Die Presseschau von Montag, dem 01. September 2008

Die Ferien sind zu Ende, das ist in vielen Zeitungen heute das Thema Nummer 1.

Das neue Schuljahr

„Schulanfang – viele Eltern müssen zuviel zahlen“ – so Vers L’Avenir. Demnach berechnen manche Mittelschulen zu hohe Beträge. Auch sind die freien Schulen oft doppelt so teuer wie die Gemeinschaftsschulen. In der Wallonie will Minister Dupont gegen Missbräuche vorgehen.

Jedes dritte Kind ist auf Nachhilfe angewiesen, das ist in De Standaard die wichtigste Schlagzeile. Hiervon profitieren teure Nachhilfeagenturen und Logopäden. Sie müssen immer öfter dort einspringen, wo die Schulen überfordert sind. 40 % aller Eltern finden auch, dass ihre Kinder zu viel für die Schule arbeiten müssen.

Le Soir bringt als Schlagzeile: „Die Abiturienten werden nicht ausreichend auf das Erwachsenenleben vorbereitet“. Eine Umfrage bei 3.000 Abiturienten belegt, dass die Schule es nicht schafft, Jugendliche zu kritischen und gut informierten Bürgern auszubilden. So wissen nur 12 % der Befragten, was es mit der Erderwärmung auf sich hat, und 26 % wissen nicht, dass Kongo mal eine belgische Kolonie war.

„Dringend gesucht: Lehrer“ – erfahren wir in Gazet Van Antwerpen. Manche Mittelschulen waren am vergangenen Freitag noch immer auf der Suche nach Nachwuchslehrern. Besonders schwierig ist die Besetzung der Fächer Mathematik, Wissenschaft, Französisch und Englisch.

In Flandern ist das Thema „hohe Schulrechnungen“ ebenfalls akut, schreibt Het Belang Van Limburg. Deswegen hat der flämische Bildungsminister Vandenbroucke einen Höchstbetrag eingeführt. Schulen kündigten an, dass sie jetzt weniger oft ins Schwimmbad gehen können und seltener Ausflüge organisieren werden. Das ist schade, denn für viele Kinder sind die Schulausflüge die einzige Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, die ihnen in der Familie vorenthalten werden.

Gazet Van Antwerpen begrüßt die neue Maßnahme. Der Nutzen zahlreicher Schulausflüge ist eher zweifelhaft. Es ist durchaus korrekt, dass Schulen Grenzen gesetzt werden. Aber die Suppe wird wahrscheinlich nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wurde. Schulen sind in der Regel sehr erfinderisch.

De Standaard kommentiert die geplante Reform der Basiskompetenzen, die Schulen auf jeden Fall ihren Schülern vermitteln müssen. Die Festlegung dieser Kompetenzen ist keine einfache Sache, wenn man weiß, dass damit heute Sechsjährige auf einen Berufseinstieg im Jahre 2025 vorbereitet werden müssen. Deshalb wird von den Bildungspolitikern sehr viel Weitsicht erwartet.

Het Nieuwsblad begrüßt in diesem Zusammenhang, dass bei der Liste der neuen Basiskompetenzen Technik und Technologie eine größere Rolle spielen sollen. Tatsache ist nämlich, dass intellektuelle Jobs gesellschaftlich völlig überbewertet werden. Das Bildungsangebot der Schulen muss sich weitaus stärker als bisher am Arbeitsmarkt orientieren. Und der braucht sehr viele Handwerker und Facharbeiter.

Das Ende der politischen Sommerpause

Der 1. September ist traditionell auch das Ende der politischen Sommerpause. „Französischsprachige eröffnen die Feindseligkeiten“ schreibt De Morgen hierzu. Die vier großen frankophonen Parteien fordern von der Regierung mehr Engagement in sozialwirtschaftlichen Fragen. Der MR-Parteivorsitzende Reynders stellte klar, dass es vor 2009 keine Staatsreform geben werde.

Drei Wochen, um die Regierung zu retten, titelt Het Laatste Nieuws. Wenn am 21. September die N-VA ihre Forderungen für eine Staatsreform auf den Tisch legt, droht der Sturz der Leterme-Regierung. Den drei königlichen Vermittlern bleibt also nicht viel Zeit.

La Libre Belgique stellt im Kommentar die Frage, wo wir nach zwei Monaten Sommerpause politisch stehen. Die Antwort lautet: Nirgendwo. Im Gegenteil, die Lage hat sich sogar verschlechtert. Die außergewöhnlich hohe Inflation ist ein weiterer Beleg dafür, dass diese Regierungsmannschaft nicht regiert. Die Zukunft ist deshalb ein großes Fragezeichen.

Het Laatste Nieuws meint im Leitartikel: Während der Sommerferien gönnten sich Frankophonen und Flamen eine Waffenruhe. Unterdessen hört man von den drei Vermittlern nichts mehr. Die Bürger interessiert das aber inzwischen alles gar nicht mehr. Die Politikverdrossenheit ist allgegenwärtig.

Le Soir schließlich kommentiert die Forderung von Flanderns Ministerpräsident Peeters, die Staatsreform von den beiden großen Gemeinschaften des Landes vorbereiten zu lassen. Er unterschlägt dabei aber, dass in der Verfassung von drei Gemeinschaften und drei Regionen die Rede ist. Auf jeden Fall müssen Brüssel und der Föderalstaat mit am Verhandlungstisch sitzen, so das Blatt.

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