Die Presseschau von Montag, dem 10. November 2008

Zahlreiche Berichte der Inlandspresse befassen sich heute in der einen oder anderen Form mit der derzeitigen Finanzkrise und ihren Folgen.

Le Soir lässt dazu den wallonischen Ministerpräsidenten Demotte zu Wort kommen, der Premierminister Leterme auffordert, so rasch wie möglich zu handeln, und die Antwort auf die Auswirkungen der Finanzkrise, die sich auch für die Unternehmen zunehmend negativ bemerkbar macht, nicht allein den Regionen zu überlassen. Zur Rettung von Arbeitsplätzen, so Demotte in dem Interview, müsse man die ideologischen und zwischengemeinschaftlichen Gegensätze überbrücken. Diesbezüglich gibt es auch einen Seitenhieb für die frankophonen Liberalen, die gewisse notwendige Entscheidungen in der Föderalregierung angeblich blockieren, weil sie in der wallonischen Region nicht mit am Ruder sind.

Vorgezogener Winterschlussverkauf

Auch in den Geschäften machen sich die finanziellen Schwierigkeiten, die die Krise für zahlreiche Landsleute mit sich bringt, inzwischen bemerkbar. Um nicht verkaufte Ware loszuwerden, werden vor allen Dingen Kleidungsartikel zurzeit mit deutlichem Rabatt von bis zu 50% angeboten, so ist in La Derniere Heure nachzulesen. Die Zeitung spricht diesbezüglich von einem vorgezogenen Winterschlussverkauf. Wer davon profitieren möchte, sollte sich allerdings beeilen, denn länger als eine bis anderthalb Wochen dürfte diese Reklameaktion, für die sich anscheinend auch viele Jugendliche interessieren, nicht dauern.

Auch Immobilien günstiger zu haben

Het Nieuwsblad beleuchtet eine andere Folge der Krise, nämlich den schleppenden Geschäftsgang auf dem Immobilienmarkt. Weil es zurzeit besonders schwierig ist, Häuser oder Wohnungen an den Mann zu bringen, hat man in den letzten Wochen eine deutliche Verringerung der Preise festgestellt. Hinzu kommt noch, dass die Kredite für Baudarlehen wieder günstiger werden. Aufgrund dessen fragt die Zeitung sich, ob für Kaufinteressenten jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist, zuzuschlagen.

Krise verdrängt Gerangel um belgische Spaltung

De Standaard stellt fest, dass die Finanzkrise die gemeinschaftspolitischen Probleme des Landes entschieden in den Hintergrund gedrängt hat. Plötzlich scheint sich der belgische Staat als nützliches Auffangnetz zu erweisen, so dass man sich fragen muss, ob die heiß geführte Diskussion über das Für und Wider einer Spaltung des Landes vielleicht ein Luxusproblem war. Sollte die Krise sich verschärfen, werden wir Belgien wahrscheinlich noch mehr als einen Staat schätzen lernen, der für Gerechtigkeit und Solidarität steht. Schade, dass es erst faustdick kommen muss, bevor man hierzulande zu dieser Einsicht gelangt.

Außenminister in der Zwickmühle

Verschiedene Zeitungen sprechen von einem immer größer werdenden Druck auf Außenminister De Gucht, dem vorgeworfen wird, er habe vor dem Verkauf von großen Teilen der Fortis-Gruppe sein Insiderwissen an seine Frau weitergegeben, die daraufhin noch grade rechtzeitig 2.000 Fortisaktien verkauft hatte. De Gucht weist diesen Vorwurf zwar zurück, doch wird inzwischen in dieser Angelegenheit auch gerichtlich ermittelt. La Libre Belgique geht davon aus, das es zwar schwierig sein wird, dem Außenminister einen Fehler nachzuweisen, doch werde es für ihn genau so schwer sein, sich zu verteidigen und gleichzeitig sein Amt weiter auszuführen. Genau dies betonte auch gestern Finanzminister Reynders, der damit nach Ansicht der Zeitung seinen Kollegen zwar nicht zum Rücktritt drängt, wohl aber das Tor zum Austritt aus der Regierung für ihn schon mal geöffnet hat.

Flämische Liberale sollten Farbe bekennen

Het Laatste Nieuws behandelt in seinem Kommentar die tief gesunkene Glaubwürdigkeit der Politik. Typisch dafür ist das Verhalten der flämischen Liberalen, die mitregieren, obwohl sie diese Regierung in dieser Form nicht gewünscht haben und Premierminister Leterme kaum unterstützen. Statt den Hut zu nehmen und in die Opposition zu gehen, bleibt die VLD zwar in der Regierung, lässt jedoch kaum eine Gelegenheit aus, zu sagen, dass diese nichts taugt.

Neues Programm

Das Grenz-Echo berichtet ausführlich über die Erarbeitung eines neuen Grundsatzprogramms bei den deutschsprachigen Christlichsozialen unter dem Titel, die CSP will Menschen bewegen, aber keinen Populismus. Sie bleibt eine Volkspartei und eine Partei der Mitte mit christlichen Grundwerten.

Waffenstillstand und Ostkantone

Vers L’Avenir berichtet in Anlehnung an das morgige Waffenstillstandsfest über den Ersten Weltkrieg und befasst sich diesbezüglich auch mit dessen Folgen für die Ostkantone, die laut Versailler Vertrag Belgien angegliedert wurden, jedoch in den ersten Jahren im wahrsten Sinne des Wortes wie eine Kolonie verwaltet wurden.
Nächste Grippewelle kommt bestimmt

Abschließend noch ein Blick auf Gazet Van Antwerpen, die daran erinnert, dass eines bestimmt kommen wird, nämlich die Grippewelle des nächsten Winters. Wer sich gezielt davor schützen will, der sollte sich jetzt, insbesondere wenn er über 65 ist, dagegen impfen lassen.

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