Die Presseschau von Donnerstag, dem 07. November 2013

Die Affäre um den unter Mordverdacht stehenden Bernard Wesphael ist weiter in den Schlagzeilen. Außerdem ist aber auch der zurückgetretene König Albert offenbar unglücklich mit seiner staatlichen Dotation. In Flandern sorgen derweil zwei Geschichten für Diskussionsstoff: die Anti-Stau-Rezepte der flämischen Regierung und eine Mega-Fusion auf dem Zeitungsmarkt.

König Albert beim Bad in der Menge

„Erstickt in einer Plastiktüte“, titelt Het Laatste Nieuws. Das Blatt kennt offensichtlich nähere Einzelheiten im Fall Bernard Wesphael. Der wallonische Abgeordnete wird ja verdächtigt, seine Ehefrau, Veronique Pirotton, umgebracht zu haben.

Wesphael-Ehefrau erstickt?

Het Laatste Nieuws glaubt jetzt also die Todesursache zu kennen: Pirotton hatte eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt, berichtet die Zeitung unter Berufung auf gut informierte Kreise. Wesphael sei aber auch nach stundenlangem Verhör bei seiner Version der Ereignisse geblieben. Seine Frau habe sich das Leben genommen.

Derweil steht die Frage nach dem juristischen Umgang mit Bernard Wesphael weiter im Raum. Als Abgeordneter genießt er ja eigentlich parlamentarische Immunität. Dessen ungeachtet wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen. Wesphaels Rechtsbeistände haben also offiziell Beschwerde bei den Parlamenten der Wallonischen Region und der Französischsprachigen Gemeinschaft eingelegt. Die betreten hier juristisches Neuland. Le Soir fasst zusammen: „Die beiden Parlamente gehen auf Eiern.“

Armer Albert?

„Albert beklagt sich über seine Dotation“, schreibt heute Le Soir auf Seite eins. De Standaard bringt dieselbe Meldung: „Wie Albert II. versucht, seine Dotation aufzupeppen“, so die Schlagzeile. Demnach ist der zurückgetretene König also unglücklich mit der Höhe der ihm zugewiesenen Gelder. Hier geht es immerhin um 923.000 Euro pro Jahr. Albert hat sich offenbar über diskrete Kanäle bei einigen Föderalministern in diese Richtung beschwert. Weil die Dotation im Gesetz verankert ist, wünscht er sich offenbar, dass der Staat einige seiner Kosten übernimmt.

Diese Diskussion ist fehl am Platz, urteilt Le Soir in seinem Leitartikel. Erstens: Albert ist, Dotation hin oder her, bestimmt nicht mittellos. Zweitens: Sein Vorstoß ist ein lautes Störsignal für seinen Nachfolger, König Philippe. Albert zeigt sich hier von seiner ungeschickten und egoistischen Seite. Und drittens: In diesen Krisenzeiten wäre eine gleich wie geartete Aufstockung der Dotation schlicht und einfach nicht zu verkaufen.

33 Punkte-Plan: drei Töpfe Farbe

In Flandern steht derweil einmal mehr die Stau-Problematik im Vordergrund. Diesmal geht es um den Großraum Antwerpen. Die flämische Regierung hat einen 33-Punkte-Plan vorgelegt, um zumindest ansatzweise Abhilfe zu schaffen. „Das Fahren auf dem Pannenstreifen wird stundenweise erlaubt“, titelt etwa Gazet van Antwerpen.

Einige Leitartikler gehen mit dem Plan hart ins Gericht. Und wenn es statt 33 333 Maßnahmen dieser Art wären, an den Staus in und um Antwerpen wird das überhaupt nichts ändern, donnert Het Laatste Nieuws. Viel mehr sieht es so aus, als habe hier jemand drei Töpfe Farbe genommen und die bisherige Politik einfach mal neu angepinselt. Drei wirklich entschlossene Maßnahmen würden völlig ausreichen: die langersehnte Fertigstellung des Antwerpener Rings, eine Maut und wirklich attraktive Alternativen zum Auto. So kurz vor der Wahl wagt das aber niemand. Stattdessen jetzt also 33 Maßnahmen, die angeblich schnell und einfach umgesetzt werden können. Wenn das so ist, warum hat man das nicht früher beschlossen?

Naja, es ist zumindest besser als nichts, meint De Morgen. Doch beim besten Willen: Schaut man sich die jüngsten Studien an, etwa die vom Navi-Hersteller TomTom, dann wirken die Beschlüsse der Regierung schon sehr lächerlich. Besagter Studie zufolge braucht man in und um Antwerpen im abendlichen Berufsverkehr durchschnittlich fast doppelt so lang wie eigentlich nötig. Die flämische Mobilitätsproblematik ist aber allenfalls ein Spiegelbild der belgischen Politik insgesamt. Am Mittwoch ist ja auch die Diskussion über einen Konjunktur- und Wettbewerbspakt einmal mehr im Sande verlaufen.

Das kann Gazet van Antwerpen auch nur bedauern. Die Bedürfnisse und Probleme der Wirtschaft sind himmelschreiend. Das belgische Lohn-Handicap ist inzwischen gefährlich groß. Und doch schafft es die Politik nicht, endlich Abhilfe zu schaffen. Zumal hier ein paar hundert Millionen Euro nicht ausreichen werden.
Elefantenhochzeit in der flämischen Medienwelt

In Flandern sorgt ebenfalls eine Mega-Fusion auf dem Zeitungsmarkt für Gesprächsstoff. Die Concentra-Gruppe mit den Zeitungen Gazet van Antwerpen und Het Belang van Limburg geht mit Corelio zusammen, die die Zeitungen De Standaard und Het Nieuwsblad herausgibt. Die neue Gruppe soll Mediahuis heißen. Dieser Fusion fallen 205 Mitarbeiter zum Opfer. „Das ist ein Fünftel der Belegschaft“, rechnet De Standaard vor. Einige der betroffenen Blätter veröffentlichen heute einen Offenen Brief an ihre Leser. Het Belang van Limburg, Gazet van Antwerpen und Het Nieuwsblad versprechen jeweils, dass sie ihrer Philosophie treu bleiben werden, dass ihre Zeitung mittelfristig nicht verschwinden wird, dass die Berichterstattung nur noch besser werde.

Pieter De Crem auf Promo-Tour

„De Crem schielt auf die NATO“, so die Schlagzeile von La Libre Belgique. Die Rede ist natürlich von Verteidigungsminister Pieter De Crem. Der ist gerade in den USA. Und man munkelte schon, dass er da eher in eigener Sache unterwegs ist. Bald wird nämlich der Posten des NATO-Generalsekretärs frei. Als möglicher Nachfolger von Anders Fogh Rasmussen wird immer wieder De Crem genannt. Und La Libre Belgique glaubt zu wissen, dass De Crem jetzt damit begonnen hat, Lobby zu machen…

Archivbild: Virginie Lefour (belga)

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