Mechelen kein Hellhole mehr: Ist Bart Somers der beste Bürgermeister der Welt?

Mechelen galt nicht nur als unsauberste Stadt in Flandern. Sie hatte auch die höchste Kriminalitätsrate Belgiens. Heute ist Mechelen eine der saubersten Städte Flanderns. Denn einer hat aufgeräumt. Dafür ist Bürgermeister Bart Somers bei der Wahl zum Weltbürgermeister nominiert worden.

138 Nationen unter einem Dach. Jeder Fünfte ein Muslim. Jedes zweite Kind, das geboren wird, hat Eltern mit Migrationshintergrund.

Mechelen, eine Stadt die vor 15 Jahren noch in einem Depressionszustand verweilte, ist wieder aufgeblüht. Der Mittelstand wächst. Immer mehr Menschen ziehen hin. Die Stadt ist wieder attraktiv.

„Das ist auch so. Als ich hier noch Schüler war, war alles grau. Heute ist alles schöner geworden. Die Stadt blüht auf“, sagt ein Bürger.

Eine Andere meint: „Eine prächtige Stadt. Und der Bürgermeister hat viel für den multikulturellen Zusammenhalt getan. Das schätzen die Mechelner sehr.“

Hat Somers eine Zauberformel?

Der Mann, der hier gelobt wird, heißt Bart Somers.

„Wir haben drei Sachen gemacht. Erstmal haben wir auf Sicherheit und Sauberkeit gesetzt. Es fließt viel Geld in die Polizei, in Prävention aber auch in einen schöneren öffentlichen Raum“, sagt er und erklärt weiter:

„Zweitens wollen wir mit aller Kraft die Ghettoisierung vermeiden. In vielen Städten leben Menschen nicht mit, sondern nebeneinander. Wir wollen eine Gemeinschaft bilden. Und drittens haben wir akzeptiert, dass wir im 21. Jahrhundert in einer multikulturellen Gesellschaft leben. Und damit versuchen wir ganz positiv, das Beste daraus zu machen.“

Und das ist in Mechelen kein nine-to-five-job. Auch an den Wochenenden und Abenden wird sauber gemacht. 2,5 Millionen Euro investiert Mechelen in die Sauberkeit der Straßen und Plätze.

Die Zahl der Polizisten wurde in seiner Amtszeit erhöht. Man ist strikt gegen Dealer und andere Kleinkriminelle vorgegangen. Zudem wurde die Videoüberwachung in der Stadt massiv ausgeweitet. Für Jugendliche wurden neue Sportangebote geschaffen.

„Sicherheit ist wichtig. Menschen, die sich unwohl in ihrer Haut und Umgebung fühlen, weil ihr Stadtviertel verwahrlost, wollen dann auch nicht mitarbeiten. Diese Menschen sehen sich nicht als Bürger dieser Stadt. Sie ziehen sich zurück, sind ängstlich und misstrauisch der Stadt gegenüber, aber auch den Mitbürgern“, sagt Somers.

Als er Bürgermeister wurde, gab es in Mechelen 800 Straßen aber nur ein Straßenfest. Heute sind es über 150. Und die organisieren die Menschen selbst. Und während in den Nachbarstädten der Salafismus wirkt, scheint Mechelen dieses Problem im Griff zu haben. Von hier ist offenbar niemand in den Syrienkrieg gezogen.

Streng sein, aber auch Perspektiven bieten. Alle gehören dazu. Mit Zuckerbrot und Peitsche für die Integration. Somers will für die Einhaltung der Gesetze sorgen. Und davon profitiert auch der Tourismus. Und für die Bürger sinken seit Jahren auch noch die Steuern.

Das Erfolgsmodell Mechelen

Zu schön um wahr zu sein? Oder gibt es auch Kritik? Für manche gibt es zu viele Kontrollen und Überwachungskameras. Für einen liberalen Bürgermeister wie Somers sei das komisch.

Der entgegnet: „Ein Bürgermeister muss für alle da und pragmatisch sein. Natürlich bin ich ein stolzer Liberaler. Aber ich wäre ein schlechter Bürgermeister, wenn ich dieses Denkmuster nicht übersteigen kann.“

Somers war einst Parteivorsitzender der flämischen Liberalen OpenVLD und flämischer Ministerpräsident. Parteipräsident zu sein, sei ein elender Job. Ministerpräsident sein dagegen viel gemütlicher, sagt er. Aber als Bürgermeister könne man wirklich Dinge bewegen.

Am 14. Februar wissen wir, ob Somers von der World Mayor Prize der City Mayors Foundation für seine zähe Arbeit belohnt wird. Die Anerkennung vieler Bürger ist ihm aber auch so gewiss.

Manuel Zimmermann - Bild: Nicolas Maeterlinck (belga)

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150