Die Presseschau von Samstag, dem 26. September 2009

Chaos am Brüsseler Flughafen, Fortis ein Jahr danach, die Wahlen in Deutschland, der G20 Gipfel und ein neuer Skandal bei der Brüsseler Justiz, das sind heute die wichtigsten Themen auf den Titelseiten. Die Zeitungskommentare befassen sich vor allem mit den Folgen der Finanzkrise.

Chaos am Flughafen

Nach einem spontanen Streik der Fluglotsen brach in unserem Land gestern Abend zwei Stunden lang der Flugverkehr zusammen. „In Zaventem herrschte Chaos“, das ist in De Morgen die Schlagzeile. Ab Montag ist mit weiteren Streiks der Fluglotsen zu rechnen. Gazet Van Antwerpen titelt, „Tausende Fluggäste wurden zu Geiseln der streikenden Fluglotsen“.

Deutschland wählt

„Merkel hat gute Chancen im Amt zu bleiben“, das ist die wichtigste Schlagzeile im Grenz-Echo. Insgesamt 62,2 Millionen Bundesbürger entscheiden am Sonntag darüber von wem Deutschland demnächst regiert wird. La Derniere Heure berichtet: „Dass die deutsche Kanzlerin in ihrem Amt bestätigt wird, steht außer Zweifel“. Offen ist aber noch die Frage mit welchem Koalitionspartner. Fest steht, dass die große Koalition in den vergangenen vier Jahren gute Arbeit geleistet hat und die Krise in den Griff bekommen hat. Das bestätigen alle Experten, so La Derniere Heure.

Ein Jahr danach

Vor genau einem Jahr entschied sich das Schicksal des größten belgischen Finanzkonzerns. Dann wurde Fortis zerschlagen.
„Am 26. September 2008 stand die belgische Finanzwelt vor dem Abgrund“, titelt La Libre Belgique.
L’Echo bringt ausführliche Interviews mit direkt Betroffenen der Fortis Katastrophe. Die Zeitung sprach u.a. mit Nationalbankchef Luc Coene, dem damaligen Premier Yves Leterme und mit Michael Modrikamen, dem Anwalt der Kleinaktionäre.
Die Folgen dieser Krise machen sich auch weiterhin bemerkbar. Het Laatste Nieuws bringt auf Seite 1 die Schlagzeile „Dexia baut erneut 445 Arbeitsplätze ab“. In den vergangenen Monaten hatte die Bank schon 360 Jobs gestrichen.

Staatsanwalt im Edelbordell

Het Nieuwsblad und De Standaard enthüllen auf Seite 1 einen erneuten Skandal der Brüsseler Justiz. Ein Brüsseler Staatsanwalt besuchte in Amsterdam auf Kosten eines reichen Geschäftsmannes mehrmals ein Luxusbordell. Es besteht der Verdacht der Korruption, so die beiden Zeitungen. Der Magistrat wurde daraufhin auch noch befördert, titelt Het Nieuwsblad.

Ein Bick in die Kommentare

Dieses Wochenende jährt sich die Fortis-Krise zum ersten Mal. De Tijd wartet aber noch immer auf strukturelle Reformen der Finanzwelt. Die Superbonusse gibt es weiterhin, die Bankenaufsicht ist noch immer nicht strenger und die Banken werden noch immer nicht verpflichtet mehr Eigenkapital zu besitzen. All diese Maßnahmen warten noch auf eine konkrete Umsetzung. Die Banken selbst erholen sich langsam und es besteht durchaus die Gefahr, dass sie die Fehler der Vergangenheit wiederholen, warnt De Tijd.
La Libre Belgique kommentiert: Die Finanzkrise ist noch lange nicht ausgestanden. Das beweist u.a. DEXIA mit der Ankündigung der Streichung von mehreren hundert Arbeitsplätzen. Noch sind die Banken nicht saniert, die Lage hat sich nur stabilisiert. Es wird noch viele Jahre dauern bis die faulen Kredite aus den Bilanzen der Banken verschwunden sind. Le Soir kritisiert im Kommentar den vorschnellen Verkauf der Fortis-Bank an den französischen Konzern BNP Paribas. Belgien ist das einzige Land, das den Verkauf der größten Bank des Landes ans Ausland zugelassen hat.
Wie schon im Fall Tractebel hat unser Land das Familiensilber einfach verscherbelt. Das beweist wie schwach und ehrgeizlos unser Staat ist.

G20

Der G20 Gipfel der zwanzig größten Volkswirtschaften in der amerikanischen Stadt Pittsburgh beschäftigt den Leitartikler von L’Echo. Der G8 Gipfel wurde immer kritisiert, weil er nicht repräsentativ genug war. Dieser Vorwurf gilt für den G20 Gipfel nur noch beschränkt, auch wenn noch immer keine Entwicklungsländer mit am Verhandlungstisch sitzen. Der G20 ist aber innerhalb eines Jahres zum wichtigsten Forum für die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit geworden.
De Morgen stellt im Kommentar fest, dass sich die Welt im vergangenen Jahr grundsätzlich verändert hat. Der Osten und der Süden des Planeten haben an Macht und Bedeutung gewonnen. Und dieser Prozess wurde durch die Kreditkrise deutlich beschleunigt. Wir hier in Europa leben noch immer in der Illusion, dass die EU weltweit eine wichtige Rolle spielt. Das stimmt aber inzwischen nicht mehr unbedingt. Der G20 in Pittsburgh bestätigt nur den Trend den schon die Olympischen Spiele in Peking und die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika eingeläutet haben.

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