Die Presseschau von Freitag, dem 15. Februar 2008

Die Einweisung von Vizepremier Yves Leterme zur stationären Behandlung in eine Uni-Klinik beherrscht heute die Titelseiten der belgischen Inlandspresse.

„Leterme ist krank, die Mehrheit schwankt“ lautet die Balkenüberschrift von Le Soir. Die Brüssel Tageszeitung berichtet wie fast alle anderen Blätter heute ausführlich über die ernsten Gesundheitsprobleme des christdemokratischen Vizepremiers. Yves Leterme sei bereits Mittwochabend in eine Klinik eingewiesen worden und dann vom Krankenhaus in Ypern in die Universitätsklinik von Löwen überwiesen worden.

Gestern Abend habe der Sprecher des Vizepremiers dann offiziell eine innere Blutung im Magen-Darm-Trakt Letermes als Grund für die stationäre Behandlung des flämischen Spitzenpolitikers angegeben. Der Anwärter auf das Amt des Premierministers bleibe in den nächsten Tagen unter ärztlicher Aufsicht. CD&V-Justizminister Jo Vandeurzen wird den erkrankten Leterme während den Etatgesprächen zum Haushalt 2008 vertreten. Letermes Abwesenheit, so bemerkt Le Soir, bedeute derweil ein neues Hindernis für die Übergangsregierung.

Welcher Fluch laste bloß auf Yves Leterme, fragt der Leitartikler der Brüsseler Zeitung. Dazu vorbestimmt, in 30 Tagen neuer belgischer Premier zu werden, sei Leterme in einem Schlüsselmoment zum Beginn der Diskussionen zum Staatshaushalt, bei denen er die Hauptrolle hätte spielen sollen, im Krankenhaus. Und die Abwesenheit Letermes könne sich hinziehen, heißt es im Kommentar der Zeitung.

Auch La Libre Belgique bringt Yves Letermes erzwungene Pause von den Regierungsgeschäften auf Seite 1. Der Vizepremier sei noch gestern Abend zum Stoppen einer inneren Blutung im Magen-Darm-Trakt operiert worden, glaubt die Zeitung zu wissen. Dieser Zwangsurlaub habe Folgen und verändere die Terminplanung. Es werde für Leterme schwierig, ja möglicherweise unmöglich, am 23. März Premierminister zu werden. Die Dauer seiner Abwesenheit sei indes unmöglich abzuschätzen. Die Etat-Diskussionen gehen weiter, doch was kommt hiernach?, fragt La Libre Belgique.

Alle Szenarien seien möglich. Doch wird Leterme eines Tages tatsächlich Premier? Er sei völlig erschöpft nach einem verrückten Jahr, das durch Wahlkampf, Koalitionsverhandlungen und schwierige Aufgaben in seinen Ressorts gekennzeichnet war, im OP gelandet. Nach umfangreichen Untersuchungen hätten sich die Ärzte gestern dazu entschlossen, Leterme ein erstes Mal zu operieren, um eine Blutung in seinem Magen-Darm-Trakt zu stoppen.

Auch La Libre Belgique bemerkt im heutigen Leitartikel, dass denen, die seit acht Monaten versuchten, eine neue Regierung auf die Beine zu bringen, nichts erspart bleibe. Gerade auf die Zielgerade eingebogen, würde einer der wichtigsten Verhandlungsteilnehmer sich im Krankenbett wiederfinden.

Auch das Grenz-Echo hat den Titel „Leterme im Krankenhaus“ heute auf Seite 1. Trotz der Einweisung Letermes in die Klinik bleibe die Agenda unverändert, zitiert die Eupener Tageszeitung Regierungschef Guy Verhofstadt. Zum einen finde die für heute geplante Gesprächsrunde in Sachen Staatshaushalt statt, und hielte man zum anderen auch am Timing für den Machtwechsel an der Spitze der Föderalregierung fest: Yves Leterme werde am 23. März Premierminister.

Die ernste Erkrankung von Yves Leterme störe die Regierungsarbeit, schreibt De Morgen. Die Nachricht von der Aufnahme des CD&V-Spitzenpolitikers in die Uniklinik von Löwen habe in der Kammer gestern für Aufsehen gesorgt. Anfänglich habe Letermes Sprecher zu verharmlosen versucht. Der 47-jährige Spitzenpolitiker habe schon mehrere Tage über Grippesymptome geklagt, die nicht abebben wollten, woraufhin er die Zeit für eine gründliche Untersuchung gekommen sah.

Sehr schnell wurde dann aber klar, dass der Zustand Letermes vermutlich deutlich ernster war. Im Parlament ging das Gerücht um, so schreibt De Morgen, dass Leterme an einer Hepatitis erkrankt sei. Dies stellte sich dann aber als falsch heraus. Unterdessen betonte Premierminister Verhofstadt, dass der Stichtag des 23. März durch die Ereignisse nicht in Gefahr gebracht wird.

„Mörderisches Jahr fällt Leterme“ lautet der Titel bei De Standaard. Die Erkrankung von Vizepremier Leterme werfe viele Fragen auf, kommentiert die Zeitung. Kann am Staatshaushalt oder der Verfassungsreform noch weiter gearbeitet werden? Kann er am 23. März die Führung der Regierung übernehmen, vorausgesetzt die derzeitige Koalition besteht dann noch? Diese Fragen blieben offen. Ob ein längerer, krankheitsbedingter Ausfall Letermes einen Einfluss auf dessen Image und die öffentliche Meinung über den möglichen Regierungschef von morgen hat, sei noch weniger vorhersehbar, schriebt De Standaard.

Het Laatste Nieuws macht mit der Balkenüberschrift „In aller Eile operiert“ auf. Leterme sei vermutlich für Wochen außer Gefecht gesetzt. Die Regierung des 47-Jährigen sei wohl verurteilt, nie an den Start zu gehen. Die Einweisung Letermes in die Uniklinik Gasthuisberg in Löwen sei ein sicheres Indiz dafür gewesen, dass der Gesundheitszustand des Spitzenpolitikers besorgniserregend sei.

Het Volk schließlich zitiert zu diesem Thema Justizminister Vandeurzen, der Yves Leterme vorläufig ersetzt, mit den Worten, er, Leterme, nehme nie frei. Dabei seien auch Politiker keine Roboter.

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