Die Presseschau von Donnerstag, dem 13. November 2008

Die meisten Tageszeitungen befassen sich auch heute wieder mit der nach wie vor schwelenden Finanzkrise und insbesondere mit den Ereignissen um die Fortis-Gruppe.

Die Finanzkrise ist noch nicht vorbei. Darin sind sich die Zeitungen einig. Die Börsen haben gestern einen neuen Rückschlag erlebt, bemerkt etwa De Tijd. Ursache: der amerikanische Finanzminister Paulson hat die Zielsetzung des nach ihm benannten Rettungsplans geändert. Bislang waren die 700 Milliarden Dollar einzig und allein dazu bestimmt, Ramschkredite aufzukaufen. Jetzt wollen die USA plötzlich einen Teil des Geldes direkt in Geldinstitute stecken. Als Reaktion auf diese Kursänderung verloren die Börsen weltweit an Boden. Allein der Dow Jones sackte um 5% ab.

Belgien bleibt nicht verschont

„Die belgischen Banken stehen erneut schwer unter Druck“, titelt heute De Morgen. Als Folge der Schockwelle aus den USA hatten KBC, Dexia und Fortis erneut mit schweren Kursverlusten zu kämpfen. Allein die KBC-Aktie büßte 15% innerhalb von zwei Tagen ein. Auch für Dexia ist die Entscheidung des US-Finanzministers eine schlechte Neuigkeit, notiert De Morgen. Jetzt wird es für die amerikanische Dexia-Tochter FSA fast unmöglich, in den Genuss einer staatlichen Hilfe zu kommen. Die Dexia-Spitze muss jetzt schnell eine Lösung für FSA austüfteln.

Auch in der Fortis-Akte gibt es neue Entwicklungen, die für die Regierung nicht immer positiv ausfallen. La Libre Belgique sieht auf seiner Titelseite den belgischen Staat „auf Messers Schneide“. Zum einen sind Yves Leterme und seine Regierung jetzt im Fadenkreuz der Europäischen Kommission. Die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes bezeichnete Leterme als Lügner und wartet zudem auf nähere Einzelheiten über den belgischen Rettungsplan für Fortis. Am Ende muss ja die EU-Kommission über die Rechtmäßigkeit der Aktion befinden.

Außerdem hängt ja noch das Verfahren vor dem Brüsseler Handelsgericht wie ein Damoklesschwert über der Regierung. Dabei wollen Fortis-Anleger eine Aussetzung des Verkaufs der Fortis-Bank an die französische BNP-Paribas erwirken. Und die Kläger haben jetzt mit dem größten Fortis-Aktionär, dem chinesischen Versicherer Ping An einen neuen, wichtigen Verbündeten, bemerkt dazu L’Echo. Ping An verfügt immerhin über fast 5% der Fortis-Aktien und schließt sich jetzt der Klage an.

La Derniere Heure spricht in diesem Zusammenhang von einem Paukenschlag. Nicht nur, dass Leterme im Fadenkreuz der EU-Kommission ist, jetzt greifen auch noch die Chinesen an.

Doch auch Letermes Kollege, Außenminister Karel De Gucht, steht in diesen Tagen unter Beschuss. Ihm wird bekanntlich vorgeworfen, seine Frau vor der bevorstehenden Zerschlagung der Fortis-Gruppe gewarnt zu haben. Sie habe dann kurz vor Zapfenstreich noch schnell ihre Fortis-Aktien verkauft. Gestern stellte sich De Gucht in dieser Angelegenheit den Fragen der Parlamentarier. Die meisten Zeitungen attestieren ihm einen überzeugenden Auftritt.

Kann De Gucht im Amt bleiben?, fragt sich Le Soir. Die Antwort: im Augenblick ja. Schließlich gilt die Unschuldsvermutung. Allerdings ist De Gucht ein Insider-Geschäft nur schwer zu beweisen. Niemand kann wissen, was De Gucht seiner Frau nun gesagt hat, und was nicht. Doch macht das aus dem Außenminister nicht automatisch einen Schuldigen. Ohnehin ist er bereits jetzt bestraft, da seine Glaubwürdigkeit unter der Affäre arg gelitten hat.

In diesem Zusammenhang prangert Het Laatste Nieuws die Haltung gewisser Medien an. In diesem Land gilt die Unschuldsvermutung offensichtlich für jeden, nur nicht für Politiker. Einige Journalisten sind wie selbstverständlich von der Schuld De Guchts ausgegangen. Hier sind die Rollen vertauscht: Der Politiker muss beweisen, dass er unschuldig ist. Fazit: Es reicht ein anonymer Brief, um einem Politiker zu schaden. Und selbst wenn er freigesprochen wird, heißt es dann immer noch, dass der Freispruch wohl aus Mangel an Beweisen erfolgt ist. Wer hat da noch Lust, sich politisch zu engagieren?

Apropos Finanzkrise

In Het Nieuwsblad glaubt ein Professor aus Gent, die Ursache für das Debakel an den Finanzmärkten ausgemacht zu haben: Es ist ganz einfach Testosteron, also das männliche Geschlechtshormon. Testosteron verleitet Männer dazu, Risiken einzugehen. Der typische männliche Manager kennt nur eine Maxime: Er will noch größer werden, er will noch mehr Gewinne machen. Wer nicht mitmacht, der wird zum Verlierer gestempelt.

Vers l’Avenir weiß auf einer Titelseite von einem anscheinend typisch belgischen Phänomen zu berichten. Während in der ganzen Welt die Zahl der Ladendiebstähle zurück geht, ist in Belgien die Tendenz steigend. Die finanziellen Auswirkungen der Ladendiebstähle auf den Umsatz sind hierzulande um 2,2% gestiegen. Der Schaden beläuft sich insgesamt auf 770 Millionen Euro.

Gazet van Antwerpen und Het Belang van Limburg schließlich warnen vor gefährlichem Kinderspielzeug. Getestet wurde Spielzeug, das Töne oder Geräusche von sich gibt. In neun von zehn Fällen können diese Geräte bei Kleinkindern unter Umständen bleibende Hörschäden verursachen.

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