Die Presseschau von Mittwoch, dem 23. September 2009

Zwei Namen prägen heute die Titelseiten der Inlandspresse, zum einen Luc Vansteenkiste, der ehemalige Chef des belgischen Unternehmerverbandes, der gestern wegen eines Insider-Delikts im Zusammenhang mit der Fortis-Affäre festgenommen wurde, und zum anderen Justine Henin, die ihre Rückkehr in den Top-Tennissport ankündigte.

Erdbeben im belgischen Business

Zunächst Luc Vansteenkiste, dessen Verhaftung, nach einhelliger Meinung der Inlandspresse im belgischen Betriebsleben wie eine Bombe einschlug. Sein Insider-Delikt bestand darin, dass er der Brüsseler Finanzholding Bois Sauvage den Tipp gab, schnellstens die Fortis-Aktien zu verkaufen, wodurch ein Verlust von 14 Millonen Euro vermieden wurde. Vansteenkiste wusste nämlich, dass der Verkauf von Fortis unmittelbar bevorstand. Dazu heißt es in Het Nieuwsblad, der Verhaftete gehört zu den prominentesten Spitzenmanagern Belgiens. Der ehemalige Präsident des Unternehmerverbandes und Ex-Manager des Jahres sitzt in zahllosen Verwaltungsräten. Wenn er gestern in der Zelle landete, dann heißt dies, dass das Gericht seine Untersuchungen gründlicher und strenger als je zuvor in einem Delikt dieser Art zu führen gedenkt.
Het Laatste Nieuws spricht ebenfalls vom tiefen Fall eines unternehmerischen Halbgottes, der in der belgischen Geschäftswelt wie ein Erdbeben angekommen ist. Angeblich wird die Untersuchungshaft durch Verdunklungsgefahr gerechtfertigt. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass alle, die in die Angelegenheit verwickelt sein könnten, ein ganzes Jahr Zeit hatten, Spuren und Beweismaterial zu beseitigen. Sollte der Ex-Chef des belgischen Unternehmerverbandes sich tatsächlich versündigt haben, dann wohl weil hierzulande das sogenannte „Insider-Delikt“ bisher weitgehend geduldet wurde.
Het Belang van Limburg notiert im gleichen Kontext, das Sprichwort, dass Habsucht die Wurzel allen Übels ist, scheint sich in diesem Fall erneut zu bewahrheiten. Nicht nur Liebe sondern auch Geld macht nach wie vor manche Menschen blind.
De Standaard schreibt seinerseits, man darf gespannt sein, wie das Gericht die Untersuchungshaft Vansteenkistes rechtfertigen wird. Dafür muss es schon schwerwiegende Gründe geben, denn den Ruf eines Spitzenmanagers zu ruinieren, um ihm ein Geständnis abzuringen, gehört in einem Rechtsstaat nicht zu den gängigen Verfahrensweisen.

Ein Segen für den Tennissport

Aus erfreulicherem Anlass ist Justine Henin heute ebenfalls auf fast sämtlichen Titelseiten anzutreffen. Zu ihrem Comeback zum Spitzentennis heißt es in Le Soir, sie kommt zurück, wie sie im Mai vergangenen Jahres gegangen ist. Weder ihre Selbstdarstellung noch ihre Methode hat sich geändert. Beseelt ist sie nach wie vor von einem unerschütterlichen Willen zu Sieg und Erfolg. Hinzu kommt ein unglaubliches Talent, dass ihre zweite Kariere hoffentlich genauso erfolgreich macht, wie die erste.
Zum gleichen Thema notiert das Grenz-Echo, Justines Comeback ist ein Segen für den Tennissport im Allgemeinen und für den belgischen im Besonderen. Auf einen Schlag hat das Königreich mit ihr und Kim Clijsters wieder zwei Weltklasse-Sportlerinnen.

Sind Jugendrichter zu mild?

Verschiedene Zeitungen kommentieren die gestrige Verhaftung eines 19-Jährigen, der einen Hafturlaub aus der Jugendstrafanstalt nutzte, um seine eineinhalb jährige Tochter und deren Großmutter umzubringen.
La Libre Belgique zufolge melden sich jetzt zu Recht jene zu Wort, die im Jugendstrafvollzug mehr Strenge und weniger Rücksicht fordern. Trotzdem wollen die Verantwortlichen an ihrer bisherigen Vorgehensweise, mit der die jugendlichen Straftäter schrittweise in die Gesellschaft eingegliedert werden sollen, festhalten, weil diese Methode sich bislang als erfolgreich erwiesen hat. Kurzschlusshandlungen, wie die des 19-jährigen Doppelmörders, sind natürlich nie auszuschließen.
Gazet Van Antwerpen fordert ihrerseits die Jugendrichter auf, für ein besseres Gleichgewicht zwischen den Rechten der jungen Straftäter und denen ihrer Opfer und der Gesellschaft im Allgemeinen zu sorgen.

Sozialer Wohnungsbau auf dem Trockenen

Vers l’Avenir stellt auf seiner Titelseite fest, dass der soziale Wohnungsbau in der Wallonie finanziell zurzeit auf dem Trockenen liegt. Bereits seit Mitte Juni sind sämtliche Kredite gesperrt. Offenbar ist die äußerst günstige Finanzierung einer Sozialwohnung im wallonischen Landesteil Opfer ihres eigenen Erfolges geworden. Die Regierung in Namur will sobald wie möglich für neues Geld sorgen, was jedoch frühestens im November möglich sein wird.

Dirk Advocaat: Neuer Trainer der Roten Teufel

Abschließend noch ein Wort zum neuen Trainer der Roten Teufel, dem Holländer Dirk Advocaat. La Derniere Heure zufolge hat er bei seiner gestrigen Pressevorstellung einen starken Eindruck hinterlassen. Den Mann kennzeichnen Entschlossenheit, Charisma und Verantwortungsbewusstsein. Den belgischen Fußball will er auf jeden Fall zur Fußball-Europameisterschaft 2012 bringen.

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