Die Presseschau von Samstag, dem 15. März 2008

Die Koalitionsverhandlungen gehen diese Wochenende in die wahrscheinlich letzte und entscheidende Phase. Das ist vor allem in der flämischen Presse das zentrale Thema.

De Standaard und Het Laatste Nieuws veröffentlichen auf der Titelseite die Ergebnisse ihrer Meinungsumfragen, die beide zu denselben Schlussfolgerungen kommen.

„Verhofstadt auf dem Höhepunkt seiner Popularität“ heißt es in De Standaard. Het Laatste Nieuws titelt „Leterme verliert Kredit“. „Guy Verhofstadt ist der Mann der Stunde“ heißt es in dieser Zeitung. Seine erfolgreiche Rettungsoperation des Vaterlandes hat ihn wieder zur Nummer 1 gemacht.

Das sieht auch De Standaard so: Verhofstadt kann sich auf dem Höhepunkt seiner Popularität aus der Politik verabschieden. Aber noch immer halten 42% der Befragten Yves Leterme für den fähigsten Mann für das Amt des Premierministers. Damit schneidet er etwas besser ab als Verhofstadt.

La Libre Belgique führte ein ausführliches Gespräch mit Bart de Wever, dem Parteivorsitzenden der flämischen Nationaldemokraten N-VA. „Belgien existiert nicht mehr“, mit dieser Schlagzeile wird das Gespräch zusammengefasst. Was von Belgien noch übrig bleibe, werde sich in Zukunft völlig auflösen, meint De Wever. Langfristig sei dieser Prozess nicht mehr zu bremsen. Der N-VA Chef stellt aber fest, er sei ein Konservativer und kein Revolutionär. Das Ende Belgiens werde sich in gegenseitigem Einverständnis organisieren lassen, so Bart De Wever.

Het Volk stellt fest, dass das aktuelle Politbarometer weitere Stimmengewinne für das Kartell CD&V/N-VA prophezeie. Diese gehen aber auf das Konto der rechtskonservativen N-VA. Gleichzeitig verliert die CD&V aber linke, gewerkschaftsnahe Wähler. Das wird auf Dauer zum Konflikt zwischen dem flamingantischen Flügel und der christlichen Arbeiterbewegung führen. Auf die Leterme-Regierung warten nach Gründonnerstag nicht nur sprachpolitische Probleme, glaubt Het Volk.

Het Belang Van Limburg sieht als wichtigste Schlussfolgerung des Politbarometers die Verluste des Vlaams Belang. Es hat den Anschein, dass der cordon sanitaire endlich Früchte trägt, so das Blatt.

De Morgen kommentiert: Bei den Koalitionsverhandlungen dominiert noch immer das gegenseitige Misstrauen und der Wille, sich gegenseitig zu beschädigen. So lässt sich keine echte Regierung auf die Beine stellen. Das Vertrauen in die Politik sinkt deshalb auf einen historischen Tiefstand. Kein Wunder, dass die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung weiter zunimmt.

De Standaard sieht das ähnlich. Die Koalitionspartner haben sich bisher auf nichts geeinigt. Leterme wird nichts geschenkt, aber das ist keine Entschuldigung. Er ist selbst dafür verantwortlich, ob sein Projekt Erfolg hat oder scheitert. So sind nun mal die Regeln in der Politik, meint De Standaard.

Vers L’Avenir kommentiert die Tatsache, dass der MR-Parteivorsitzende Didier Reynders in einer Anzeige für eine teure Uhrenmarke wirbt. Der Leitartikler hält das für völlig inakzeptabel: Ist es vernünftig, wenn man Didier Reynders heißt und die Ämter des Parteivorsitzenden und Finanzministers innehat, gleichzeitig über die zukünftige Regierung verhandelt und davon träumt evtl. Premierminister zu werden, ist es vernünftig, sich dann von einer Luxusuhrenmarke kaufen zu lassen? Ist sich Herr Reynders nicht bewusst, dass er damit seinen Ruf als Sprachrohr der Reichen nur bestätigt?

Le Soir befasst sich auf mehreren Seiten ausführlich mit dem Firmenimperium von Prinz Laurent. „Prinz Laurent, der Geschäftsmann“, so die Schlagzeile. Der Prinz steht demnach im Mittelpunkt eines undurchsichtigen Firmengeflechts, das Umweltschutz und Immobilien miteinander vermischt. Und dies, obschon er jährlich eine Apanage von mehr als 300.000 Euro aus Steuergeldern erhält. Im Kommentar meint die Brüsseler Zeitung dazu: Es ist offensichtlich, das der Prinz durchaus fähig ist, sein eigenes Geld zu verdienen. Nichts rechtfertigt deshalb die jährliche Dotation. Im Klartext: Eine solche Apanage müsste in Zukunft nur für diejenigen reserviert werden, die sich wirklich für das öffentliche Wohl einsetzen, also das Königspaar und den Thronfolger, findet Le Soir.

Verschiedene Zeitungen freuen sich über die Erfolge des Standard Lüttich. Die Mannschaft schlug gestern Beerschot mit 2:1 und ist damit noch deutlicher Tabellenerster. „Standard hebt ab“ heißt es dazu in La Derniere Heure.

Das Grenz-Echo schreibt: Eine ganze Generation von Fans von Standard Lüttich könnte spätestens am Pfingstwochenende mit dem Gewinn des ersten Meistertitels seit 1983 erlöst werden.

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