Die Presseschau von Mittwoch, dem 07. Januar 2009

Die winterlichen Minustemperaturen, der Nahostkonflikt im Gazastreifen, sowie Wirtschafts- und damit verbundene Kaufkraftfragen bilden heute die vornehmlichen Titelthemen der belgischen Inlandspresse.

Harter Winter für Obdachlose

„Tödliche Kälte in Belgien“, so die Balkenüberschrift von La Derniere Heure auf der Titelseite. Die Kälte habe zum Wochenbeginn auch hierzulande zugeschlagen und dazu geführt, dass all diejenigen, die sich um Hilfsbedürftige oder Obdachlose kümmern, alle Hände voll zu tun haben, um dort zu helfen, wo es am nötigsten ist. Für viele Obdachlose könnten die Minustemperaturen, so La Derniere Heure, zur Todesfalle werden. Gestern sei bei den Brüsseler Verkehrsbetrieben STIB eine Männerleiche in einem U-Bahntunnel gefunden worden. Nach Angaben der Gerichtsmedizin waren zwar die winterlichen Temperaturen nicht direkt schuld am Tode de Mannes, doch die Zeiten für all diejenigen, die derzeit kein Zuhause haben, wo sie sich aufwärmen können, seien hart, so die Zeitung.
Auch Vers L’Avenir titelt heute auf Seite 1 „Obdachlose Opfer der Kälte“. Das Blatt berichtet, dass trotz der Temperaturen unter dem Gefrierpunkt in einigen wallonischen Großstädten Plätze in Notunterkünften für Obdachlose frei bleiben, weil einige der Personen ohne festen Wohnsitz es trotz eisiger Kälte vorziehen, anderswo die Nacht zu verbringen. Nach Angaben einiger Obdachloser könne man sich an die Kälte gewöhnen, selbst wenn man nach einiger Zeit die Hände nicht mehr spüre. Darüber hinaus sei die Bösartigkeit einiger Passanten in Städten ein größeres Übel als die Minustemperaturen.

Schwierige humanitäre Lage in Gaza

De Morgen macht heute mit dem anhaltenden Konflikt im Gazastreifen auf. „Blutbad in UN-Schule“ lautet die Schlagzeile hierzu. Die Zahl der getöteten Zivilisten seit Beginn der israelischen Offensive gegen die Hamas im Gazastreifen steige rasch, so De Morgen. Allein beim israelischen Angriff auf eine durch die Vereinten Nationen geführte Schule seien gestern mindestens dreißig Personen ums Leben gekommen. Derweil bemühten sich immer mehr Politiker in aller Welt, die Konfliktparteien zu einem Waffenstillstand zu bewegen. Neben dem französischen Präsidenten Sarkozy habe sich jetzt auch der kurz vor der Amtseinführung stehende neue US-Präsident Obama sehr besorgt über die Situation in Gaza geäußert. Unterdessen habe Belgien 500.000 Euro für eine Nahrungsmittelhilfe im Kampf gegen die humanitäre Krise im Gazastreifen freigemacht.
Auch De Standaard macht mit dem Angriff Israels auf die von den Vereinten Nationen betriebene Schule in Gaza auf. Israel, so De Standaard, verteidige den Angriff und erkläre, dass aus der näheren Umgebung der Schule Mörsergranaten abgefeuert worden wären, verspräche aber gleichzeitig eine Untersuchung des Vorfalls. Unterdessen seien die Krankenhäuser im Gazastreifen nicht mehr in der Lage, den Anstrom und die Versorgung der zahlreichen Verletzten zu bewältigen. Überdies seien viele der nötigen Medikamente aufgebraucht. In Ägypten stünden derweil Ärzte mit ihrer Ausrüstung zur Hilfe bereit, könnte aber bislang nicht nach Gaza einreisen. Unter dem steigenden internationalen Druck habe Israels Premier Olmert allerdings jetzt angekündigt, einen humanitären Korridor nach Gaza öffnen zu wollen.

Sinkende Inflation stärkt Kaufkraft

Das Wirtschaftsblatt De Tijd macht heute mit der sinkenden Inflationsrate und einer dadurch bedingten Stärkung der Kaufkraft in Belgien auf. Wegen der stark verbilligten Erdölprodukte dürfte die Teuerungsrate hierzulande im Juni zum ersten Mal seit 48 Jahren unter Null sinken. Das würde zu einer Steigerung der Kaufkraft hiesiger Haushalte führen. Doch nicht nur in Belgien, sondern europaweit gehe die Inflation dieses Jahr deutlich zurück. Das wiederum würde für Druck auf die Europäische Zentralbank sorgen, in der kommenden Woche erneut die Leitzinsen deutlich zusenken.

Gelegenheiten auf dem Automarkt

Le Soir schlussfolgert aus der augenblicklichen Wirtschaftssituation, dass der Zeitpunkt; einen Neuwagen zu kaufen, kaum günstiger sein könnte. Da die Autobranche voll von der Wirtschaftskrise erwischt wurde, würden Schnäppchen bei Autohändlern immer häufiger. Französische und italienische Autobauer kündigten kurz vor Beginn des Brüsseler Autosalons für Nutzfahrzeuge Preisnachlässe von 10 bis 35% an. Auch besonders günstige Finanzierungskonditionen gehörten in den Maßnahmenkatalog, mit dem die Automobilbranche ihren Absatz wieder ankurbeln will.

Secondhand-Gewehre von Gesetzeshütern?

Het Laatste Nieuws berichtet heute auf der Titelseite über Untersuchungsverfahren, die landesweit gegen Polizeibeamte laufen, die nach der Novellierung des Waffengesetzes und den darauf folgenden Einsammelaktionen die kostbarsten Waffen zurückgehalten und anschließend verkauft haben sollen. Einige der Gewehre sollen für Preise um die 12.000 Euro von den Polizisten veräußert worden sein.

Starenkästen – kaputt aber wirkungsvoll

Gazet Van Antwerpen und Het Belang Van Limburg schließlich informieren heute über die unzulängliche Funktionstüchtigkeit automatischer Radarfallen. Ungefähr 20% dieser Geräte seien zeitweise außer Betrieb. Entweder sei keine Kamera in den Starenkästen, fehle der Film oder funktioniere die Radarfalle nach mutwilligen Beschädigungen ganz einfach nicht mehr. Die Polizei sorge sich derweil wenig um diese Defekte: Sie stelle allein durch die Präsenz gut sichtbarer Radarfallen ein defensiveres Fahrverhalten unter den Verkehrsteilnehmern fest.

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