Neue Kampagne: „Im Auto: Handy aus“

Handy am Steuer: hierzulande immer noch ein gewohntes Bild. Zwei Drittel der Belgier nutzen nach wie vor beim Autofahren ihr Handy, zum Telefonieren, aber auch zum Versenden einer SMS. Studien zufolge ist dadurch das Unfallrisiko um bis zu neunmal größer.

Im Auto Handy Aus

Ein Poster der neuen Kampagne

Für das IBSR, das belgische Institut für Straßenverkehrssicherheit, ist das alles Grund genug, um eine neue Sensibilisierungsaktion zu starten. Einhergehen wird das auch mit einer Verschärfung der Polizeikontrollen. Die Kampagne läuft noch bis zum 22. August.

Am Rand der Autobahnen des Landes sind sie schon zu sehen: die neuen Plakate des IBSR, des belgischen Instituts für Straßenverkehrssicherheit. Die Botschaft, kurz und knapp: „Im Auto = Handy aus“. Die Kampagne kommt nicht von ungefähr. Das IBSR hat in Flandern, der Wallonie und Brüssel eine Umfrage durchgeführt, mit einem drastischen Ergebnis. Unterm Strich hätten zwei von drei Personen eingeräumt, während der Fahrt ihr Handy am Steuer zu nutzen, sagt Miran Scheers vom IBSR. Nicht nur, um zu telefonieren, sondern sogar, um SMS zu verschicken.

Dabei ist Telefonieren am Steuer bekanntlich verboten. Und das nicht ohne Grund. Das Unfallrisiko ist erheblich größer. Wer am Steuer sein Handy benutzt, der verhält sich, als hätte er 0,8 Promille Alkohol im Blut. Er fährt Zickzack, hat Tendenz, langsamer zu werden. Und, wissenschaftlich untermauert: seine Reaktionszeit steigt um 0,25 Sekunden, anders gesagt: man bremst später.

Handy am Steuer, das gehöre zu den vier großen Unfallursachen, betont denn auch Mobilitätsstaatssekretär Etienne Schouppe. Neben überhöhter Geschwindigkeit, dem Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes und dem Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Deswegen sei es denn auch höchste Zeit, die Menschen noch einmal auf die Risiken hinzuweisen.

Wer das Plakat zum ersten Mal sieht, der muss erstmal schlucken. Zu sehen ist ein beschädigtes Handy, auf dem noch eine letzte Mitteilung zu lesen ist: „Papa, Du warst auf einmal weg…“ Oder: „Liebling, warum hast Du aufgelegt?“ Jeder hat verstanden: das Gespräch wurde wegen eines Unfalls unterbrochen… „Wir versuchen die Menschen über Emotionen zu erreichen“, sagt denn auch Miran Scheers vom IBSR.

Doch bei allen Emotionen: Sensibilisierung reicht erfahrungsgemäß nicht aus. Deshalb werde auch die Polizei dazu angehalten, hier in den nächsten Wochen noch einmal besonders genau hinzuschauen, betont Staatssekretär Etienne Schouppe. Im vergangenen Jahr seien innerhalb von sechs Monaten immerhin knapp 60.000 Bußgelder verhängt worden wegen Handys am Steuer. Und für jede Übertretung würden 100 Euro fällig.

„Im Auto = Handy aus“. Laut Gesetz gilt das ausschließlich für ein Gerät, das man in der Hand hält. In der Kampagne wird dieser Unterschied bewusst nicht gemacht. Eine Freisprecheinrichtung, sei es der „Knopf im Ohr“ oder eine im Auto eingebaute Anlage, ändert nämlich eigentlich nichts am Problem. Internationale Studien hätten gezeigt, dass eine Freisprechanlage das Unfallrisiko nur unwesentlich verringere, sagt Miran Scheers vom IBSR. Man könne sich eben nur auf eine Sache konzentrieren. Ein Telefongespräch beansprucht das Gehirn, Autofahren auch. Beides zusammen sei einfach zu viel.

Deshalb hatte Staatssekretär Etienne Schouppe einen Moment lang auch darüber nachgedacht, Telefonieren am Steuer gänzlich zu verbieten, also ob mit oder ohne Freisprechanlage. Das habe sich inzwischen aber als nicht praktikabel erwiesen: man könne kein Verbot aussprechen, wenn man es nicht kontrollieren könne. Wer einen Kopfhörerknopf im Ohr habe, der könne ja auch Musik hören. Und wer mit seiner Freisprechanlage rede, der spräche vielleicht mit einem anderen Insassen oder mit sich selbst. Ein generelles Verbot mache also keinen Sinn.

Gesetzlich verboten ist und bleibt erstmal ausschließlich das Telefonieren mit dem Handy in der Hand.

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