Butter ist das neue Gold

Sie werden es vielleicht schon beim Einkauf bemerkt haben: Die Preise für Butter sind derzeit auf einem Rekordniveau. In den letzten anderthalb Jahren stieg der Preis von 2,75 Euro pro Kilo auf inzwischen 6,50 Euro. Das ist weitaus mehr als das Doppelte.

Butter

Butter ist in den letzten anderthalb Jahren immer teurer geworden. Rund 6,50 Euro zahlt man inzwischen für ein Kilogramm. Doch warum ist Butter so teuer geworden? Um das zu erklären, erfordert es einen Rückblick – und zwar auf die Entwicklung der Milchpreise: Im Juni 2016 war der Milchpreis im Keller. Damals kostete eine Flasche Mich weniger als eine Flasche Wasser. Einer der Gründe für diesen niedrigen Preis war, dass Russland europäische Agrarprodukte boykottierte, sozusagen als Reaktion auf die Russland-Sanktionen des Westens im Ukraine-Konflikt.

In Europa blieb man auf der Milch sitzen und die Milchpreise sanken. Was wurde gemacht? Um die Milchbauern zu unterstützen, beschloss die EU-Kommission ein Hilfspaket, und zwar in dem man den Milchbauern größere Mengen abkaufte, auf Vorrat legte und das zu festen garantierten Preisen.

Eine besondere Rolle spielte hier das Magermilchpulver. Magermilchpulver braucht man zur Herstellung von Käse, Joghurt, Schokolade oder Baby-Nahrung. Und von diesem Magermilchpulver wurde zwar viel aufgekauft, aber der gezahlte Preis war sehr niedrig und somit hatte Magermilchpulver die schlechteste Rendite von allen Milchprodukten.

Nachfrage gestiegen

Doch was hat das jetzt mit den Butterpreisen zu tun? Magermilchpulver erhält man durch Entrahmen der Milch, das heißt als Nebenprodukt bleibt Sahne übrig und die kann zu Butter verarbeitet werden. Nur: Wegen der schlechten Rendite von Magermilchpulver produzierten die milchverarbeitenden Unternehmen lieber Käse und andere Molkeprodukte. Schlussfolgerung des Ganzen: weniger Magermilchpulver, deshalb weniger Rahm als Nebenprodukt und deshalb weniger Butter. Die Konsequenz: Der Butterpreis begann zu steigen.

Die Knappheit ist aber nicht die einzige Erklärung für die hohen Butterpreise. Butter ist derzeit nämlich auch ziemlich gefragt. Früher, wenn Butter teurer wurde, kauften die Menschen gerne günstigere Margarine. Doch das ist diesmal nicht der Fall. Früher galt Butter als Cholesterol-Bombe. Es gab hier und in den USA eine regelrechte Cholesterol-Angst. Und diese Angst hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Laut wissenschaftlichen Studien gar nicht mal zu unrecht: Cholesterol soll nämlich gar nicht so ungesund sein, wie seit den 50er Jahren behauptet wurde.

Butter-Blackout Ende des Jahres?

Und: Immer mehr Menschen bevorzugen ein natürliches Produkt, wie z.B. Butter. Weltweit wird mehr Butter konsumiert als je zuvor, vor allem im Iran, Südostasien und Mexiko. Den Trend haben sogar die großen Fast-Food-Ketten erkannt. Bei dem Laden mit dem goldenen M werden die Frühstücksbagels und Muffins seit zwei Jahren mit Butter anstatt mit Flüssigmargarine gemacht.

Der gestiegene Butterpreis bringt letztlich auch andere Preissteigerungen mit sich. Backwaren zum Beispiel werden wohl teurer werden. Der flämische Bäckerverband hat seinen Mitgliedern schon geraten, die höheren Butterpreise an die Kunden weiterzureichen. Ein Ende des Preisanstiegs ist nämlich  vorerst nicht in Sicht, denn der europäische Butterberg von 2016 ist inzwischen geschmolzen – von über 100.000 Tonnen auf 230 Tonnen. Ende des Jahres könnte es zu einem regelrechten Butter-Blackout kommen. In Frankreich bangt man jedenfalls schon um das geliebte Croissant zum Frühstück.

Volker Krings - Bild: EPA

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