Die Presseschau von Dienstag, dem 22. April 2008

Fast alle Zeitungen kommen heute noch einmal zurück auf Landesmeister Standard Lüttich.

Daneben widmen sich viele den nun wieder anstehenden Verhandlungen über eine neue Staatsreform und den Aussagen eines überlebenden Opfers von Michel Fourniret.

Standard Champion

Der Rote Wahnsinn, titelt heute die wallonische Regionalzeitung Vers L’Avenir und berichtet auf gleich 20 Sonderseiten über den Meistertitel für Standard Lüttich. La Derniere Heure bietet neben einem Sonderheft sogar ein riesiges Poster im A2-Format von der Lütticher Meistermannschaft.

Auch zahlreiche flämische Zeitungen bringen auf ihren Titelseiten Fotos von der ausgelassenen Meisterfeier in Lüttich. Sogar die seriöse flämische Tageszeitung De Standaard widmet sich dem Ereignis und weiß zu berichten, dass den Lütticher Kneipenwirten offenbar das Bier ausgegangen ist. Der erste Meistertitel seit 25 Jahren für Standard Lüttich ist in der „Cité Ardente“ mit Hektolitern Bier begossen worden. Sogar ein Apotheker hat seine Geschäftsräume in den Vereinsfarben dekoriert. Dabei gab es auch ungewohnte Bilder nämlich die von einem gelöst wirkenden Premierminister Yves Leterme, einem bekennenden Standard-Fan, der die Meisterschaft zusammen mit den Fans feierte.

La Libre Belgique stellt sich derweil die Frage, ob der Lütticher Meistertitel nicht stellvertretend für eine gewisse wallonische Aufbruchstimmung steht. Nach dem letzten Meistertitel vor 25 Jahren schlitterte Standard Lüttich in die Krise. Zeitgleich, wenn auch unabhängig davon, durchlebte auch die Lütticher Industrie ihre dunkelsten Stunden. Und jetzt kommt der Lütticher Sieg genau in dem Moment, wo es in der Wallonie erste Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung gibt. Allerdings, so gibt La Libre Belgique zu bedenken: Die Wallonie hat ihren Pokal noch nicht gewonnen.

Beratungen über BHV

Viele Zeitungen richten heute auch einen bangen Blick in die nahe innenpolitische Zukunft. Morgen kommt die Akte „Brüssel-Halle-Vilvoorde“ auf dem Tisch. Dann wird der sogenannte Konzertierungsausschuss, in dem alle Regierungen des Landes vertreten sind, über eine Lösung des Problems beraten.

Kommentierend meint dazu die Brüsseler Tageszeitung Le Soir: Wenn die Akte ins Plenum der Kammer kommt und dort eine flämische Mehrheit erneut gegen den Willen der Frankophonen für die Spaltung des Wahlbezirkes stimmt, dann wäre das eine Atombombe. Es ist aber nicht der Zeitpunkt, das Land jetzt wieder in eine institutionelle Krise zu stürzen. Die Inflation erreicht Spitzenwerte, das Wachstum fällt in den Keller und damit verbunden ist eine empfindliche Schwächung der Kaufkraft. Die politische Klasse sollte ihre Kreativität lieber dieser Problematik widmen.

Davon abgesehen, meint Le Soir, es wäre natürlich gut, wenn das Problem Brüssel-Halle-Vilvoorde, das das Klima seit Jahrzehnten vergiftet, endlich vom Tisch wäre und die Zeichen stehen nicht schlecht. Auf frankophoner Seite scheinen PS und MR an einer gemeinsamen Position zu arbeiten, die eine Einigung mit den Flamen nicht mehr von vornherein unmöglich machen würde.

Fourniret-Prozess in Charleville-Mézières

Zahlreiche Zeitungen berichten heute auch in großer Aufmachung über den Fall der heute 37 Jahre alten Joëlle Parfondry. Die Frau aus Namur war 1995 von dem französischen Serienmörder Michel Fourniret überfallen worden. Gestern sagte sie im Prozess gegen Fourniret im Nordfranzösischen Charleville Meziere aus.

Dabei hat sie einen bewundernswerten Mut an den Tag gelegt, bemerkt in diesem Zusammenhang La Derniere Heure. Die Begegnung mit Fourniret lässt Joëlle Parfondry nicht mehr los. Seit 13 Jahren leidet sie unter Albträumen und Angstzuständen. Erstrecht, seit sie im Jahr 2004 erfuhr, wer der Mann war, der sie überfiel, und dass sie eine der wenigen ist, die die Begegnung mit Fourniret überlebte. In dem Prozess auszusagen, muss für Joëlle Parfondry denn auch eine große Überwindung bedeutet haben.

König Fabiola spricht über Fehlgeburten

Het Laatste Nieuws kommt heute auf ein Interview mit Königin Fabiola zurück, das im flämischen Privatsender VTM ausgestrahlt wurde. „Ich habe 5 Kinder verloren“, sagt darin die Witwe von König Baudouin. Sie sei fünf Mal schwanger gewesen und habe fünf Mal eine Fehlgeburt erlitten. Dass Königin Fabiola einige Kinder verloren hat, war zwar bekannt, bemerkt Het Laatste Nieuws, es ist aber das erste Mal, dass Fabiola offen darüber redet.

Belgische Betriebe

De Morgen widmet sich seinerseits den Plänen der neuen Ministerin für Staatsbetriebe, Inge Vervotte. Sie will unter anderem die Sicherheit bei der Staatsbahn SNCB verbessern. So soll das Zugpersonal die Befugnis bekommen, Verwaltungsstrafen zu verhängen. Besonders auffälligen Fahrgästen soll zudem notfalls ein Bahnhofsverbot auferlegt werden können.

Die Wirtschaftszeitungen L’Echo und De Tijd berichten schließlich über einen möglichen Fall von Korruption bei der Warenhauskette Delhaize. Demnach ermittelt die Justiz gegen einen früheren Delhaize-Verantwortlichen, der für die Vergabe von Bauaufträgen zuständig war. Der Manager soll Preisangebote gefälscht und Schmiergeld angenommen haben.

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