Die Presseschau von Donnerstag, dem 27. März 2008

Der Prozessauftakt im Fall des Serienmörders Michel Fourniret und dessen Ehefrau bildet heute das beherrschende Thema der belgischen Inlandespresse.

Fourniret-Prozess in Charleville-Mézières

Der Aufmachertitel von La Libre Belgique hierzu lautet, der Prozess des Unbeschreiblichen. Das Ehepaar Fourniret müsse sich ab heute wegen Mordes, Entführung und Vergewaltigung von Jugendlichen und mehrerer junger Frauen verantworten. Das Verfahren gegen Fourniret und seiner Frau werde von einem spektakulären Medienrummel begleitet. Das Gerichtsgebäude von Charleville-Mézières sei genau wie das entsprechende Gebäude in Arlon für einen solch außergewöhnlichen Geschworenen-Prozess ungeeignet.

Genau wie die belgischen Justizbehörden seinerzeit beim Dutroux-Prozess hätten auch die französischen Behörden alles daran gesetzt, um den Beteiligten des Prozesses zu erlauben angesichts des Umfangs der Akte standzuhalten. Die Familien der Opfer des Serienmörders würden von Juristen und Psychologen während des vermutlich langen und schmerzhaften Parcours durch den Prozess begleitet. Ab heute würden die Hinterbliebenen der Opfer mit einem Michel Fourniret konfrontiert, der sich schließlich dazu entschlossen hat dem Prozessauftakt beizuwohnen und sogar angedeutet hat, dass er sich heute oder morgen im Gerichtssaal zu Wort melden wolle, schreibt La Libre Belgique.

Während heute in Charleville-Mézières der Prozess gegen das Ehepaar Fourniret beginne, rolle Belgien einen weiteren Fall von Kindesentführung auf, in den der französische Serienmörder verwickelt sein soll, notiert Le Soir. Das Schicksal der beiden teuflischen Täter sei besiegelt. Die Beschreibung ihres kriminellen Vorgehens sei bereits tausendfach beschrieben, erklärt und detailliert worden. Alle zusätzlichen Erkenntnisse zu den Horrorszenarien in den Mordfällen Brichet, Laville oder anderer, würden am Strafmaß, das die Geschworenen am Ende des Prozesses aussprechen würden, nichts mehr ändern.

Dieser Prozess, so schreibt Le Soir, eröffne aber vielleicht die Möglichkeit das Verständnis einer Gesellschaft zu verbessern, die es den Serientätern erlaubte bislang völlig ungestraft ihre fürchterlichen Delikte zu verüben. Genau wie Dutroux und Martin, hätten auch Fourniret und seine Frau Monique Olivier über Jahre Lücken der Justiz sowie Unvollkommenheiten bei Polizei und Strafvollzug schamlos ausgenutzt.

„Teufelspaar Fourniret/Olivier heute vor französischem Schwurgericht“ lautet der Titel von De Standaard auf Seite 1. Der Fall Fourniret sei genauso aufsehenerregend wie die Dutroux-Affäre. Darüber hinaus müsse die französische Justiz eine Reihe von Fragen beantworten. Die beiden Angeklagten müssten sich wegen der Vergewaltigung und des Mordes an sieben Mädchen verantworten, unter denen auch die wallonische Elisabeth Brichet war. Das Leid, das diese Delikte den Hinterbliebenen der Opfer zugefügt habe, sei maßlos, so De Standaard.

Für die Familien der Opfer sei der Prozess zwar eine neue Prüfung aber auch die Chance, ein Kapitel abzuschließen. Sie könnten ihr Leben, das sie vor dem Verschwinden ihrer Liebsten führten, nicht zurückbekommen. Auch die unendlichen Schmerzen über das was ihnen widerfuhr würden wohl nie gänzlich weichen. Trotzdem müsse der Prozess für die meisten der Hinterbliebenen Befreiung bringen, das die Verantwortlichen für ihr Leid wenigstens vor Gericht stehen und verurteilt werden, so De Standaard.

Für Het Volk würden sich die Eltern der Opfer mit weniger als einer Verurteilung zu lebenslanger Haft nicht zufrieden geben. Derweil seien die Anwälte des Angeklagten nicht überzeugt, dass Fourniret dem Prozess über die gesamte Länge hinweg beiwohnen wird. Sein Mandant habe eine kurze Wortmeldung vorbereitet, indem er Kritik an den gerichtlichen Ermittlungen und den psychiatrischen Gutachten üben wolle, zitiert Het Volk einen Rechtsbeistand von Michel Fourniret.

Flamen besser bezahlt als Wallonen

De Morgen berichtet heute auf Seite 1 neben dem Prozessauftakt zum Fall Fourniret über die zunehmende Lohnkluft in Belgien. „Flame erhält 200 Euro mehr Lohn als Wallone“, lautet der Titel hierzu. Während der Durchschnittsflame eine Nettomonatseinkommen von 1400 Euro beziehe, seien es für Brüsseler 150 und für Wallonen 200 Euro weniger. Die flämische Wirtschaft, so notiert De Morgen, wachse auch viel schneller als die wallonische. Vom kürzlich festgestellten Aufholen der Wallonie könne deshalb keine Rede mehr sein. Nach Angaben der Zeitung sei Flandern auch mit großem Abstand der wichtigste Motor beim Schaffen neuer Arbeitsplätze in Belgien.

Staatsreform vs. Steuerreform

De Tijd schließlich macht heute mit einem Interview von Vize-Premier und Finanzminister Reynders auf. Der MR-Parteichef bleibe dabei, dass es bis zum 15. Juli nicht zu einer Einigung über eine große Staatsreform komme. Das Blatt zitiert den liberalen Spitzenpolitiker mit den Worten: Die Flamen wollen eine Staatsreform, ich will eine umfangreiche Steuerreform. Ob es wohl jemals klappen würde mit dieser Regierung?, fragt De Tijd. Selbst die größten Optimisten würden den Mut langsam verlieren. Es sei bedauerlich, dass in den neun Jahren in denen Reynders das Finanzressort inne habe, der globale Steuerdruck kaum gesunken sei.

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