetzt nur noch 40 Prozent. Entgegengesetzt stieg die Nachfrage nach Benzinern. Schon im letzten Sommer hatte der Benziner den Diesel in der Nachfrage überholt und seitdem steigt sie immer stärker an.

Das Problem ist nur: Die Autos, die jetzt auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu finden sind, stammen aus den Glanzzeiten des Diesels. Von vielen Typen, insbesondere den klassischen Firmenwagen, gibt es viel mehr Diesel als Benziner. Das Benziner-Angebot hält mit der Nachfrage also nicht Schritt.

Früher zahlte man für einen gebrauchten Diesel im Schnitt 7 Prozent mehr als für den entsprechenden Benziner. Inzwischen gibt es einen Aufschlag von rund 4 Prozent für den Benziner im Vergleich zum Diesel. Das meldet das Internetverkaufsportal für Autos Gocar.

Ist der Diesel nichts mehr wert?

Laut Gocar gehen die Preise für Diesel zwar runter, sind aber nicht im freien Fall. Und die Verkäufer bleiben länger auf ihrem Wagen sitzen. Früher dauerte es im Schnitt 45 Tage, bis ein Diesel einen neuen Besitzer gefunden hat, jetzt sind es 62 Tage. Die Dieselverkäufer drücken also noch nicht den Preis, sondern sitzen die Krise bisher aus.

Die professionellen Gebrauchtwagenhändler gehen mit der Situation ähnlich um wie die privaten Verkäufer: Sie warten länger auf einen Käufer. Aber es gibt für sie noch eine andere Möglichkeit: der Export. Klassisch ging es Richtung Osteuropa. Dort scheint der Markt aber gesättigt. Neuerdings werden immer mehr Wagen nach Portugal exportiert.

Ob das, was wir auf dem Gebrauchtwagenmarkt erleben, eine Übertreibung ist, wird man erst hinterher wissen. In der Region geht man unterschiedlich mit der Dieselkrise um: In Aachen etwa wird es wohl schon im kommenden Jahr Fahrverbote für Diesel geben. In Belgien dagegen wird es für Diesel erst nach 2025 kritisch. Die Stadt Brüssel will sogar erst 2030 den Diesel aus der Stadt verbannen.

Die Gebrauchtwagen von heute werden dann wahrscheinlich nicht mehr fahren. Der Branchenverband Febiac hält dennoch am Diesel fest und sagt, die neusten Dieselmotoren seien „sauber“. Bleibt die Frage, ob die Kunden das den Autoherstellern glauben.

ds/meuse/okr/jp