Nach den Panama-Papers, jetzt die Malta-Files

Ein Konsortium von europäischen Investigativ-Journalisten erhebt schwere Vorwürfe gegen den EU-Mitgliedstaat Malta. Das Recherche-Netzwerk hat tausende Dokumente ausgewertet, die ihm vor einigen Wochen zugespielt worden waren. Diese sogenannten "Malta-Files" geben demnach Aufschluss darüber, wie der Inselstaat dazu beiträgt, dass insbesondere EU-Bürger und -Unternehmen im großen Stil Steuern hinterziehen können.

Europäisches Tourismusforum auf Malta

„Malta, die fiskale Pirateninsel im Mittelmeer“ – die Schlagzeile der Brüsseler Tageszeitung Le Soir am Samstag sagt schon alles. Malta hat offenbar ein veritables System aufgebaut, dass es Unternehmen und reichen Privatleuten erlaubt, ihre Einkünfte am Fiskus vorbei zu mogeln.

Das geht aus Daten hervor, die dem europäischen Recherche-Netzwerk EIC zugespielt wurden. Ein Beispiel: In Malta beläuft sich die Unternehmenssteuer auf rund fünf Prozent. Zum Vergleich: In Belgien sind es 33 Prozent. Voraussetzung ist aber, dass die Betriebe auch auf Malta tätig sind. Dieses Kriterium werde aber in der Praxis kaum beachtet. Insgesamt über 53.000 Unternehmen seien jedenfalls auf der Insel registriert, darunter Tochterfirmen von vielen europäischen Betrieben. Anderes Beispiel: Auf Luxus-Yachten werden auf Malta gerade mal 5,4 Prozent Mehrwertsteuer erhoben.

Nach Schätzungen des französischen Nachrichtenportals Mediapart entzieht Malta den anderen EU-Staaten Steuereinnahmen in Höhe von jährlich zwei Milliarden Euro.

Unter den Steuerflüchtlingen seien auch mehrere Belgier, schreibt Le Soir. Das Blatt nennt namentlich unter anderem den Zucker-Milliardär Eric Wittouck.

Malta hat derzeit den EU-Vorsitz inne. Die Regierung in Valletta betrachtet die jüngsten Enthüllungsberichte als „Verleumdungskampagne“.

Roger Pint - Illustrationsbild: BRF

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