Die Presseschau von Freitag, dem 8. Januar 2016

Im Fokus steht zunächst die Attacke eines mutmaßlichen Islamisten auf eine Polizeistation in Paris am Jahrestag des Charlie Hebdo-Anschlags. Aber vor allem die langen Schatten der Silvesterereignisse von Köln beschäftigen die Zeitungen. Außerdem geht es um den Verkauf von EM-Tickets im Land.

Polizisten bewachen die Rue de la Goutte d'Or in Paris (7.1.)

Polizisten bewachen die Rue de la Goutte d'Or in Paris (7.1.)

„Ein Jahr nach Charlie Hebdo: Ein kleiner Strauchdieb mit Messer und falscher Sprengstoffweste wird erschossen“, schreibt Het Nieuwsblad auf Seite eins. „Ein islamistischer Terrorist wollte in Paris Polizisten töten“, so die Schlagzeile von La Dernière Heure.

Exakt ein Jahr nach der Attacke auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ hat ein mutmaßlicher islamistischer Terrorist in Paris offenbar einen Racheakt verüben wollen. Der Mann hatte versucht, sich Zugang zu einem Polizeikommissariat zu verschaffen. Bewaffnet war er mit einem Metzgerbeil und einem falschen Sprengstoffgürtel. Noch bevor er jemanden verletzen konnte wurde er erschossen. „Paris bebt wieder“, bemerkt Het Belang van Limburg. „Keine Atempause“, kann auch Le Soir auf Seite eins nur feststellen.

Das gilt möglicherweise auch für Belgien. Das nächste „symbolträchtige“ Datum, das ist der 15. Januar, also in genau einer Woche. Am 15. Januar 2015 wurde in Verviers eine islamistische Terrorzelle ausgehoben. Auch vor diesem Hintergrund seien Racheakte nicht auszuschließen, erklärt der Föderale Staatsanwalt, Frédéric Van Leeuw, unter anderem in Le Soir. Konkrete Hinweise auf eine möglicherweise bevorstehende Attacke gebe es demnach aber nicht.

Stichwort Terrorismus: De Standaard und Het Nieuwsblad bringen heute neue Erkenntnisse über die Ermittlungen nach den Anschlägen von Paris vom 13. November. „Die Pariser Attentäter fabrizierten ihre Bomben in Schaerbeek“, meldet De Standaard auf seiner Titelseite. Demnach haben die Ermittler schon Anfang Dezember in der Brüsseler Stadtgemeinde konspirative Wohnung entdeckt, die den Terroristen offenbar als Unterschlupf diente. Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse sollen die Terroristen dort ihre Sprengstoffwesten gebaut haben. In dem Apartment wurden auch Fingerabdrücke von Salah Abdeslam entdeckt, die möglicherweise aus der Zeit nach den Anschlägen stammen.

Ereignisse wie in Köln durch Pflichtkurse verhindern?

Im Mittelpunkt vieler Leitartikel stehen aber die jüngsten Ereignisse in Köln. „Die Täter von Köln sind doch Asylbewerber“, schreibt Het Laatste Nieuws in Blockbuchstaben auf Seite eins. Gemeint sind die Männer, die in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof systematisch Frauen sexuell belästigt, bedrängt und bestohlen haben. Offiziell hieß es, dass es sich nicht um Flüchtlinge gehandelt habe. Polizisten, die vor Ort waren, erklärten jetzt aber das Gegenteil.

Auch als Reaktion auf die Geschichte kündigte Asylstaatssekretär Theo Francken an, dass künftig in Asylbewerberheimen auch Pflichtkurse in Sexualerziehung eingeführt werden. Dabei sollen Männern also die Grundprinzipien eines respektvollen Umgangs mit Frauen beigebracht werden. Von der frankophonen Opposition gab es bereits Kritik an den Plänen. Die für Frauenrechte zuständige PS-Ministerin in der Französischen Gemeinschaft, Isabelle Simonis, sprach von einer „skandalösen Stigmatisierung“ von Flüchtlingen, wie unter anderem L’Avenir hervorhebt.

Selbst die linksgerichtete flämische Tageszeitung De Morgen kann diese Kritik nicht nachvollziehen. Theo Francken hat Recht. Und das ist für einmal nicht ironisch gemeint, meint das Blatt. Problematisch ist allenfalls, dass Francken hier einen Zusammenhang mit den Ereignissen in Köln herstellt. Doch hat der Asylstaatssekretär selbst eingeräumt, dass die genauen Hintergründe noch nicht aufgeklärt sind. Davon abgesehen: Sexualerziehung, das täte nicht nur jungen Männern mit Migrationshintergrund gut. Nicht vergessen: Dominique Strauss-Kahn war schließlich auch kein Asylbewerber aus Afghanistan.

Zwischen Realitäten und Opportunismus

Auch für L’Avenir läuft die Kritik von PS-Ministerin Simonis an Asylstaatssekretär Francken ins Leere. Isabelle Simonis sollte doch bitte mal der Realität ins Auge sehen. Es gibt Stadtviertel, in denen Frauen es nicht wagen, mit einem kurzen Rock vor die Türe zu gehen. Der Film der flämischen Regisseurin Sofie Peeters sprach in diesem Zusammenhang Bände. Natürlich ist Machogehabe nicht das Monopol von Männern mit Migrationshintergrund. Aber was ist falsch daran, wenn man Männer über die gesellschaftlichen und kulturellen Gepflogenheiten in ihrem neuen Gastland informiert?

Het Nieuwsblad denkt diesen Gedanken zu Ende. Sexismus ist und bleibt eine starke Unterströmung in unserer Gesellschaft. Und das Phänomen betrifft längst nicht nur die ausländischstämmigen Gemeinschaften. Deswegen müssen denn auch die Spielregeln klar und deutlich erklärt werden, nicht nur für Neuankömmlinge sondern etwa auch in den Schulen. Letztlich sind Jugendliche nämlich, zumindest was die Sexualität angeht, in gewisser Weise auch Neuankömmlinge. Die derzeitige Diskussion ist da allerdings wenig dienlich. Die einen wollen jetzt gleich alle Flüchtlinge über einen Kamm scheren, die anderen machen gleich aus allen Männern wieder Höhlenmenschen mit Keulen.

Het Laatste Nieuws hingegen bescheinigt dem Asylstaatssekretär durchaus ein gehöriges Maß an politischem Opportunismus. Dabei tut er so, als gehe es allein um Unwissenheit. Dabei werden aber kulturelle Eigenheiten ausgeblendet, Verhaltensmuster, die den Kindern von ihren Eltern übermittelt werden. Und da hilft auch kein Kurs in Sexualerziehung. Es sind die Mütter, die die Männer formen.

Bisher kein großes Interesse an EM-Tickets in Belgien

„Die Hälfte der belgischen EM-Tickets konnte noch nicht verkauft werden“, so schließlich die Aufmachergeschichte von Het Nieuwsblad. Die EM findet in gut einem halben Jahr in Frankreich statt, also quasi gleich „um die Ecke“. Dennoch: Irgendwie scheint es da im Moment nicht wirklich den Ansturm auf Karten zu geben.

Zehn Tage vor dem Ende des Vorverkaufs sind gerade einmal 10.000 Tickets verkauft. Zur Verfügung stehen dem belgischen Fußballverband insgesamt 19.000.

Roger Pint - Bild: Alain Jocard (afp)