Die Presseschau von Samstag, dem 18. Oktober 2008

Die Versicherungsgesellschaft Ethias steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte, Premier Leterme kündigt umfassende Maßnahmen zur Verhinderung einer Wirtschaftskrise an und die cdH-Präsidentin Milquet möchte, dass die Atomkraftwerke länger als geplant am Netz bleiben.

„Jetzt steckt auch Ethias in den Problemen“, titelt Het Laatste Nieuws. „Ethias sucht 1,5 Milliarden Euro und braucht vielleicht sogar 3 Milliarden“, erfahren wir in Vers l’Avenir. De Tijd bringt als Schlagzeile: „Ethias Generaldirektor verursacht Panik bei den Sparern“. Beunruhigte Kunden wollten gestern massiv ihr Erspartes abheben, schreibt Het Nieuwsblad. „Rettungssuche für Ethias“ titelt De Morgen. Generaldirektor Burton wurde nach dem Unheilsbericht entlassen, der für die Panik sorgte. „Die Regionen am Krankenbett von Ethias“ heißt es in L’Echo. Gazet van Antwerpen titelt, „Die Gemeinden retten Ethias“.

Dumm, dümmer am Dümmsten, so umschreibt Het Nieuwsblad im Kommentar das Interview des entlassenen Ethias-Generaldirektors über eine dringende Kapitalerhöhung von 1½ Milliarden Euro. Wer in einer verantwortlichen Position ist, muss in Krisenzeiten ganz besonders darauf achten was er sagt. Die Grundregel einer effizienten Kommunikation ist: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Es ist kaum verständlich, dass in den jetzt noch Managern solche Fehler unterlaufen.

De Tijd kommentiert das Engagement von Premier Leterme für die belgischen Kunden der isländischen Kaupthing Bank. Leterme hat sich mit seinem Versprechen, kein belgischer Sparer werde sein Geld verlieren, auf glattes Eis gewagt. Bei Kaupthing sind die Grenzen der Freizügigkeit erreicht. Jetzt soll der belgische Steuerzahler in eine isländische Bank mit einer Luxemburgischen Tochter investieren, nur um die Guthaben der belgischen Sparer zu retten. Hier muss die Lösung ein europäischer Garantiefonds sein. In der EU müssen alle Sparer dieselben Garantien für ihr Erspartes einfordern können.

Auch Gazet van Antwerpen meint in diesem Zusammenhang: Der Fall Kaupthing belegt, dass Europa wieder gefordert ist. Für die Banken gibt es inzwischen keine Grenzen mehr, deswegen muss der Schutz der Sparer auch europäisch organisiert werden.

Het Laatste Nieuws kommentiert die anhaltende Krise an den internationalen Börsen. Man erhält den Eindruck, dass die Börse nach der Panikphase jetzt in den Händen der Finanzmafia ist. Vor einem Jahr lebten die Anleger über ihre Verhältnisse, heute liegen die Aktienkurse weit unter dem Wert. Die Lage ist nicht nur ungesund, sondern verdächtig und jetzt reicht es. Falls sich nichts tut, muss der Staat den Börsenhandel 3 Monate lang stilllegen und abwarten bis sich seriöse Veränderungen ergeben haben, glaubt Het Laatste Nieuws.

Das Grenz-Echo schreibt auf der Titelseite, jeder siebte gilt in Belgien als Arm. Das wurde am Tag gegen die Armut bekannt. Dazu meint La Libre Belgique im Kommentar, die Armut betrifft mittlerweile schon Arbeiter, die trotz ihrer Beschäftigung kein ausreichendes Einkommen haben, um die immer höheren Lebenshaltungskosten zu finanzieren. Dabei sieht die Zukunft alles andere als rosig aus. Die Wirtschaftskrise lässt grüßen. Die Erfahrung lehrt uns, dass in Krisenzeiten die Armen noch ärmer werden.

Het Belang van Limburg stellt im Kommentar fest, dass das Problem der Armut in Belgien sehr viel akuter ist, als in den Niederlanden. Dort liegt der Beschäftigungsgrad viel höher und das belegt wieder einmal, dass die verschiedenen Regierungen unseres Landes sich vor allem darum kümmern müssen, dass mehr Menschen Arbeit finden.

Le Soir und De Standaard führten ausführliche Interviews über die globale Finanz- und Wirtschaftskrise mit Premier Leterme. Die jetzige Krise ist um vieles schlimmer als die Dioxinkrise, zitiert De Standaard den Regierungschef. Die jetzige Krise ist auch schlimmer als der Zusammenbruch der Börse in den 30er Jahren, weil sich jetzt alles mit einer riesigen Geschwindigkeit entwickelt. Wir erleben jetzt eine Online-Krise, so der Premier.

Le Soir titelt: „Yves Leterme, 2. Akt, die Wirtschaft retten, schnell“. Im Interview mit der Brüsseler Zeitung sagt Leterme: „Die Belgier werden unter der jetzigen Wirtschaftskrise weniger leiden als manche unserer europäischen Nachbarn, weil wir die notwendigen Maßnahmen zeitig ergriffen haben.“

Im Kommentar meint die Zeitung, jetzt erleben wir endlich eine belgische Regierung, die ihre Verantwortung übernimmt. Das Duo Reynders/Leterme trifft Entscheidungen. Man hatte schon vergessen, dass dies nach den gemeinschaftspolitischen Streitigkeiten der vergangenen Monate überhaupt möglich war.

La Libre Belgique bringt auf Seite 1 als Schlagzeile: „Milquet möchte das Leben der Atomkraftwerke verlängern. Die cdH-Präsidentin ist formell: Ohne Atomstrom kann Belgien die Kyoto-Zielsetzungen nicht einhalten. Deshalb ist der für 2015 angekündigte Atomausstieg keine Option, findet Milquet.

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