Die Presseschau von Samstag, dem 25. Oktober 2008

Krise und kein Ende in Sicht, zu dieser Schlussfolgerung veranlasst ein Blick auf die Titelseiten.

Börsen-Talfahrt

„Der Bel-20 ist wieder auf dem Stand von vor fünf Jahren“ titelt L’Echo. In den vergangenen Wochen verlor der belgische Aktienindex ein Drittel seines Wertes.

„Börsenkrise total“, so bringt es Het Nieuwsblad auf den Punkt. Alle europäischen Börsen verloren gestern furchteinflößend an Wert. Die Wall Street bleibt am Montag wahrscheinlich geschlossen.

„Die Anleger bluten“ heißt es in De Standaard. Die sich abzeichnende wirtschaftliche Rezession fordert erste Opfer. Gute Nachrichten sind vorerst nicht zu erwarten.

KBC: Nun auch betroffen?

„Auch KBC wackelt“, das ist in De Morgen die Schlagzeile. Die Allfinanzgruppe verlor am Freitagmorgen 30% ihres Aktienwertes, konnte sich aber bis zum Börsenschluss auf -7% erholen. „KBC: muss der Staat helfen?“ fragt La Libre Belgique.

„Staatsgarantie oder Kapitalinjektion, am Wochenende wird auf höchster Ebene über KBC verhandelt“, so fasst es De Tijd zusammen, und Le Soir scheint bereits zu wissen: „KBC bittet den Staat um 3,5 Milliarden“. Der flämische Bankversicherer will die Märkte bis Montag beruhigen und braucht deshalb eine staatliche Kapitalspritze, meint die Brüsseler Tageszeitung.

Auch in den Kommentaren ist die Krise allgegenwärtig.

Es gibt keine guten Nachrichten mehr, kommentiert De Standaard. Die Bankenkrise hat sich jetzt zu einer Wirtschaftskrise ausgewachsen. Es droht die Rezession. Ironisch genug wird KBC bestraft, weil das Finanzinstitut bisher nicht beim Staat anklopfte.

Keine Finanzspritze zu brauchen, scheint mittlerweile ein Risikofaktor und kein Zeichen von Stärke zu sein. Falls der Staat auch bei KBC eingreift, werden alle vier belgischen Großbanken auf die eine oder andere Art und Weise staatlich subventioniert. Wer das vor einem halben Jahr prophezeit hätte, wäre ausgelacht worden, meint De Standaard.

Bankenkrise erreicht Wirtschaft

Wir leben in wahnsinnigen Zeiten, so der Leitartikler von De Tijd. Die Kreditkrise hat inzwischen die gesamte Wirtschaft erreicht und mit vernünftigen Argumenten hat das alles nichts mehr zu tun. Es wird dauern, bis sich die Lage wieder entspannt.

Inzwischen haben sich aber viele Anleger von der Börse verabschiedet. Sie müssten aber einsehen, dass Aktien mehr sind als eine reine Investition. Mit dem Erwerb von Aktien wird man auch zum Miteigentümer eines Unternehmens. Und das bedeutet, dass man die Hochs und Tiefs dieses Unternehmens mit in Kauf nehmen muss.

Ähnlich sieht das L’Echo. Ein Aktionär investiert in ein Unternehmen, weil er diesem und seinem Management vertraut. Wenn dieses Unternehmen in unruhiges Wasser gerät, muss er auch bereit sein, es zu verteidigen, meint L’Echo.

La Libre Belgique kommentiert, in diesen bangen Zeiten heißt es, einen kühlen Kopf bewahren. In Europa hat erst jedes Land alleine versucht, mit eigenen Mitteln das Beste für sich aus dieser Krise zu machen. Inzwischen begreifen die Europäer aber, dass sie gemeinsam stärker sind und so strukturelle Maßnahmen zur Rettung des internationalen Finanzwesens ergreifen können. Auch die USA und Asien scheinen jetzt einzusehen, dass eine globale Mobilisierung gefordert ist.

Lüttich: Erste Folgen der Krise

Le Soir kommentiert eine der konkreten Folgen der aktuellen Krise: Der Hochofen Nr. 6 von Cockerill in Seraing, der erst vor acht Monaten mit erheblichem Aufwand wieder einsatzbereit gemacht worden ist, muss jetzt erneut stillgelegt werden. Der Grund: Sein Eigentümer, der Stahlmulti Arcelor Mittal ist eines der großen Opfer der Börsenkrise und will jetzt mit dieser Maßnahme ein positives Signal abgeben. Für die Lütticher Region und für die betroffenen Arbeiter bedeutet dies, dass ihre anfängliche Hoffnung wieder einmal betrogen wurde. Sie müssen sich erneut den Wünschen des Großkapitals anpassen.

Unterdessen wollen die Gewerkschaften bei den kommenden Tarifverhandlungen vor allem höhere Löhne durchsetzen, kommentiert Het Nieuwsblad.

Der Leitartikel hat hierfür kein Verständnis. Höhere Löhne führen unweigerlich zum Stellenabbau. Jetzt können nur vorsichtige Tarifabschlüsse Arbeitsplätze retten. Das Geld ist alle. Wir alle müssen uns mit dieser neuen Realität abfinden.

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