Die Presseschau von Montag, dem 30. November 2009

Die meisten flämischen Zeitungen befassen sich in ihren Kommentaren mit dem heftigen internen Streit beim Vlaams Belang, dessen früherer Präsident und Ehrenvorsitzender Vanhecke sich an diesem Wochenende aus dem Vorstand zurückgezogen hat. Derweil befassen sich die französischsprachigen Zeitungen mit verschiedenen Themen, u.a. mit der gestrigen Volksabstimmung in der Schweiz, die sich wider Erwarten gegen den weiteren Bau von Minaretten aussprach.

Es brennt bei der Feuerwehr

Le Soir macht sich auf seiner Titelseite zum Sprachrohr der Feuerwehren im frankophonen- und deutschsprachigen Belgien. Die Feuerwehrleute schlagen Alarm, weil das von der Regierung versprochene Geld zur Reform und Verbesserung ihrer Dienste ausbleibt. Von einer Übertreibung könne nicht die Rede sein, denn die Feuerwehrleute müssten in der Tat in ihrem beruflichen Alltag mit einem eklatanten Mangel an Personal und Material auskommen. Folglich ist es wohl nicht übertrieben, wenn sie behaupten, dass die Sicherheit in Belgien auf dem Spiel steht.
Auch Vers l’Avenir widmet sich eingehend diesem Thema. Zu Recht beklagten die Feuerwehrleute ihr prekäres Statut und ihre mangelhafte Ausbildung. Die 70 Millionen Euro, die die Regierung für die Feuerwehrreform versprochen hatte, lassen auf sich warten, während sich die Situation im Alltag der Brandbekämpfung zusehends verschlechtert. Während des ganzen Monats Dezember wollen die Feuerwehren durch gezielte Aktionen auf diese Missstände aufmerksam machen.

Tod eines diskreten Prinzen

La Derniere Heure berichtet ausführlich über den Tod des Halbbruders von König Albert, Prinz Alexander, den die Zeitung als überaus diskreten Prinzen bezeichnet. Sein Tod habe die königliche Familie und insbesondere König Albert schwer getroffen. Zur Person des verstorbenen Prinzen heißt es weiter, in der Öffentlichkeit ließ er sich kaum sehen und war denn auch weitgehend unbekannt. Dies hat ihn jedoch nicht davon abgehalten vor drei Jahren einen Fonds zu stiften, der sich sozialen Zwecken widmete und vor allem für herzkranke Kinder eine wichtige finanzielle Unterstützung war.

Het Laatste Nieuws beleuchtet die weniger vorteilhafte Seite des verstorbenen Prinzen, der in den sechziger Jahren das Enfant Terrible der königlichen Familie war: Bruchpilot und Kassanova und vor allen Dingen ein Fan schneller Autos und hübscher Frauen.

Vlaams Belang vor Zerreißprobe

Wie eingangs erwähnt kommentieren die meisten flämischen Zeitungen die internen Querelen beim rechtsradikalen Vlaams Belang, der am Wochenende ein neues Parteiprogramm verabschiedete, mit dem er sich in Flandern koalitionsfähig machen will. Dennoch beherrschen die alten Leitfiguren Dewinter und Annemans weiterhin die Partei, so dass Ex-Präsident Vanhecke den Vorstand verließ. Gazet Van Antwerpen zufolge könnte dies der Anfang vom Ende für den Vlaams Belang sein.
De Standaard fragt sich, für welche Richtung sich diese Partei letztlich entscheiden wird: wird sie weiterhin aus der Opposition heraus agieren, oder mit ihrem angepassten Parteiprogramm die Beteiligung an der politischen Macht in Flandern anstreben. Letzteres lassen die neuen Texte vermuten. Doch die alte Garde im Vorstand scheint eher auf das Gegenteil hinzuweisen. Der interne Streit an der Spitze der Partei, so mutmaßt die Zeitung, wird wohl noch einige Jahre dauern.
Zum gleichen Thema notiert De Morgen, alle Vorbilder aus der Geschichte beweisen, dass eine in sich gespaltene Partei die Wähler verjagt. So könnte es auch beim Vlaams Belang sein, zumal sich mit der N-VA eine demokratische und trotzdem flämisch-nationalistische Alternative anbietet.

Neues Programm, doch alte Hartliner bleiben

Het Laatste Nieuws zufolge diktieren die Hartliner Dewinter und Annemans nach wie vor das Geschehen beim Vlaams Belang, der noch lange nicht salonfähig ist. Seine Ausgrenzung von der Machtbeteiligung dürfte folglich noch eine Zeit lang andauern. Indessen notiert Het Belang van Limburg, Dewinter und Annemans haben die Partei groß gemacht. Es ist ihr Verdienst, dass zu einem gewissen Zeitpunkt fast ein viertel der Flamen für sie gewählt hat. Bleiben sie jedoch zu lange an der Spitze, dann kann sich das letztlich als kontraproduktiv erweisen. Es wird wohl noch eine Zeit dauern, bis der Vlaams Belang seinen zweiten Atem gefunden hat.

Islamfeindliche Schweiz steht nicht allein da

Mit der Schweizer Volksabstimmung über ein Minarett-Verbot befasst sich Le Soir und schreibt, der Islam verbreitet Angst, und das nicht nur in der Schweiz. Wahrscheinlich würde sich in Belgien eine Mehrheit genauso ausgesprochen haben.
La Libre Belgique ist ebenfalls dieser Auffassung, auch wenn man diese fremdenfeindliche Haltung bedauern muss. Allerdings muss sich auch der Islam die Frage gefallen lassen, ob seine oftmals extremistische Redens- und Handlungsweise nicht daran schuld sind, dass viele Europäer vor ihm zurückschrecken und sich fremdenfeindlich verhalten.

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