Die Presseschau von Donnerstag, dem 20. August 2009

Die letzten Entwicklungen im jüngsten Justizskandal, die Verschuldung des belgischen Staates, oder anscheinend unnötige Ausgaben zur Ausrüstung von Grundschülern sind heute einige der Titelthemen in der Inlandspresse.

Richterin De Tandt bleibt – trotz zunehmenden Drucks

De Standaard macht mit dem Titel „De Tandt bleibt auf dem Posten“ auf und notiert, dass die Untersuchung der Korruptionsvorwürfe, denen sich die Vorsitzende Richterin des Brüsseler Handelsgerichts, Francine De Tandt, ausgesetzt sieht, begonnen habe; die Betroffene aber denke nicht daran, ihren Posten aufzugeben. Nachdem gestern noch auf höchster Ebene über das Untersuchungsverfahren beraten wurde, sei es jetzt nur noch eine Frage von Tagen, bis erste Schritte hierzu unternommen werden, schreibt das Blatt. Richterin De Tandt beabsichtige indes nicht, ihr Amt aufzugeben. Dies käme einem Schuldbekenntnis gleich, erklärt der Rechtsbeistand der Richterin. Seine Mandantin vertraue der gerichtlichen Untersuchungen und sei überzeugt, dass diese sie von jeder Schuld reinwaschen würden, zitiert De Standaard den Anwalt von Francine De Tandt.
De Morgen macht ebenfalls mit dem Thema auf und notiert, dass der Appellationshof derzeit nicht geneigt sei, Richterin De Tandt vom Dienst zu suspendieren. Damit verhalle der eindringliche Ruf von Justizminister De Clerck nach einer zumindest zeitweiligen Entfernung von De Tandt aus ihrem Amt. Stefaan De Clerck kann als Ressortchef selber keine Disziplinarmaßnahmen gegen einen Richter verordnen, dennoch hatte er auf solche gedrungen. Beim zuständigen Gericht hieß es hierzu, man wolle nicht überhastet vorgehen, schreibt De Morgen. Die betroffene Richterin De Tandt zitiert die Zeitung heute mit den Worten „Nur weil jemand versucht, mich zu vernichten, werde ich nicht zurücktreten.“ Die Richterin mache keine Anstalten, vorübergehend im Hintergrund zu verschwinden. Die von Justizminister De Clerck verfügte strafrechtliche Untersuchung stelle für sie kein Problem dar, so De Tandt.

Staatshaushalt erst 2016 wieder ausgeglichen?

Das Wirtschaftsblatt De Tijd macht mit der schwer wiegenden Staatsschuld Belgiens auf. Die derzeitige Wirtschaftskrise werde sich noch neun Jahre auf den Schuldenberg des Landes auswirken, schreibt das Blatt. Erst 2018 erreiche die Staatsschuld wieder das Niveau, auf dem sie 2007 gelegen habe. Einen Grund hierfür erkennt die Zeitung in der Hypothese, der zufolge der Staatsetat erst 2016 nach Jahren des Defizits wieder ausgeglichen werden kann. 2011 würde die Staatsschuld Belgiens nach Angaben von De Tijd mit 102 % des Bruttoinlandsprodukts einen Höhepunkt erreichen und ab dann wieder langsam sinken.

Mörder Horion missbilligt strengeres Gefängnisregime

Het Laatste Nieuws macht heute mit dem Serienmörder Freddy Horion auf, der Ende der 70er Jahre wegen sechsfachen Mordes ins Gefängnis ging. Der inzwischen 62-Jährige habe gerichtliche Schritte gegen seine Haftbedingungen unternommen, schreibt das Blatt. Seit sich Gefängnisausbrüche im Lande mehrten, würden seine Haftbedingungen immer strenger, klagt Horion, der nach eigene Angaben immer dann das Opfer des Strafvollzugs werde, wenn in hiesigen Gefängnissen etwas schief laufe. Für eine ganze Generation war Freddy Horion Ende der 70er Jahre wegen der von ihm verübten sechs Morde zum Inbegriff des Bösen geworden.

Pyromanen im Heu

Vers l’Avenir berichtet heute auf der Titelseite über die zahlreichen Brandstiftungen, die in der Provinz Wallonisch-Brabant zu verzeichnen sind. Die dort ihr Unwesen treibenden Pyromanen hätten es jetzt vornehmlich auf Heuballen abgesehen, die von den Bauern entlang der Straßen in den Feldern gelagert würden. Vor allem der Osten von Wallonisch-Brabant im Bereich Jodoigne und Perwez sei besonders betroffen, schreibt Vers l’Avenir.

Langfinger in Seniorenheimen

Gazet van Antwerpen weiß heute nicht nur zu berichten, dass es wieder besonders heiß wird, sondern informiert auch über die zunehmende Zahl von Diebstählen in Altenheimen. Jeden Tag vier Diebstähle in Seniorenheimen lautet der Titel auf Seite 1. Alleine in Flandern habe man im vergangenen Jahr über 1.200 solcher Delikte festgestellt. Dies seien 10 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Aus diesem Grund, so schreibt die Antwerpener Tageszeitung, hätten sich vielerorts die Direktionen von Alten- und Pflegeheimen zur Verpflichtung von Mitarbeitern der Wach- und Schließgesellschaften entschlossen.

Teure Einschulung

Le Soir macht heute mit den unverantwortlich hohen Kosten für die Ausrüstung von Grundschülern auf. 150 Euro pro Kind würden im Durchschnitt von den Eltern zu berappen sein, wenn ihr Sprössling im September bei der Einschulung über die nötige Ausrüstung an Büchern und Heften verfügen soll. Gleichzeitig, so schriebt die Brüsseler Tageszeitung sei unklar, ob der Schulanfang für Sekundarschüler billiger werde. Festhalten könne man jedenfalls, schreibt Le Soir, dass vieles, was für die einzuschulenden Kids angeschafft werden muss, teuer und oft wenig nachhaltig und umweltfreundlich sei. Besonders bedauerlich sei der Berg an Verpackungsmüll, den viele Ausrüstungsgegenstände für die Schule verursachen würden.

Hausärztemangel in Limburg

Het Belang van Limburg bringt den Mangel an Hausärzten in der Provinz auf die Titelseite. 20 limburgische Kommunen verfügten nicht über genügend Allgemeinmediziner, schreibt das Blatt.

Afghanistan: Wahlen in Angst

La Libre Belgique schließlich macht mit den heute beginnenden Präsidentschafts- und Provinzwahlen in Afghanistan auf. Wegen der Drohung der Taliban, die Wahlen zu sabotieren, sei der Urnengang von Angst überschattet, schreibt die Zeitung.

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