Die Presseschau von Dienstag, dem 18. November 2008

Düstere Aussichten und schlechte Nachrichten zur derzeitigen Wirtschaftslage, das gerichtliche Nachspiel zum Verkauf des Bankversicherers Fortis und befürchtete Arbeitsplatzverluste wegen schlechter Konjunkturlage.

Urteilsspruch

Mehrere Zeitungen berichten heute auf Seite 1 über das erwartete Urteil im Rechtsstreit zur Aufspaltung und zum Verkauf von Fortis an die französische PNB Paribas. Der Titel in La Libre Belgique hierzu lautet: „Fortis: Richterin entscheidet um 14 Uhr“.

Die Überschrift im Wirtschaftsblatt L’Echo: „Die Aktionäre warten“. Das Handelsgericht sei jetzt am Zuge. Das Blatt fragt sich, ob die vorsitzende Richterin den Anträgen der Kläger (also der Minderheitsaktionäre) folgen werde und ob sie dem Einfluss von Premierminister Leterme widerstehe. Leterme hatte kürzlich gedroht, die finanzielle Unterstützung des belgischen Staates für Fortis zurückzuziehen, wenn das kritisierte Vorgehen beim Verkauf von Fortis nachträglich einer Abstimmung der Hauptversammlung der Anteilseigner vorgelegt werden sollte. In Erwartung des Urteilsspruchs am Nachmittag werde die Börsennotierung von Fortis vorübergehend ausgesetzt.

Sorgenreiche Konjunkturlage

De Standaard macht heute mit den ernsten Sorgen vieler Wirtschaftskapitäne auf, denen die derzeitige Situation arges Kopfzerbrechen bereite. Die Bosse von 47 großen europäischen Betrieben würden die Politiker zu koordinierten Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft drängen. Denn eine so rasante Verschlechterung der Konjunkturlage, wie sie in den letzten Monaten zu beobachten war, hätten diese Unternehmensleiter noch nie erlebt. Sie sprächen deshalb auch von einer äußerst gefährlichen Entwicklung.

Vor allem die Probleme der Betriebe, noch Kredite zu erhalten oder bei den Banken bestehende Darlehen zu verlängern, würden große Sorgen bereiten. Die 47 Unternehmensspitzen beschäftigen in ihren Betrieben in Europa, verteilt über 18 EU-Staaten, gut 4,5 Millionen Arbeitnehmer.

Auch De Tijd bringt das Drängen der Industrie auf einen Aktionsplan gegen die Wirtschaftskrise auf die Titelseite. Dieses Blatt notiert, dass die Betriebe zumindest von Seiten der europäischen Investitionsbank mit neuen zinsgünstigen Krediten rechnen können. Diese Bank wolle als Speerspitze eines Aktionsplans gegen die schlechte Konjunkturlage jährlich 10-15 Milliarden Euro für zusätzliche Darlehen, insbesondere an Unternehmen, die im Umwelt- und Energiebereich investieren, bereitstellen.

Zwangsurlaub wegen Wirtschaftslage

Het Laatste Nieuws sieht bereits schlimme Folgen für die Beschäftigungslage durch den Konjunkturabsturz kommen. Belgiens auflagenstärkste Zeitung titelt hierzu „Weihnachten zehntausende Arbeitslose“. 30.000-40.000 Beschäftigte müssten wegen konjunkturbedingter Arbeitslosigkeit infolge der Krise in Kürze gezwungenermaßen zuhause bleiben. Im besten Fall können sie mit zwei Dritteln ihres normalen Einkommens rechnen.

Tausende von Angestellten würden verpflichtet, ihren Resturlaub abzufeiern. Für viele bedeute ein Einkommensverlust von gut 1000 Euro zum Jahresende eine harte Nuss. Deshalb, so berichtet die Zeitung, würden wohl gut und gerne 150.000 Belgier den geplanten Ferienaufenthalt im Ausland zu Weihnachten oder zur Jahreswende streichen.

Spielzeugbranche weiter im Aufwind

Der Krise entkommen würde hingegen nach Angaben von Het Nieuwsblad der Nikolaus. Trotz anhaltender Finanzkrise würde der Durchschnittsbelgier jährlich bis zu 339 Euro pro Kind für Spielsachen ausgeben. Der Trend zu höheren Ausgaben für die Kleinen sei nicht nur in Belgien abzulesen. Jüngsten Untersuchungen zufolge kann die Spielzeugbranche in Europa in den letzten Jahren Umsatzsteigerungen bis zu 10% verzeichnen. Zu Nikolaus, zu Weihnachten, oder zur Jahreswende macht die Spielzeugbranche immer noch 60% ihres Jahresumsatzes.

Exklusivinterview

De Morgen macht heute mit einem Exklusivinterview, das die Zeitung mit Karel De Gucht geführt hat, auf. Darin äußert dieser scharfe Kritik an seinem Ministerkollegen für Entwicklungszusammenarbeit, Charles Michel. De Gucht beschreibt das Vorgehen von Charles Michel als unloyal und ineffizient.

Der Außenminister bezieht sich dabei auf Michels Dienstreise nach Kinshasa, von der der französischsprachige Liberale eine Botschaft des kongolesischen Präsidenten Kabila mitbrachte, um zur Normalisierung der belgisch-kongolesischen Beziehungen überzugehen. Michel hatte gleichzeitig aber erklärt, dass Karel De Gucht, der wegen seiner scharfen Kritik an Kongos Staatsoberhaupt für die gestörten Beziehungen zwischen Brüssel und Kinshasa verantwortlich gemacht wird, beim Lösen der Krise mit dem Kongo keine Rolle spielen könne.

Poelvoorde im Krankenhaus

La Derniere Heure erscheint heute in einem neuen, äußerst kompakten Format erscheint, das nur wenig größer als eine Din- A4 Seite ist. Die „DH Les Sports“ berichtet über die Einweisung des Schauspielers Benoit Poelvoorde in ein Krankenhaus, nachdem der Schauspieler infolge eines Verkehrsunfalls in Namur vorläufig festgenommen worden war. Bereits im April war Poelvoorde wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss zu einem Bußgeld verurteilt worden. Der erfolgreiche Schauspieler kämpft seit gut einem Jahr mit psychischen Problemen.

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