Betrugsbeschwerde: Steht Couckes Vermögen auf dem Spiel?

Marc Coucke kennt inzwischen fast jeder - spätestens, seit der 53-Jährige vor einigen Wochen den Fußball-Rekordlandesmeister RSC Anderlecht gekauft hat. Bekannt wurde Coucke durch seine Firma Omega Pharma, vor allem durch den Verkauf des Unternehmens, über den Coucke rund eine Milliarde Euro kassierte. Dieser Jackpot gerät jetzt in Gefahr.

Ostende-Präsident Marc Coucke

Bild: Kurt Desplenter/BELGA

Bislang konnte es so aussehen, als verwandele sich alles, was Marc Coucke anpackt, in Gold. Das Gold, das hatte einen Namen: Omega Pharma.

Gegründet hat Marc Coucke das Unternehmen 1987 zusammen mit einem Studienfreund. Im Großen und Ganzen war die Firma spezialisiert auf rezeptfreie Medikamente beziehungsweise Kosmetikprodukte. Couckes Verkaufstalent und Engagement machten aus Omega Pharma schnell eine Erfolgsgeschichte: 1998 kam der Börsengang. Internationale Bekanntheit erlangte die Firma auch durch ihr Sportsponsoring; unter anderem trug eine bekannte Radsportmannschaft jahrelang das Logo „Omega Pharma“.

2012 stieg der belgisch-niederländische Investmentfonds Waterland ein, Coucke blieb aber Mehrheitseigner. 2014 dann klopfte Perrigo an. Der amerikanisch-israelische Pharma-Konzern kündigte die Übernahme von Omega Pharma an. 2015 wurde der Deal eingefädelt. Der sorgte damals in Belgien für ziemlich Furore. 3,6 Milliarden Euro legte Perrigo auf den Tisch. Marc Coucke alleine sackte 1,25 Milliarden Euro ein – steuerfrei.

Mit einem Mal wurde der Mann aus Gent zu einem der reichsten Menschen des Landes. Aber, wie er es versprochen hatte: Er investierte und zwar in Belgien. Coucke stieg unter anderem ein im Tierpark Pairi Daiza oder beim Lütticher Pharmaunternehmen Mithra. Investiert hatte er auch in das Ardennenstädtchen Durbuy. Seinen spektakulärsten Coup landete Coucke aber im vergangenen Monat Dezember, als sich der schillernde Geschäftsmann den Fußballrekordlandesmeister RSC Anderlecht unter den Nagel riss.

dunkler Schatten

Bislang hört sich das alles wie ein modernes Märchen an. Doch liegt längst ein dunkler Schatten auf dem Ganzen. Vor knapp einem Jahr ließ Perrigo verlauten, dass man inzwischen gar nicht mehr so glücklich sei mit dem Kauf von Omega Pharma. Das Huhn legt nämlich anscheinend doch nicht die ersehnten goldenen Eier. Und wenn das so ist, dann weil man betrogen worden sei, heißt es von den Amerikanern. Marc Coucke habe die Braut schöner gemacht, als sie es in Wirklichkeit war.

In der VRT-Fernsehsendung „Van Gils & Gasten“ reagierte Coucke seinerzeit auf die Anschuldigungen. „Erstens kann man nicht ein Auto kaufen, es danach zehn Mal gegen die Wand fahren, und sich am Ende über Beulen beschweren“, sagte Coucke. Ob er die Bilanzen nicht vielleicht doch geschönt habe? „Unsinn!“, sagte Coucke. „Mein Gott, damals haben 300 Mann sechs Monate lang die Zahlen überprüft. Sollen die nur klagen.“

Das tut Perrigo jetzt auch. Die angekündigte Beschwerde ist ausformuliert. Und sie ist fast so schwindelerregend wie der ursprüngliche Deal. Laut der Zeitung De Standaard fordert Perrigo 1,9 Milliarden Euro vom Kaufpreis zurück, ein bisschen mehr als die Hälfte also. 1,9 Milliarden, die sich Coucke mit dem damaligen Mitanteilseigner Waterland teilen müsste. Für beide würde sich die Rechnung aber doch auf immerhin 950 Millionen belaufen. „Amerikanische Verhältnisse“ seien das, reagierte Marc Coucke auf Twitter. An seiner Verteidigung werde aber gearbeitet und er vertraue auf die Zukunft.

Diese Zukunft entscheidet sich jetzt vor einem Schiedsgericht. Seit jeher ist es so, dass solche Deals, also etwa internationale Übernahmegeschäfte,  im Konfliktfall nicht mehr vor klassischen Gerichten landen. Das hat schon damit zu tun, dass zuallererst strittig wäre, in welchem Land nun die Justiz angerufen werden soll. Deswegen greife man in solchen Fällen auf Schlichtungsverfahren zurück, sagte Philippe Lambrecht, Vizepräsident von Cepani, dem belgischen Zentrum für Schlichtung und Mediation, in der RTBF.

In der Regel wird schon bei Vertragsabschluss festgelegt, wer im Konfliktfall als Schiedsinstanz eingesetzt wird. Im vorliegenden Fall handelt es sich anscheinend um ein belgisches Unternehmen. Experten zufolge ist aber frühestens in zwei bis drei Jahren mit einem Urteil zu rechnen.

Roger Pint

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