Die Presseschau von Samstag, dem 22. November 2008

Die Kredit- und Wirtschaftskrise, der Streit zwischen MR und PS und der Wintereinbruch sind heute einige der beherrschenden Themen in den Zeitungen.

Belgier wird erster europäischer Kommandant der ISS

Nur in De Morgen schaffte es die Nominierung des belgischen Astronauten Frank de Winne zum Kommandanten der Internationalen Raumstation ISS auf die Titelseite. „Frank De Winne wird der Boss im All und schreibt als erster europäischer ISS-Kommandant damit Raumfahrtgeschichte“, schreibt die Zeitung.

Auch im Grenz-Echo ist ein Karrieresprung das Titelseitenthema Nummer 1. „Zum 1. Januar wird der ehemalige grüne Gemeinschaftsminister Hans Niessen erster Direktor der Euregio Maas-Rhein.“

Ein bisschen Winter

Vers L’Avenir befasst sich auf Seite 1 gleich zweimal mit den Problemen, die der Winter mit sich bringt. Im Winter steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche um ein Viertel, weil die Diebe die lang anhaltende Dunkelheit nutzen. Und gestern wurden Reifenservicecenter und Werkstätten von Autofahrern überrannt, die noch schnell Winterreifen aufziehen lassen wollten.
Auch La Dernière Heure widmet dem Wintereinbruch eine Doppelseite und stellt fest, dass Schnee im November noch keine Weiße Weihnacht bedeutet.

Die Krise

La Libre Belgique veröffentlicht heute ein ausführliches Dossier über die Hintergründe der Kreditkrise, die den Großbanken Fortis und Dexia zum Verhängnis wurde. Was geschah wirklich hinter den Kulissen, das recherchierte die Zeitung.

„Finanzkrise erreicht InBev“ ist die Schlagzeile in De Tijd. Nach Gerüchten, dass InBev eine Kapitalerhöhung plane, um die Fusion mit Anheuser Busch zu finanzieren, verlor die InBev-Aktie gestern 16 % ihres Wertes.

Het Laatste Nieuws macht im Leitartikel die Entschlusslosigkeit der Föderalregierung für die schlechte Stimmung bei den Konsumenten verantwortlich. Der Regierung fehlt der Wille, um Geld in die Wirtschaft zu pumpen.

L’Echo befasst sich im Kommentar mit den Folgen der Krise: Wenn nicht bald wichtige Entscheidungen getroffen werden, wird es noch Jahre dauern, bis das internationale Kredit- und Bankensystem wieder seine Glaubwürdigkeit zurückgewonnen hat.

Het Laatste Nieuws bringt in diesem Zusammenhang eine optimistische Note: Die Banken stellen noch immer neues Personal ein. Trotz Krise sucht zum Beispiel KBC noch 500 neue Mitarbeiter. Und auch bei ING müssen 200 bis 300 Stellen neu besetzt werden.

Di Rupo schießt scharf

De Standaard und Le Soir sprachen ausführlich mit dem PS-Vorsitzenden Di Rupo. „Reynders und die MR wollen den Staat zerstören“, zitiert Le Soir den PS-Vorsitzenden. De Standaard zitiert Di Rupo mit dem Satz: „Leterme muss eingreifen, das Gezänk innerhalb der liberalen Familie zwischen De Gucht, Michel und Reynders muss aufhören.“ Im Kommentar schreibt die Zeitung: „Elio Di Rupo schießt scharf auf seine Koalitionspartner.“ Das beweist wieder einmal, dass diese Mehrheit nur auf dem Papier besteht. Schuld sind natürlich die bevorstehenden Wahlen des kommenden Jahres und das damit verbundene Bedürfnis, sich zu profilieren.

MR kritisiert Lizin

Der Konflikt zwischen PS und MR spitzt sich weiter zu. In Huy fordert die MR die PS auf, Bürgermeisterin Lizin fallen zu lassen, schreiben Le Soir und La Libre Belgique auf Seite 1. Die umstrittene Bürgermeisterin sieht hierin nur ein Vorzeichen des Wahlkampfs. La Libre Belgique befasst sich im Leitartikel mit der Position der sozialistischen Bürgermeisterin Anne-Marie Lizin, die sich mit ihrem liberalen Koalitionspartner verkracht hat: Die Liste der Fehltritte von Frau Lizin ist beeindruckend, kommentiert das Blatt. Auch in ihrer eigenen Partei hat sie das Vertrauen verloren. Unklar ist aber, was das alles den Bürgern von Huy konkret bringen soll.

Machtzentren der Welt werden sich verschieben

Le Soir und De Tijd kommentieren einen Bericht der amerikanischen Nachrichtendienste. Demnach werden in zwanzig Jahren weltweit völlig neue Machtverhältnisse gelten. Dann werden China und Indien das Sagen haben. Die USA verlieren an Einfluss, und auch Europa wird sich sehr anstrengen müssen, um international noch eine Rolle zu spielen, meint De Tijd. Le Soir kommentiert in diesem Zusammenhang das europäische Modell der sozialen Marktwirtschaft, das in den USA jetzt auch Obama kopieren will und das in Zukunft unter Druck stehen wird. In den neuen Machtzentren setzt man nämlich auf einen sozial nicht regulierten Kapitalismus ohne demokratische Kontrolle.

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